Sonntag, 9. Dezember 2018

Elektroautos "Schicksalsjahre der Elektromobilität"

Elektroautos: In den Jahren 2013 und 2014 müssen deutsche Autohersteller liefern. Sonst wird der Rückstand tatsächlich zu groß.

Elektroautos sind Exoten - noch. Warum Kunden so wenig Elektroautos kaufen, welche Technologie sich durchsetzen wird und warum die bislang zurückhaltenden deutschen Konzerne noch nicht abgehängt sind, erklärt Gregor Matthies, Automobilexperte der Strategieberatung Bain & Company.

mm: Herr Matthies, vor genau drei Jahren hat Volkswagen-Chef Martin Winterkorn auf dem Automobilsalon in Genf angekündigt, 2018 werde der Konzern drei Prozent seiner Autos mit Elektroantrieben verkaufen. Einmal angenommen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen setzt dann 12 Millionen Pkw ab, wären das 360.000 Fahrzeuge. Winterkorns Kollegen prognostizierten damals ähnliche Anteile. Wie realistisch sind solche Ziele noch?

Matthies: Noch ist vieles möglich. Die meisten Hersteller haben weitgehend serienfertige Produkte in ihren Entwicklungszentren stehen. Bei Bedarf können sie diese Autos relativ schnell auf den Markt bringen. Für die Jahre 2013 und 2014 werden eine ganze Reihe massenmarkttaugliche Elektromobile und Plug-In-Hybride...

mm: ...Autos, bei denen an der Steckdose aufladbare Batterien und Elektroaggregate herkömmliche Verbrennungsmotoren unterstützen, die aber auch 30 bis 70 Kilometer rein elektrisch fahren können...

Matthies: ...auf den Markt kommen. Aber in der Tat waren die Ankündigungen vor drei Jahren wohl zu optimistisch. Die Kunden haben die neue Technologie nicht so schnell angenommen wie erwartet, und die Hersteller haben bislang nur wenige wirklich attraktive und konkurrenzfähige Autos auf den Markt gebracht.

mm: Was fehlt dem Elektroauto des Jahres 2013?

Matthies: Da muss man differenzieren. Es gibt durchaus einige Pioniere. Das sind allerdings nicht die deutschen Hersteller, denn als deutsches Produkt gibt es derzeit nur den Smart electric drive. Toyota Börsen-Chart zeigen fährt mit dem Prius vorne weg, Nissan Börsen-Chart zeigen bietet den Leaf, Renault Börsen-Chart zeigen gleich vier Elektrofahrzeuge. Und GM hat den Volt, der in Deutschland als Opel Ampera im Handel erhältlich ist. Das sind durchaus gute Produkte.

mm: Gekauft werden sie trotzdem nicht.

Matthies: Die Autos sind noch relativ teuer. Ein Opel Ampera, von der Größe in etwa vergleichbar mit einem VW Passat, kostet knapp 50.000 Euro. Bei den heutigen Benzinpreisen ist das ohne staatliche Subventionen für die Kunden nicht wirtschaftlich. In einigen Bundesstaaten der USA, in Japan und europäischen Ländern wie Norwegen und den Niederlanden steigen die Absatzzahlen jetzt allerdings signifikant.

mm: Was kaufen die Kunden dort? Reine Elektroautos oder Plug-in-Hybride?

Matthies: Es gibt ja bislang kaum Plug-In-Hybride. Der Ampera hat eine ähnliche Technologie, ansonsten ist nur der Toyota Prius als Plug-In Version auf dem Markt. Alle Modelle zusammen genommen, sind weltweit aktuell zwischen 130.000 und 140.000 Autos auf der Straße. Der Großteil davon befindet sich in den USA und in Japan.

mm: In Deutschland dagegen ist die verkaufte Menge bislang eher homöopathisch,...

Matthies: ...hier sind mittlerweile etwa 5000 Elektroautos zugelassen,...

mm: ...das passt nicht gerade zum im Ausland häufig belächelten Ökowahn der Deutschen, zu Mülltrennung, Dosenpfand und Energiewende. Nur an den höheren Preisen dürfte die Zurückhaltung gegenüber den umweltfreundlicheren Autos kaum liegen.

Matthies: In Deutschland sind vor allem zwei Dinge zu beachten. Zum einen fördert der Staat - im Unterschied zu anderen großen Volkswirtschaften - nur geringfügig den Verkauf an Endkunden. Es gibt Steuervorteile, aber keine direkten Subventionen. In Kalifornien dagegen erhalten Käufer von Elektroautos bis zu 12.500 Dollar Zuschuss, in Frankreich sind es 5000 Euro. Außerdem kaufen die Deutschen bevorzugt Autos deutscher Hersteller. Das gilt insbesondere für hochpreisige Fahrzeuge. Und bei den aktuellen Elektroautos reden wir durchaus über Premiumpreise. Es scheint, als warteten die Kunden auf Modelle von BMW Börsen-Chart zeigen und Mercedes Börsen-Chart zeigen, von Audi Börsen-Chart zeigen und Volkswagen. Für diese These spricht zum Beispiel die Nachfrage nach dem Smart electric drive. Die Bestellungen übersteigen das aktuelle Angebot. Dabei ist das Auto fast doppelt so teuer wie die Basisvariante mit Verbrennungsmotor.

mm: Sie sagen, die Kunden warteten noch ab. Aber auch die Hersteller treiben ihre Projekte nicht so schnell voran wie sie könnten. Was lässt sie zögern?

Matthies: Das ist ein typisches Henne-Ei-Problem. Technisch sind viele Autos marktreif. Profitabel sind sie allerdings noch lange nicht. Die Hersteller warten deshalb ab, wie sich die Nachfrage entwickelt. Dazu kommt, dass sie gerade ihre technische Strategie ändern.

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