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29.03.2013
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Alternative Antriebe
Harter Aufprall für Elektroauto-Pioniere

Von Wilfried Eckl-Dorna

Eigentlich sollte 2013 das Jahr werden, in dem nicht nur die deutschen Hersteller bei Elektroautos durchstarten. Doch die Ernüchterung rund um das Thema Elektromobilität lässt weltweit Pioniere straucheln. Wer aufgeben musste - und warum.

Ging Mitte März von Bord seines eigenen Unternehmens: Henrik Fisker vor seinem Modell Karma
REUTERS

Ging Mitte März von Bord seines eigenen Unternehmens: Henrik Fisker vor seinem Modell Karma

Henrik Fisker, Fisker Automotive

Er hatte die nötigen Kontakte - und einen klingenden Namen in der Branche: Knapp 18 Jahre lang arbeitete Henrik Fisker als Designer für große Automobilhersteller, entwarf Sportwagen wie den BMW Z8 oder den Aston Martin DB9. Doch im Jahr 2007 machte er sich mit dem Jointventure Fisker Automotive selbstständig und setzte sich ein ehrgeiziges Ziel. Fisker wollte einen ökologisch verträglichen Sportwagen bauen.

Bereits Anfang 2008 zeigte Fisker einen ersten Prototypen bei Automessen, doch die Finanzkrise verzögerte die Finanzierung des Projekts. Fisker und sein Mitgründer, der ehemalige BMW-Manager Bernhard Köhler, erwiesen sich jedoch als kreativ beim Einsammeln von Geld. Sie erhielten Kredite des US-Energieministeriums, trieben private Geldgeber auf - und sammelten so bis Ende 2012 rund ein Milliarde Dollar ein.

Mitte 2011 lieferte Fisker die ersten, in Finnland gebauten Fahrzeuge seines Modells Karma in den USA aus. Mehr als 100.000 Dollar kostet das Luxusfahrzeug, zu dessen Eigentümerkreis unter anderem Hollywoodstar Leonardo diCaprio oder der Sänger Justin Bieber gehören. Rund 50 Kilometer weit kommt der Karma mit einer vollen Batterieladung, danach schaltet sich ein 260 PS starker Vierzylindermotor zu. Rechnerisch verbraucht der Karma nur 4,5 Liter Sprit je 100 Kilometer.

An ehrgeizigen Zielen herrschte bei Fisker kein Mangel: Knapp 10.000 Karmas sollten 2011 vom Band laufen, im darauffolgenden Jahr sollten es 15.000 werden. Gleichzeitig arbeitete Fisker an einer kleineren, billigere Limousine namens Atlantic, die rund 40.000 Dollar kosten sollte. Eine Kombiversion und ein Cabrio hatte Fisker ebenfalls in Planung.

Doch der Produktionsanlauf bei Fisker verlief schleppender als geplant, und bald häuften sich die Probleme. Im November 2011 musste Fisker 258 Autos wegen eines Problems mit der Batterie zurückrufen. Das US-Energieministerium fror im selben Jahr einen Kredit über 529 Millionen Dollar an, von dem Fisker gut die Hälfte ausgegeben hatte. Gedacht war der Kredit für den Start der Atlantic-Produktion. Doch Fisker schaffte die zeitlichen Vorgaben des Ministeriums nicht.

Fisker kämpft nun ohne seinen Namensgeber

Den schwersten Schlag kassierte das junge Unternehmen allerdings im Oktober 2012, als Fiskers Batterielieferant A123 Systems Insolvenz anmeldete. Danach ruhte die Produktion des Karma, von dem bislang rund 1800 Stück verkauft wurden.

Chinesische Automobilhersteller bemühen sich nun um einen Einstieg bei dem Unternehmen. Der Kredit des Energieministeriums legt allerdings fest, dass die Limousine in einem ehemaligen GM-Werk in den USA gebaut werden muss - und das ist nicht nur asiatischen Investoren ein Dorn im Auge.

Mitte März 2013 ging Unternehmensgründer und Namensgeber Henrik Fisker überraschend von Bord. Bei den Verhandlungen mit den Chinesen habe es "mehrere größere Meinungsverschiedenheiten" gegeben, hieß es aus dem Unternehmen. Zeitungen mutmaßen, dass Henrik Fisker den Kredit des US-Energieministeriums kündigen wollte, da er die Produktion auf die USA einschränkte. Sein Finanzvorstand soll allerdings an dem Kredit festgehalten haben.

Einfacher wird es nach dem Abgang des charismatischen Dänen für das Unternehmen kaum. Berichten zufolge hat der chinesische Autoproduzent Dongfeng nun ein Angebot für einen Einstieg abgeben. An der Unternehmensführung solle sich nach Fiskers Ausscheiden nichts ändern, verlautete Mitgründer Köhler. Und am Start der Limousine Atlantic werde weiter gearbeitet. Die Frage ist nur, wie lange noch - denn derzeit sieht es für die Zukunft von Fisker Automotive nicht gerade rosig aus.

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