Sonntag, 24. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Zukunft der Mobilität "Der Preis für Autos wird sich halbieren"

Automobile Zukunft: Wie wir künftig fahren
Fotos

200 Stundenkilometer schnelle Elektroflitzer, Assistenzsysteme, die selbstständig einparken und selbst fahrende, vernetzte Pkw - die Entwicklungen in der Autobranche werden immer rasanter. Der Futurologe Lars Thomsen erläutert, wie wir in Zukunft fahren werden - und zeigt die Folgen für die Industrie.

mm: Herr Thomsen, Sie haben sich als Zukunftsforscher intensiv mit der Zukunft unserer Mobilität beschäftigt und sprechen auch auf der diesjährigen Cebit zu diesem Thema. Werden wir in zehn Jahren noch Auto fahren - oder fahren Autos mit uns?

Thomsen: Beides. Wir werden garantiert weiter Individualverkehr haben. Mobilität wird einen großen Stellenwert für Menschen darstellen. Aber es verschiebt sich einiges. Vor allem bei jüngeren Menschen wird es weniger darum gehen, Autos zu besitzen. Sie wollen eher Zugang dazu haben. Und die Antriebsformen verändern sich. In zehn Jahren wird ein elektrisches Auto sehr viel billiger zu erwerben und zu betreiben sein als heute. Und die Autos werden auch mit uns fahren - und uns erlauben, die Hände vom Lenkrad zu nehmen.

mm: Die Elektrifizierung des Automobils ist bislang langsamer verlaufen als erwartet. Batteriehersteller gehen Pleite, gelegentlich gehen Elektrofahrzeuge noch in Flammen auf. Was macht Sie so zuversichtlich, dass in zehn Jahren die Elektroautos soweit sind, dass sie wirtschaftlicher sind als konventionelle Antriebe?

Thomsen: Technologiewechsel kommen meist mit einer wirtschaftlichen Logik daher. Irgendwann ist der so genannten "tipping point" erreicht: Wenn die neue Technik bei gleicher Fahrleistung, Reichweite und Geschwindigkeit billiger zu fahren, zu kaufen und günstiger in der Wartung ist. Und bei den Elektroautos wird das - basierend auf den derzeitigen Entwicklungen - bereits 2016/2017 der Fall sein. Bei der Digitalfotografie war das auch so: Da waren die digitalen Apparate teurer und schlechter als die herkömmliche Technik - und viele dachten, die Digitalfotografie setzt sich niemals durch. Und sie hat es doch getan, innerhalb kürzester Zeit.

mm: Bislang sind aber noch die meisten Modelle mit Reichweitenverlängerer unterwegs.

Thomsen: Dass bei der aktuell gängigen Reichweite von 100 bis 120 Kilometern viele noch Angst haben, womöglich auf der Strecke zu bleiben, kann ich verstehen. Aber die nächste Generation Elektroautos wird mittlere Reichweiten von 250 bis 300 Kilometern haben. Und da haben viele schon keine Reichweitenängste mehr.

mm: Bleibt noch immer das Problem der Infrastruktur. Wie wird das Problem der fehlenden Aufladestationen gelöst werden?

Thomsen: Zugegeben, für einen Garagenbesitzer gestaltet sich das Aufladen deutlich leichter. Aber Strom ist eigentlich kein Bereich, in dem wir bislang wenig Infrastruktur haben. Im Gegensteil. Wir haben sicher 1000 Mal mehr Stromtankstellen in Deutschland als Zapfsäulen, weil letztendlich jede Steckdose dafür taugen könnte. Letztlich ist der Aufbau einer solchen Infrastruktur unglaublich simpel im Vergleich zum Aufbau einer "Tank"-Infrastruktur. Und wenn wir bald Super-Schnellladestationen entlang der Autobahnen haben, wie sie derzeit schon Tesla in den USA betreibt, dann wird sich das Thema Reichweitenangst relativ schnell erledigt haben.

Seite 1 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH