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06.03.2013
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Gehälterdebatte
"30.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland seit Winterkorns Antritt"

Von Michael Freitag

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in Wolfsburg
DPA

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in Wolfsburg

Warum Volkswagen-Chef Martin Winterkorn 14,5 Millionen Euro verdient, was die Europäische Union falsch macht und warum der Konzern trotz magerer Perspektiven für Europa auch 2013 wieder auf Erfolgskurs steuert: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh im mm-online-Interview.

mm: Herr Osterloh, wieviele Stunden pro Woche arbeiten Sie im Durchschnitt?

Osterloh: 60 Stunden, häufig auch 70. Sie können mal meine Frau anrufen. Ich fliege heute um 12:05 Uhr von Braunschweig zur Aufsichtsratssitzung der VW-Tochter Porsche Holding Salzburg. Wieder zu Hause sein werde ich um 20:30 Uhr. Und am nächsten Freitagabend ist das genau so. Meine Frau war nicht gerade amüsiert, als ich ihr das erzählt habe.

mm: Sie führen den Konzernbetriebsrat, Sie gehören dem Präsidium des Aufsichtsrats an, Sie gelten als die Nummer drei der Volkswagen AG Chart zeigen; überragt nur noch vom obersten Aufsichtsrat Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn. Im Verbund mit der IG Metall können Sie Vorstände stürzen, Sie können den Bau neuer Werke verhindern. Trotzdem verdienen Sie nur ein Bruchteil der 14,5 Millionen Euro, die Martin Winterkorn für 2012 ausgezahlt bekommt. Geraten da nicht die Dimensionen durcheinander?

Osterloh: Da machen Sie sich aber ein falsches Bild von der Mitbestimmung bei Volkswagen. Mir geht es nicht um Macht, sondern um die Interessen meiner Kollegen und das Wohl des Unternehmens. Allein schon deshalb ist ein Vorstandschef, der mehr als 20 Millionen Euro bekommt, der Belegschaft genau so wenig vermittelbar wie ein Betriebsratsvorsitzender, der mehr erhält als gesetzlich vorgesehen. Ich darf durch meine - und das möchte ich hier betonen - eigentlich ehrenamtliche Tätigkeit im Dienst der Belegschaft weder Vor- noch Nachteile haben.

mm: Dann verdient Martin Winterkorn vielleicht zu viel ...

Osterloh: Herr Winterkorn hat auch 2012 wieder herausragende Arbeit für Volkswagen geleistet. Unser Vorstandsvorsitzender ist sein Geld wert. Im Übrigen wird sein Gehalt in seinem Arbeitsvertrag festgelegt, ...

mm: ..., den Sie als Präsidiumsmitglied des Aufsichtsrats entscheidend mitbeeinflussen.

Osterloh: Ja, und ich stehe auch zu dem Bonus, den Herr Winterkorn bekommt - und dessen Berechnung wir gerade erst geändert haben. Aber es ist doch so: Die Macht eines Vorstandschefs basiert auf seinem Arbeitsvertrag und dem Rückhalt im Aufsichtsrat; die Macht des Aufsichtsratsvorsitzenden basiert auf dem Vertrauen der Aktionäre; und meine Macht wird legitimiert durch den Organisationsgrad der IG Metall und die Ergebnisse der Betriebsratswahlen. Damit unterscheide ich mich vom Management. Wir Betriebsräte müssen uns alle vier Jahre von der Belegschaft bestätigen lassen. Das gilt für das Management nicht.

mm: Sie haben schon darauf hingewiesen: Der Aufsichtsrat hat die Vorstandsverträge gerade geändert. Statt der gut 20 Millionen Euro, die Herrn Winterkorn für 2012 eigentlich zugestanden hätten, erhielte er nach der neuen Formel 11,5 Millionen Euro. Sie haben dieses Gehalt über eine variable Komponente auf 14,5 Millionen Euro aufgestockt. Wie sehr ist das eine Belohnung für den Verzicht? Martin Winterkorn hätte ja auch darauf bestehen können, dass ihm die 20 Millionen Euro ausgezahlt werden.

Osterloh: Natürlich hätte er das. Schließlich haben wir den Vertrag nachträglich geändert. Trotzdem handelt es sich nicht um einen Kompromiss. Genau so wenig wie um einen Deal, für den der Vorstand im Gegenzug den 7200 Euro Bonus für jeden Tarifmitarbeiter zugestimmt hätte. Belohnt dagegen haben wir Herrn Winterkorn, aber für seine außergewöhnliche Leistung. Wir können 50 Prozent des Bonus als Extra bezahlen. Das haben wir getan.

mm: Dafür, dass er seine Pflicht erfüllt und möglichst gut für Volkswagen arbeitet?

Osterloh: Und dafür, dass er vieles extra macht. Wir haben zum Beispiel keinen Markenvorstand für VW und keinen Entwicklungschef im Konzern. Das erledigt Martin Winterkorn neben seinem Job als Chef eines Unternehmens mit rund 550.000 Mitarbeitern. Im Unterschied zu einem Investmentbanker mit einem Millionengehalt erhält unser Vorstandsvorsitzender sein Gehalt auch nicht für virtuelle, sondern für reale Werte. Und er wird dafür bezahlt, dass er neue Arbeitsplätze schafft. Das gibt es in keinem anderen Unternehmen, und seit Martin Winterkorn an der Spitze von Volkswagen steht, sind bei uns allein in Deutschland 30.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

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