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07.02.2013
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Autoindustrie
Zetsches Problem im Land des Lächelns

Von Wilfried Eckl-Dorna

Neue Mercedes E-Klasse: Mit Investitionen von einer Milliarde Euro aufgefrischt
Daimler

Neue Mercedes E-Klasse: Mit Investitionen von einer Milliarde Euro aufgefrischt

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat heute scheinbar eine Erfolgsbilanz vorgelegt. Doch trotz steigender Erlöse geht der Gewinn zurück - und vor allem in China fährt die Konkurrenz den Mercedes-Leuten davon. Daimler steht eine Aufholjagd auf schwierigem Parcours bevor.

Hamburg - Ein übertriebenes Maß an Eitelkeit kann man Dieter Zetsche nicht nachsagen. Der schnauzbärtige Daimler-Chef legt im kleineren Kreis auch mal die Krawatte ab und zapft Gästen persönlich ein Bier. Doch bei Großveranstaltungen beherrscht Zetsche auch die Kunst der gehobenen Marktschreierei - samt dazugehöriger Posen.

Auf der Detroiter Automesse Mitte Januar etwa ließ sich Zetsche mit hochgestrecktem Daumen ablichten. Dieses Jahr könne ruhig 36 Monate haben, meinte Zetsche selbstbewusst - "so viele neue Produkte werden wir einführen". Bei der Vorstellung der neuen A-Klasse vor knapp einem Jahr erklärte er, dass A für Angriff stünde. In US-Werbespots trat der Automanager auch schon selbstironisch als "Dr. Z." auf - und erklärte mit deutschem Akzent die Vorzüge von Chrysler-Fahrzeugen.

Unter Deutschlands Automanagern ist Zetsche wohl das größte Showtalent - und das wird er auch heute auf der Bilanzpressekonferenz von Daimler Chart zeigenausspielen müssen. Zwar hat Daimler 2012 unter dem Strich einen Gewinn von 6,5 Milliarden Euro eingefahren, operativ ging der Überschuss allerdings zurück. Daimler gelingt es nicht, die Rekorderlöse in Höhe von 114 Milliarden Euro auch in steigende Gewinne umzumünzen.

Aktionäre des Unternehmens haben derzeit nicht viel Freude mit dem Papier des Luxusautoherstellers. Denn die Kernmarke Mercedes fährt den Konkurrenten BMW Chart zeigen und Audi Chart zeigen hinterher. Im vergangenen Jahr hat sich der Abstand vergrößert: Während BMW 1,54 Millionen und Audi 1,46 Millionen Fahrzeuge auslieferte, schaffte Mercedes 1,32 Millionen Autos.

Die Achillesferse in Daimlers Wachstumsplänen

Will er diesen Rückstand aufholen, muss Zetsche nun konzernweit kräftig Gas geben. Das gilt besonders für einen Markt, den die Stuttgarter lange Jahre nur wenig beachtet haben: In China liegt die bayerische Konkurrenz mittlerweile weit vorne.

Zwar bremsen sich die Wachstumsraten etwas ein. Doch das Luxussegment wird in China auch über die nächsten Jahre boomen. Wenn Daimlers Stern zu altem Glanz zurückfinden will, müssen die Stuttgarter im Reich der Mitte kräftig aufholen. Zetsche weiß, dass China die Achillesferse seiner Wachstumsstrategie ist und setzt nun alle Hebel in Bewegung. Die zahlreichen Modellneuheiten in diesem Jahr könnten dabei helfen - doch sicher ist der Erfolg längst nicht. Denn Daimler ist spät dran.

Vor anderthalb Jahren hat Zetsche das Ziel ausgerufen, bis zum Jahr 2020 seine beiden bayerischen Konkurrenten zu überrunden. Medienberichten zufolge peilt er dieses Ziel sogar schon zwei Jahre früher an. Doch in China hat sich Daimler in der Vergangenheit Patzer geleistet. In dem Markt verkaufte Daimler im vergangenen Jahr 196.000 Fahrzeuge - nur halb so viel wie Erzkonkurrent Audi, der auf 405.800 Neuwagen in China kam.

Beteiligung an BAIC - und Kontrolle über Vertrieb in China

Zetsche bläst nun zur Aufholjagd im Reich der Mitte - und schwört sein Unternehmen auf eine neue Strategie ein. Im Dezember hat Daimler mit Hubertus Troska einen eigenen China-Vorstand berufen, der nun für die Geschäfte verantwortlich ist. Die bisherigen zwei Vertriebsgesellschaften in dem Land werden zusammengelegt.

Anfang dieser Woche hat Daimler bekanntgegeben, sich mit 12 Prozent an der Pkw-Sparte seines langjährigen chinesischen Partners Beijing Automotive Group (BAIC) zu beteiligen. Insgesamt 640 Millionen Euro legt Daimler dafür auf den Tisch - es ist das erste Mal, dass sich ein ausländischer Hersteller an einem chinesischen Automobilproduzenten beteiligt. Gleichzeitig übernimmt Daimler die Mehrheit und damit die Kontrolle an der kürzlich zusammengeführten Vertriebsgesellschaft.

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