Montag, 10. Dezember 2018

BMW-Managerin Andree Allein unter Alphatieren

Begeisterte BMW-Fahrerin: Milagros Caiña-Carreiro-Andree

Sie ist eine Frau, sie entstammt nicht der BMW-Kaderschmiede, sondern dem eher bodenständigen Bahn- und Logistikgeschäft, sie hat spanische Wurzeln und offenbar preußische Disziplin. Milagros Caiña-Carreiro-Andree muss im Vorstand von BMW ihren Part noch finden.

München - Die Dame friert. Beim "Flying Buffet" mit Journalisten in der Münchner BMW-Welt behält die Vorständin zunächst den Mantel an. Das ist ja auch eine kalte Glitzerwelt, hier, in dieser Kathedrale des Auto-Designs, in der alles auf Effekt getrimmt ist und es nur im Hintergrund ganz leicht nach Gummi riecht.

Aber zugeknöpft ist sie gar nicht, die 50 Jahre alte Spanierin von zierlicher Gestalt und natürlichem Auftreten. Man kommt leicht mit ihr ins Gespräch - und doch schwer an sie heran. Mit dieser freundlich-unterkühlten Art sich nicht in die Karten schauen zu lassen, passt sie schon einmal ganz gut zu dem Münchner Autokonzern.

Seit dem 1. Juli 2012 ist Milagros Caiña-Carreiro-Andree Vorstandsmitglied für Personal bei BMW, zuständig für 106.000 Mitarbeiter verteilt in der ganzen Welt, vom Werker am Band, über den Ingenieur bis zur Führungskraft. "Wunder" bedeute ihr Vorname auf Spanisch, sagt sie. Die ersten beiden Nachnamen stammen, wie in Spanien üblich, von Vater und Mutter, der Dritte von ihrem Mann Werner Andree, seit 2001 Vorstandssprecher des Bahntechnikzulieferers Vossloh in Werdohl im Sauerland.

"Ich als Spanierin" - dieser Satz fällt durchaus im Gespräch mit Frau Andree, wie sie sich abgekürzt vorstellt. Dabei ist sie schon als Dreijährige nach Deutschland gekommen, hat in Menden im Sauerland Abitur gemacht und dann eine Lehre zur Industriekauffrau bei Vossloh. Berufsbegleitend studierte sie BWL und schickte sich danach an, eine steile Personaler-Karriere zu machen: bei Vossloh, dann in der Führungskräftebetreuung der Deutschen Bahn, schließlich als Personalvorstand der Bahntochter Schenker (60.000 Mitarbeiter). Einen ganz und gar deutschen Lebenslauf hat sie also und gibt sich auch nicht betont polyglott, sondern verweist auf ihre fachliche Erfahrung.

Eine deutsche Karriere

Schwarzes Kostüm, das dunkle Harr streng geknotet, etwas Goldschmuck, schlichtes Make-up - die Vorständin spielt das Weibliche nicht in den Vordergrund. Im Gegenteil: Wenn man sie auf ihre Rolle als "Leuchtturm" im Unternehmen anspricht oder ihre Pläne, die Macht der Frauen in diesem Männerkonzern zu stärken, reagiert sie äußerst schmallippig.

Die strikte Gegnerin der Frauenquote lässt lieber unter den Tisch fallen, dass ihre Ernennung 2012 am Weltfrauentag bekannt gegeben wurde. Sie wiederholt die eher bescheidenen Zielvorgaben des Konzerns zum Frauenanteil in Führungspositionen: 15 bis 17 Prozent bis 2020. Die stammen von ihrem Vorgänger Harald Krüger, der jetzt im Vorstand für die Marke Mini zuständig ist und bald Produktionschef wird.

Wie er wiederholt Andree das Mantra von der Diversity, wonach nicht nur Frauen die Mischung machen, sondern auch ältere Menschen und Mitarbeiter aus dem Ausland. Wie er beklagt sie die geringe Absolventinnenzahl in technischen Studiengängen und Berufen, preist das wieder neu aufgelegte Trainee-Programm mit schon 35 Prozent Frauenanteil, betont die Notwendigkeit von flexiblen Arbeitszeiten und Kinderbetreuung - Dinge, an denen man nicht vorbeikomme, "auch wenn sie nicht in die originäre Verantwortung einer Aktiengesellschaft gehören".

Die Fiz-Strolche allerdings sahen sie sofort als zuständig an. Die Kinder der Kita im Forschungs- und Entwicklungszentrum (Fiz) des Autokonzerns wollten ihr zehnjähriges Jubiläum Anfang Oktober 2012 nicht ohne Frau Andree feiern und malten ihr eine farbenfrohe Einladung. Zwei männliche Ingenieure hätten ihr daraufhin erläutert, worum es sich da handele, sagt sie; sie sei dann auch hingegangen.

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