Dienstag, 1. September 2015

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US-Hedgefonds-Klage Porsche verlagert Rechtsstreit nach Deutschland

VW und Porsche: Der gescheiterte Übernahmeversuch von Porsche beschäftigt auch Jahre später noch die Gerichte

Die milliardenschwere Klage von 26 Hedgefonds gegen den Sportwagenbauer Porsche wird künftig in Deutschland verhandelt. Der Rechtsstreit wird damit von den USA nach Deutschland verlegt.

Frankfurt am Main - Der Sportwagenbauer Porsche will den nach der gescheiterten VW-Übernahme entbrannten langwierigen Rechtsstreit mit Hedgefonds von den USA nach Deutschland verlegen. Die Kläger verzichten in dem Rechtsstreit um die Übernahmeschlacht mit VW auf eine Berufung gegen eine Entscheidung eines New Yorker Gerichts, wie die Porsche Holding mitteilte. Im Gegenzug können die Hedgefonds ihre Klage nun in Deutschland einreichen. Wenn sie dies binnen 90 Tagen tun, werde Porsche nicht argumentieren, dass die Ansprüche bereits verjährt seien.

Die Kläger werfen der Porsche Holding Betrug und ungerechtfertigte Bereicherung im Zusammenhang mit den Transaktionen mit Volkswagen-Aktien Börsen-Chart zeigen im Jahr 2008 vor. Die Hedgefonds sprechen insgesamt von einem Schaden von mehr als 1,4 Milliarden Dollar. Die Porsche Holding hält die geltend gemachten Ansprüche weiter für unbegründet.

Ein New Yorker Berufungsgericht hatte im Dezember geurteilt, dass New York nicht der richtige Ort für die Schadenersatzklage der Hedgefonds gegen das deutsche Unternehmen sei. Die Hedgefonds hatten danach 30 Tage Zeit, Rechtsmittel vor dem höchsten Gericht von New York, dem New York State Court of Appeals, einlegen.

Ein zweites Gerichtsverfahren in den USA wird Porsche jedoch weiterhin beschäftigten. Dabei geht es nach Angaben von Porsche um eine 2,5 Milliarden Dollar schwere Klage von 46 Klägern. Hier rechne das Unternehmen mit einem baldigen Urteil im Berufungsverfahren vor einem New Yorker District Court.

Porsche wird Manipulation des Aktienkurses vorgeworfen

Porsche-Aktien Börsen-Chart zeigen die in keinem großen Index gelistet sind, verteuerten sich nach der Mitteilung um bis zu 3,4 Prozent auf 66,25 Euro. "Die Entscheidung ist positiv für Porsche, da mögliche Entschädigungszahlungen in Deutschland weitaus geringer ausfallen könnten als in den USA", schrieb Equinet-Analyst Tim Schuldt in einem Kommentar.

In dem schon Jahre gärenden Rechtsstreit in den USA geht es um eine angebliche Manipulation des Börsenkurses von VW-Stammaktien mit Hilfe von komplexen Optionsgeschäften. Die Porsche Holding hatte sich seit 2005 in Trippelschritten bei VW eingekauft, im März 2008 aber verneint, dass sie den viel größeren Wolfsburger Konzern beherrschen wollte.

Im Oktober 2008 ließen die Stuttgarter die Katze aus dem Sack: Sie gaben bekannt, dass sie sich direkt und indirekt bereits Zugriff auf fast 75 Prozent der VW-Stimmrechte gesichert hatten.

An der Börse hatten viele Investoren angesichts der Mitteilung im März aber auf fallende VW-Kurse gewettet. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft - mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen. Nun wurden sie auf dem falschen Fuß erwischt. Um jeden Preis mussten sie die knappen Aktien zurückerwerben. Die VW-Stämme schossen in die Höhe, zeitweise auf über 1000 Euro, und machten den Wolfsburger Konzern zwischenzeitlich an der Börse zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Ex-Porsche-Chef Wiedeking angeklagt

Porsche verdiente glänzend an seinen Optionsgeschäften und konnte immer höhere Kredite aufnehmen, musste im Zuge der Finanzkrise den Übernahmeversuch jedoch abblasen, da das Geld ausging. Volkswagen drehte den Spieß um, schoss Porsche frisches Geld zu und übernahm zunächst knapp die Hälfte des hochprofitablen Fahrzeuggeschäfts. Seit dem Sommer 2012 gehört die Automarke Porsche ganz zum Wolfsburger Konzern, die Porsche Holding besitzt aber weiterhin gut die Hälfte der VW-Stimmrechte.

Die verlorene Übernahmeschlacht hat der Porsche Holding milliardenschwere Klagen eingebracht. Auch in Deutschland kämpft das Unternehmen mit mehreren Klagen.

Darüber hinaus ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen der gescheiterten Übernahme unter anderem gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Die Behörde hatte kurz vor Weihnachten Anklage gegen den 60-Jährigen wegen Aktienkursmanipulation erhoben. Wiedeking weist die Vorwürfe zurück.

mg/rtr/dpa-afx

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