05.02.2013
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Deutschland verlassen
Toyota-Tochter Daihatsu auf Rückzug

Daihatsu Copen: Tipp als zukünftiges Sammlerstück

Daihatsu Copen: Tipp als zukünftiges Sammlerstück

Jetzt ist Schluss: In Deutschland gibt es bei Vertragshändlern keine Autos von Daihatsu mehr zu kaufen. Nach 24 Jahren hat sich die japanische Marke aus Europa zurückgezogen. Für Daihatsu-Fahrer bedeutet das aber nicht, dass sie keine Ersatzteile mehr bekommen.

Hamburg - Es gibt sie in vielen Varianten: als Roadster, Van und Geländewagen. Nur klein müssen sie sein. Die Rede ist von Automodellen der japanischen Marke Daihatsu. Den Verkauf von Neuwagen hat die Toyota-Tochter Ende Januar in ganz Europa eingestellt, auch Daihatsu Deutschland ist damit Geschichte. Einen Mangel an Ersatzteilen braucht aber kein Daihatsu-Fahrer zu fürchten, denn das Unternehmen produziert weiter - und viele Verschleißteile sind mit Toyota-Teilen baugleich.

Fast ein Vierteljahrhundert lang war Daihatsu auf dem deutschen Markt mehr oder weniger präsent. Vor zwei Jahren schon gaben die Japaner bekannt, dass in Europa bald Schluss ist. Die kleinen Modelle warfen nach Angaben des Konzerns im harten Preiswettbewerb nach der Umrechnung in japanische Yen zu wenig Gewinn ab - und Preiserhöhungen im Kleinwagensegment sind nur schwierig durchzusetzen.

Autoexperte Prof. Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach sieht auch Mängel in der Markenpräsenz. "Daihatsu hat es tatsächlich nie geschafft, eine gewisse Wahrnehmung beim Kunden zu erreichen. Dafür waren die Verkaufszahlen einfach zu gering."

So blieb auch das früh verkündete Aus nicht ohne Folgen: In den zwölf Monaten des Geschäftsjahrs bis Ende März 2012 rollten nur noch 972 Autos von den Höfen deutscher Händler. Viele Käufer hatten sich wohl schon gedanklich von der Marke verabschiedet. "Man braucht eine gewisse Größenordnung, um beim Kunden wahrgenommen zu werden", sagt Bratzel. "Da müssen schon einige 10 .000 Fahrzeuge jährlich verkauft werden."

135 000 Dauihatsu auf Deutschlands Straßen

Doch die wenigen Verkäufe am Schluss täuschen etwas darüber hinweg, dass Autofahrer in Deutschland die Marke nicht ganz uninteressant fanden. Nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes waren Anfang 2012 hierzulande noch mehr als 135 000 Autos mit dem geschwungenen "D" am Kühlergrill zugelassen.

Wer einen Daihatsu besitzt, braucht sich nach Einschätzung des ADAC-Experten Carsten Graf keine Sorgen zu machen, dass nun die Ersatzteile knapp werden: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass Daihatsu die Ersatzteilversorgung gelingen wird." Das Unternehmen hat seinen Kunden versprochen, dass das Servicenetz bestehen bleibt. Werkstätten können Teile also nach wie vor ordern. "Der Rückzug ging extrem organisiert über die Bühne und wurde sehr früh bekanntgegeben. Auch die Kooperation mit den Händlern war anscheinend positiv", sagt Graf. Laut dem Experten gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, Ersatzteile für eine gewissen Zeit vorzuhalten.

"Daihatsu selbst bleibt ja erhalten, Versorgungssicherheit ist insofern gegeben", sagt Prof. Bratzel. "Man muss aber manchmal ein wenig mit zeitlichem Verzug rechnen." ADAC-Experte Graf gibt zu bedenken: "Mit dem Ersatzteilverkauf lässt sich viel Geld verdienen, unter Umständen mehr als mit dem Verkauf von Neuwagen." Auch das spreche für die dauerhafte Verfügbarkeit. Er sieht nur bei der Versorgung mit Blechteilen nach einigen Jahren mögliche Probleme.

Das in Deutschland bekannteste Daihatsu-Modell dürfte der Cuore sein. "Ein netter, quirliger Kleinwagen", sagt Graf. Nach Angaben des Unternehmens wurde der Cuore seit 1980 weltweit gut 5,5 Millionen Mal verkauft, in Deutschland waren es fast 100 000 Stück. Besonderheit der Topvariante: Die Rückbank lässt sich nach vorn und hinten verschieben und dadurch die Beinfreiheit in dem knapp 3,5 Meter langen Wagen variieren. Und für einen möglichst bequemen Einstieg öffnen die Seitentüren fast im rechten Winkel.

Und Daihatsu hatte noch mehr zu bieten: "Der Copen ist ein echtes Liebhaberstück", verweist Graf auf den winzigen Klappdach-Roadster. Der Name ist eine Kombination aus den Wörtern Compact und Open - also kleiner Sportwagen und Cabrio in einem. Mit 3,40 Metern Länge und einer Breite von nicht einmal anderthalb Metern erklärte Daihatsu den Copen zum kompaktesten Serien-Roadster der Welt. Erst drei Jahre nach der Markteinführung in Europa wurde das Gefährt von 2006 an auch mit Lenkrad auf der linken Seite angeboten.

Auch der Minivan Materia dürfte nach Grafs Einschätzung in Zukunft für Autoliebhaber in Deutschland interessant werden. Der kastenförmige Kleinwagen mit der bulligen Front erinnert leicht an den PT Cruiser von Chrysler - nur eben im Miniformat. Und der kleine Geländewagen Rocky, der dem Jeep Wrangler ähnelt, zeigt als weiteres Beispiel, wie groß die Vielfalt bei kleinen Autos sein kann.

Marco Engemann, dpa

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