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25.02.2013
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Trotz Überkapazitäten
Europas Autoindustrie will Produktion ausweiten

Von Martin Hintze

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DPA

Der europäische Automarkt liegt am Boden, die Geschäfte laufen so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. Ihre Überkapazitäten wollen die Hersteller jedoch nicht abbauen. Im Gegenteil: Laut einer Umfrage von Ernst & Young planen sie, die Produktion sogar auszuweiten.

Hamburg - Den Beschäftigten am Opel-Werk in Bochum dürfte der Gang zur Frühschicht am Montag nicht leicht gefallen sein. Am Wochenende erfuhren sie aus den Medien, dass bereits im kommenden Jahr die Produktionsbänder stillstehen könnten. Auch am Stammsitz in Rüsselsheim stehen dem Bericht zufolge 700 Arbeitsplätze auf der Kippe. Die Opel-Konzernmutter General Motors (GM) will einen straffen Sparkurs durchsetzen. Das Europageschäft hatte dem US-Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von satten 1,8 Milliarden Dollar eingebrockt.

Opel ist kein Einzelfall. Die gesamte Branche leidet unter einem Einbruch der Absatzzahlen in der Europäischen Union. Im Januar sackten die Verkäufe auf ein historisches Tief. Die Zahl der neuzugelassenen Fahrzeuge fiel um fast 9 Prozent auf 885.159 Pkw. Besonders in den wirtschaftlich schwer angeschlagenen Euro-Staaten Italien, Frankreich und Spanien gingen die Verkaufszahlen dramatisch zurück.

Besserung ist für Europa nicht in Sicht. Nach einem Rückgang der Verkaufszahlen im vergangenen Jahr um 8 Prozent rechnen europäische Automanager für 2013 mit einem weiteren Absacken um 2 Prozent. Das geht aus einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y) unter 300 Herstellern und Zulieferern in Europa hervor.

"Die Konjunkturkrise in Südeuropa ist noch lange nicht ausgestanden. Es wird Jahre dauern, bis wir in diesen Märkten wieder deutliches Wachstum sehen werden", sagt Peter Fuß, Partner bei E&Y. Der deutsche Markt werde in diesem Jahr bestenfalls stabil bleiben.

Kein Abbau der Überkapazitäten

Trotz der schlechten Aussichten werden Meldungen über bevorstehende Werksschließungen wie bei Opel eher die Ausnahme bleiben. Laut der Umfrage wollen die Unternehmen die bestehenden Überkapazitäten in Europa nicht abbauen. Im Gegenteil: Insgesamt planen sie, ihre Produktion sogar weiter zu erhöhen, sowohl weltweit als auch in Europa. Der massive Verdrängungswettbewerb auf dem europäischen Markt werde sich dadurch nochmals verschärfen, so E&Y. "Offenbar hofft jeder, aus der aktuellen Krise als Gewinner hervorzugehen. Das kann aber nicht funktionieren", sagt Fuß.

Doch nicht alle Unternehmen sehen sich davon gleichermaßen betroffen. Rund 45 Prozent der deutschen Firmen sind zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage, vor allem dank einer starken Position im Premiumsegment. In Italien wertet dagegen kein einziges Unternehmen seine Lage als gut. Im Durchschnitt bewertet nur jedes dritte Unternehmen in Europa seine momentane Situation positiv. Die Schere zwischen den Herstellern dürfte somit weiter auseinandergehen.

Bei den Zulieferern in Europa sieht die Lage noch düsterer aus. Nur 29 Prozent bezeichnen ihre Geschäftslage als gut. "Bei vielen Zulieferunternehmen war die Lage schon vor der aktuellen Krise kritisch", sagt Branchenkenner Fuß. Die Absatzkrise in Westeuropa könne die Situation gefährlich zuspitzen. "Wenn jetzt fast alle Hersteller einen harten Sparkurs fahren, erhöht sich der Druck auf die Zulieferer weiter", so Fuß.

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