Autoindustriemanager magazin RSS  - Autoindustrie

Alle Artikel und Hintergründe


02.11.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Sonderentwicklung
Deutsche Autoarbeitsplätze am sichersten

Produktion bei BMW in Leipzig: Jobs noch vergleichsweise sicher
DPA

Produktion bei BMW in Leipzig: Jobs noch vergleichsweise sicher

Trotz Einschnitten bei manchen deutschen Herstellern: Die Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie haben derzeit vielfach sicherere Jobs als die Malocher bei den Autoriesen anderswo in Europa. Dafür sorgt nicht nur die Verkaufsstärke von VW, Daimler oder BMW.

Hamburg - In der Autokrise ist Deutschland zumindest für Arbeitnehmer ein Fels in der Brandung: Während in Nachbarländern wegen der Absatzmisere ganze Fabriken geschlossen und Tausende Arbeiter auf die Straße geschickt werden, müssen die meisten deutschen Bandarbeiter nicht um ihre Jobs fürchten. Trotz drohender Kurzarbeit bei MAN oder Sparprogrammen wie bei Daimler ist die Lage für die Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie im Schnitt vielfach weit besser als die der Angestellten bei vielen europäischen Konkurrenten. Und das hat zwei Gründe.

Deutschlands Autoindustrie demonstriert der Konkurrenz insbesondere in Europa derzeit die eigene Stärke. Volkswagen, BMW und Daimler schaffen die Schwäche auf dem alten Kontinent bisher zu beachtlichen Teilen mit Erfolgen in Übersee abzufedern. Das gilt nicht nur für mehr Verkäufe in den ehemaligen Schwellenländern, sondern auch auf etablierten Riesenmärkten, wie etwa den USA: So steigerte die BMW-Gruppe ihren US-Absatz im Oktober um 18,5 Prozent, Daimler um 9 Prozent und Volkswagen gar um 22,4 Prozent, wie heute bekannt wurde.

Welch ein Kontrast dagegen bei der europäischen Konkurrenz: Die Lage bei Europas zweitgrößtem Autohersteller PSA Peugeot Citroën ist mittlerweile so mies, dass die hauseigene Autobank der Franzosen eine staatliche Stütze über sieben Milliarden Euro bekommt. Ford, nach Marktanteil die Nummer zwei in Europa, erwartet einen Milliardenverlust und schließt gleich drei Werke - eines in Belgien mit 4500 Mitarbeitern sowie zwei kleinere in Großbritannien. Die Lage für die Beschäftigten in der hiesigen Autoindustrie wird aber auch durch tarifliche Bedingungen gestärkt.

Arbeitszeitkonten, staatliche Förderung bei Kurzarbeit und die starke Stellung der Gewerkschaften sorgen dafür, dass ihre Arbeitsplätze vergleichsweise sicher sind. "Werksschließungen sind mit teuren Sozialplänen verbunden und einem Haufen Krach in der Öffentlichkeit", sagt Helmut Becker, der das Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) leitet. Unternehmen nähmen deshalb den Weg des geringeren Widerstands. "Man fängt dort an, wo die Verhandlungspartner am schwächsten sind, oder sich die Autoindustrie ohnehin auf dem Rückzug befindet."

Französische Werke wenig flexibel

Aktuell trifft es vor allem Belgien und Großbritannien, wo die Gewerkschaften schwach sind. Der US-Autobauer Ford kündigte in diesen Ländern die Schließung dreier Standorte mit insgesamt 5700 Beschäftigten an. Opel hat bereits ein Werk in Belgien dichtgemacht.

Kaum anders geht es Frankreich, wo Peugeot sogar 8000 Stellen streichen will. Die taumelnde Marke mit dem Löwen und ihre Konzernschwester Citroen werden von der französischen Regierung zwar noch gebremst, weil der Staat im Gegenzug für Garantien den Verzicht auf Massenentlassungen fordert. Experten halten es aber für fraglich, ob PSA Peugeot Citroen um einen massiven Personalabbau herumkommt, denn Europas zweitgrößtem Autobauer steht das Wasser bis zum Hals. Die Gewerkschaften, die in dem Land sonst alles zum Erliegen bringen können, sind dagegen machtlos. Ihnen bleibt am Ende vermutlich nur, dem Personalabbau zähneknirschend zuzustimmen - oder weiter Mitglieder zu verlieren. Auch die französischen Werke gelten als wenig flexibel.

"Wenn er es sich aussuchen kann, nimmt ein Autobauer ein Land mit starren Arbeitsbedingungen, um Werke zu schließen", sagt Albrecht Denninghoff von Silvia Quandt Research. Ein Land wie Deutschland, das zwar teuer, aber dafür flexibler sei, komme erst später dran. Hinzu kommt, dass der Autoabsatz in Deutschland selbst bislang nicht so stark eingebrochen ist wie in den Krisenländern Südeuropas. Nach neuesten Zahlen ist der Pkw-Absatz im Oktober wieder leicht gestiegen.

Je länger die Misere aber anhält, desto mehr könnten auch hierzulande Fabriken gefährdet sein. Bislang gelten Standorte in Deutschland wegen des engen Netzwerks zwischen Autobauern und Lieferanten, der hohen Qualifizierung der Mitarbeiter und der flexiblen Arbeitszeiten als besonders attraktiv. Hinzu kommt ein seit Jahren gewachsenes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmervertretern und Management. "Die gute Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten, Gewerkschaften und Unternehmensführungen hat in der zurückliegenden Krise mit dazu beigetragen, dass sich Deutschland stabiler entwickelt hat als andere Länder", hebt Stefan Bratzel hervor, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet. Darauf lasse sich in der Euro-Krise aufbauen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...










Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger