Sonntag, 19. August 2018

Absatzboom Amerikaner lieben deutschen Auto-Luxus

Neue Mercedes E-Klasse in AMG-Sportversion: Die Amerikaner haben derzeit genügend Geld für deutschen Luxus

Die sonst eher bodenständige Auto Show in Detroit wartet mit zahlreichen pompöse und teure Nobelkarossen auf. Mit gutem Grund: Bei den Amerikanern sitzt das Geld gerade locker. Die deutschen Oberklasse-Hersteller profitieren besonders - fernab der schwächelnden Heimat.

Detroit - Es ist eine Parade der PS-Protze, die auf dem Messestand von Mercedes-Benz in Detroit vorfährt. Die E-Klasse als Limousine, Kombi, Cabriolet, Coupé und AMG-Sportversion. Hier in der "Motor City" Amerikas hat das aufgefrischte Erfolgsmodell der Stuttgarter seinen ersten großen Auftritt. Und das aus gutem Grund: Die USA haben gerade Deutschland als wichtigsten Einzelmarkt für Mercedes-Benz überholt. Luxus verkauft sich bestens in Amerika. Die deutschen Hersteller reiben sich die Hände.

Denn deutsche Automobile der Ober- und Luxusklasse erleben in den Vereinigten Staaten einen Nachfrage-Boom: Audi Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen, Mercedes Börsen-Chart zeigen und Porsche Börsen-Chart zeigen sowie Volkswagen Börsen-Chart zeigen kamen im Jahr 2012 im Premium-Segment auf einen Marktanteil von 55,6 Prozent. Das entspricht einem Absatz von 1,27 Millionen Fahrzeugen.

Damit haben die deutschen Hersteller überproportional von der stark wiederbelebten Autokonjunktur in Amerika profitiert. Im Jahr 2012 konnten in den USA in allen Segmenten des Marktes insgesamt etwa 14,5 Millionen Autos abgesetzt werden. Die Marktexperten des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PwC) erwarten für 2013 einen Gesamtabsatz in den USA von 15,3 Millionen Fahrzeugen.

Nach Angaben von Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC werden die deutschen Autohersteller ihre USA-Produktionskapazitäten bis 2016 auf 1,5 Millionen ausbauen und damit gegenüber dem Jahr 2009 verdoppeln. Es zahle sich jetzt aus, dass die deutsche Autoindustrie mit ihren Premiumprodukten konsequent auf Innovationen setze.

"Das Premium-Segment ist in den entscheidenden Märkten der Welt immer mehr eine Domäne der deutschen Automobilhersteller", erläutert Branchenexperte Kuhnert. Der Gesamtabsatz im Premiumsegment zwischen 2009 und 2012 sei um 25 Prozent gewachsen, der Verkauf von deutschen Herstellern dagegen um mehr als 50 Prozent.

In Detroit liegt "Luxus in der Luft"

Neben China sind die USA der wichtigste Markt für die Deutschen - und die Bedeutung steigt noch. Denn in Westeuropa sind die Aussichten angesichts der Schuldenkrise düster, in vielen Ländern liegt der Automarkt am Boden.

In den Staaten ist die Konkurrenz durchaus gut vertreten. Vor allem die japanischen Hersteller haben es geschafft, die US-Kunden für ihre Nobelkarossen zu begeistern. Toyota hat Lexus, Nissan hat Infiniti und Honda hat Acura. Auch die US-Konzerne haben wiederentdeckt, dass sich mit Premium gutes Geld verdienen lässt. General Motors frischt seine legendäre Nobelmarke Cadillac mit neuen Modellen auf, gleiches gilt für Ford mit der einstigen Präsidentenmarke Lincoln.

Die in Auto-Dingen bestens informierte Lokalzeitung "Detroit News" verstieg sich schon zu der Aussage, dass in den Messehallen auf der North American International Auto Show "Luxus in der Luft" läge. "Detroit war sonst eher Brot und Butter." Nun stellen aber selbst Maserati, Bentley und Ferrari ihre teuren Luxusschlitten in der eher tristen Industriestadt vor.

Das Klima für die Autohersteller sei derzeit ideal in den USA, sagt Analyst Jesse Toprak vom Branchenportal TrueCar.com. Die von den Herstellern erzielten Preise seien so hoch wie nie. Im Schnitt gab ein Amerikaner demnach im Dezember für seinen Neuwagen 31.228 Dollar aus (23.411 Euro), ein Zuschlag von 542 Dollar zum Vorjahresmonat.

US-Nobelautos sind deutschen technisch unterlegen

Die Amerikaner haben mehr Geld in der Tasche, weil die Wirtschaft angesprungen ist und sie zudem wieder einfacher an Kredite herankommen. Außerdem sind die Autos auf US-Straßen vergleichsweise alt. Das schlägt sich bei den deutschen Herstellern in Rekordverkäufen für das vergangene Jahr nieder. Selbst der Kleinwagen Mini aus dem Hause BMW verkauft sich derzeit glänzend im Land der Straßenkreuzer.

Doch warum sind gerade die deutschen Hersteller so beliebt in den USA? "Eine Stärke der Deutschen ist, dass sie bereit sind, viel Geld in Technologien zu investieren, während die Amerikaner kurzfristig Gewinne maximieren wollen", sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. In die gleiche Kerbe schlägt sein Kollege Frank Schwope von der NordLB: Die US-Produkte seien technologisch sowohl den deutschen als auch den japanischen Premiumfahrzeugen unterlegen.

Audi-Chef Rupert Stadler ist überzeugt, dass das noch eine Weile so bleiben wird. Es koste Kraft und Anstrengung, im Premiumsegment auch wirklich akzeptiert zu werden und sein Geschäft weiter zu entwickeln, sagt Stadler in Detroit: "Das ist nichts, was man so mit einem Produkt mal kurz aus dem Ärmel schüttelt."

wed/dpa-afx/dpa

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