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27.12.2012
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Autoboom in Russland
Hoffnungsmarkt mit Putins Segen

Von Wilfried Eckl-Dorna

Russischer Automarkt: Lada-Liebe rostet langsam
Fotos
LADA

Russland will seinen Automarkt pushen und lockt auch ausländische Hersteller ins Land. Die Wachstumsaussichten sind gigantisch - aus Deutschland mischt vor allem Volkswagen schon kräftig mit. Auf dem Weg an die Weltspitze brauchen die Wolfsburger Putins Segen.

Hamburg - Russlands Präsident Wladimir Putin ist bekanntlich ein Mann mit beachtlichem technischem Talent. So pilotiert er schon mal im weißen Ganzkörperkostüm ein Leichtflugzeug, das sibirischen Weißkranichen den Weg nach Zentralasien weisen soll. Oder er zwängt sich hinter das Steuer eines Formel 1-Autos, um auf der Rennstrecke in St. Petersburg ein paar schnelle Runden zu drehen - in einem schützenden Helm, der in den Farben der russischen Flagge bemalt ist.

An einer kleinen Hürde aber scheiterte selbst der Tausendsassa: Das neueste Modell des größten russischen Autoherstellers Lada zum Laufen zu bringen.

Ein Youtube-Video zeigt Putin beim Lada-Werksbesuch im südrussischen Togliatti im Mai 2011. Höhepunkt der Visite ist eine Testfahrt des damaligen Regierungschefs Putin mit dem Lada Granta wenige Monate vor der Markteinführung. Mit Kennermiene und dunkel getönter Sonnenbrille inspiziert Putin das Fahrzeug, lächelt und nimmt kurz auf dem Rücksitz Platz. Dann setzt er sich hinter das Steuer, dreht den Zündschlüssel - und das Auto gibt nur ein Stottern von sich.

Fünf Versuche benötigt Putin, bis der Motor des Billigautos endlich anspringt. Es war ein unfreiwilliges, aber zutreffendes Bild vom Zustand der russischen Autoindustrie. Denn nicht nur der Granta, sondern die gesamte Branche leidet seit Jahrzehnten unter Startschwierigkeiten. Lange Zeit hat die russische Regierung versucht, die sowjetischen Autohersteller Avtovaz, Gaz oder Kamaz im Alleingang zum Laufen zu kriegen - ohne Erfolg.

Doch seit einigen Jahren ändern die Russen ihre Strategie. Mit einer Mischung aus Steuererleichterungen und hohen Importzöllen haben sie die weltgrößten Automobilhersteller ins Land gelockt. General Motors Chart zeigen, Volkswagen Chart zeigen, Toyota Chart zeigen und Hyundai Chart zeigen zogen im Land moderne Autofabriken hoch. Doch sie unterschätzten zunächst, wie sensibel der russische Neuwagenmarkt auf die Auswirkungen der Finanzkrise reagiert.

Ladas Dominanz bröckelt

In diesem Jahr wird der russische Automobilmarkt zweistellig zulegen und in den kommenden Jahren Deutschland den Rang ablaufen. Kein Wunder also, dass sämtliche großen Autohersteller das Riesenreich als Wachstumsmarkt identifiziert haben. Zwar ist der automobile Nachholbedarf in Russland groß. Ganz einfach ist das Geschäft für die Volumenhersteller aber nicht. Die bestverkauften Modelle im Markt kosten deutlich unter 10.000 Euro, dabei sind die Lohnkosten im Land aber deutlich höher als in China. Und die russische Regierung hat nach wie vor keine klare Vision für die Automobilindustrie präsentiert - aber dafür den Markt fest im Griff.

Noch dominiert die zum Avtovaz-Konzern gehörende Marke Lada mit 19,5 Prozent Marktanteil den russischen Markt, zeigen Zahlen des Automobildatenspezialisten Polk. Doch Ladas Vormachtsstellung bröckelt gewaltig. Vor sieben Jahren trug noch jeder zweite Neuwagen, der auf Russlands Straßen rollte, das blau-weiße Lada-Oval auf dem Kofferraumdeckel.

Die Löhne in Russland steigen, das BIP-Wachstum liegt bei rund 4 Prozent, die Arbeitslosigkeit sinkt. Das führt dazu, dass sich immer mehr Russen ein neues Auto leisten können. In diesem Jahr werden laut Polk-Prognosen in Russland 2,74 Millionen Fahrzeuge verkauft, um 11 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 2013 wird sich das Wachstum zwar auf 2,9 Prozent abschwächen - und die kommenden zwei Jahre bei etwas über 3 Prozent liegen. Doch spätestens 2015 überholt Russland Deutschland als größten Automobilmarkt in Europa, sagt Polk-Chefanalyst Ulrich Winzen. Andere Marktbeobachter rechnen sogar damit, dass es bereits 2013 oder Anfang 2014 so weit sein könnte.

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