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10.01.2013
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Automobilindustrie
Wachsende Kluft zwischen Nord und Süd

Von Wilfried Eckl-Dorna und Karsten Stumm

VW-Autos vor der Verschiffung: Volkswagen profitiert davon, dass der Konzern früh und massiv in Märkte außerhalb Europas investierte
REUTERS

VW-Autos vor der Verschiffung: Volkswagen profitiert davon, dass der Konzern früh und massiv in Märkte außerhalb Europas investierte

Europas Norden lässt den Süden hinter sich: Das gilt auch für die Autobranche. Für Deutschlands Autokonzerne war 2012 ein Rekordjahr, Frankreichs Firmen mussten dagegen die Oberklassefertigung einstellen. Doch nun drohen auch den deutschen Firmen Rückschläge.

Hamburg - Es war ein Bericht der für Aufsehen sorgte, und einer, der Beklemmung auslöste. In Europa, so hat EU-Sozialkommissar jüngst berichtet, habe sich eine "neue Kluft" aufgetan. Während der Süden und Osten Europas in Arbeitslosigkeit versinken und das Armutsrisiko erheblich gestiegen ist, stehen die Menschen in den Nordländern trotz Krise gut da. Genau solch eine Teilung in einen prosperierenden Norden und einen leidenden Süden zeigt sich jetzt auch in einer wirtschaftlichen Schlüsselbranche Europas: der Autoindustrie.

Die Nordvertreter, darunter viele deutschen Autokonzerne, haben in 2012 ein Rekordjahr gestemmt, die Südproduzenten aus Frankreich und Italien dagegen sind noch weiter zurückgefallen. Die Teilung Europas schreitet voran - und die Kluft wächst.

So können Deutschlands Nobelmarken auf ein Rekordjahr zurückblicken. BMW hat 2012 weltweit 1,54 Millionen Fahrzeuge verkauft, um 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die VW-Tochter Audi steigerte ihre Verkäufe ebenfalls um mehr als 11 Prozent auf 1,46 Millionen Fahrzeuge, Daimlers Kernmarke Mercedes-Benz lieferte 2012 zwar weltweit 1,32 Millionen Fahrzeuge aus - doch die Schwaben schwächeln in China. Dennoch steuern alle drei Hersteller auf neue Bestmarken bei Umsatz und Gewinn zu.

Auch Europas größter Autohersteller Volkswagen steht vor einem neuen Absatzrekord. Von Januar bis November 2012 lieferte Volkswagen weltweit 8,3 Millionen Pkw aus - und stellte damit den Rekord des Jahres 2011 ein.

Horrorjahr für Peugeot, Renault und Fiat

Die Autohersteller in Frankreich und Italien hingegen gehen durch ein Tal der Tränen. Die weltweiten Verkäufe von Europas zweitgrößtem Automobilhersteller PSA Peugeot Citroen sanken im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf weniger als drei Millionen Fahrzeuge. Renault musste in Europa bis Ende November einen Absatzrückgang von 19 Prozent verkraften. Das schmerzt, denn Europa ist prozentuell nach wie vor der weitaus größte Markt der Franzosen. Bei der italienischen Fiat-Gruppe sind die Absatzrückgänge so gravierend, dass Fiat-Chef Sergio Marchionne die Investitionen deutlich zurückfährt und seit Monaten über die Schließung von Werken sinniert. .

Dass die deutschen Hersteller die Absatzeinbrüche in Südeuropa vergleichsweise gut wegstecken, haben sie ihrem Auslandsengagement zu verdanken. Denn viel früher als Südeuropas Autohersteller haben sie viel Geld in China investiert - und rechtzeitig ihre Werke in den USA ausgebaut. Das Wachstum außerhalb Europas gleicht nun die schwachen Verkaufszahlen auf den Stammmärkten mehr als aus.

Und noch etwas haben die Deutschen viel früher als ihre südlichen Konkurrenten erkannt: In den letzten Jahren haben Daimler, BMW und Co. viel Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt. In den einschlägigen Innovationsrankings belegen deutsche Marken deshalb die Spitzenplätze - während Peugeot, Renault und Fiat auch in diesem Bereich zurückfallen. In der Liste der 50 innovativsten Konzerne, die die Unternehmensberatung Boston Consulting Group jüngst veröffentlicht hat, ist Renault auf Platz 34 vertreten - Peugeot und Fiat schaffen es nicht mal unter die Top 50. BMW und Audi zählen hingegen zu den 25 innovativsten Unternehmen 2012.

Da passt es auch ins Bild, dass Citroen kürzlich die Herstellung seines Modells C6 aufgegeben hat. Die französische Automobilindustrie hat sich damit komplett aus der Oberklasse verabschiedet. Dabei lässt sich gerade mit teuren, luxuriösen Modellen in China und Russland viel Geld verdienen, wie die Geschäftszahlen von BMW, Audi und Mercedes zeigen.

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