Freitag, 22. Februar 2019

Pariser Autosalon Fiat-Chef Marchionne bietet VW die Stirn

Bleibt an der Spitze des europäischen Branchenverbands: Fiat-Chef Marchionne (l.) mit Aufsichtsratschef John Elkann

Sergio Marchionne bleibt Präsident des europäischen Autoherstellerverbands Acea. Der Fiat-Chef und sein Kollege Martin Winterkorn von Volkswagen beteuern in Paris, ihren Streit um die Preispolitik beigelegt zu haben. In der Sache steckt Marchionne aber nicht zurück.

Paris - Fiat-Chef Sergio Marchionne bleibt weiter Chef des europäischen Autoherstellerverbandes Acea. Er sei nicht - wie von Volkswagen verlangt - von diesem Amt zurückgetreten, sagte Marchionne am Freitag im Anschluss an eine Acea-Vorstandssitzung in Paris. "Wir sind gute Freunde", sagte der Italiener, als er zusammen mit VW-Chef Martin Winterkorn für ein Foto posierte. Beide betonten, der Disput um die Preispolitik sei beendet.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen hatte Marchionne nach dessen Kritik an der Preispolitik des Wolfsburger Autobauers zum Rückzug als Acea-Chef aufgefordert und als untragbar bezeichnet. Der Fiat-Boss hatte dem größten europäischen Autobauer in einem Zeitungsinterview vorgeworfen, durch eine ruinöse und aggressive Preispolitik ein "Blutbad" unter den anderen Herstellern anzurichten.

Wiederholt befeuerte Gerüchte über ein Interesse Volkswagens an der Fiat-Traditionsmarke Alfa Romeo hatten den Zwist zusätzlich befeuert. Marchionne hatte die Wolfsburger ermahnt, die Finger von der Fiat-Tochter zu lassen.

Fiat Börsen-Chart zeigen leidet besonders stark unter der Absatzflaute in Südeuropa und kann seine Werke kaum noch auslasten. Marchionne, der derzeit turnusmäßig an der Acea-Spitze steht, hatte sich deshalb vor einigen Monaten für eine Reduzierung der Kapazitäten aller Hersteller in Europa eingesetzt. Allerdings war er damit am Widerstand der Konkurrenz gescheitert. Noch am Donnerstag klagte er in Paris über Überkapazitäten auf dem Kontinent, insbesondere in Deutschland: "Europa kann das Produktionsvolumen nicht vertragen."

Die Absatzflaute hat in der Branche einen dramatischen Preiskampf ausgelöst, der laut Experten für manche Massenhersteller existenzgefährdent werden könnte. Neben Fiat werfen auch andere Autobauer dem Volkswagen-Konzern, der bislang am besten durch die Krise steuert, eine besonders aggressive Preispolitik vor. Volkswagen weist die Vorwürfe zurück und beschreibt sein Vorgehen als "zurückhaltend".

Tatsächlich haben die Wolfsburger zuletzt Marktanteile gewonnen. Lag der Marktanteil der Automarke Volkswagen an allen Pkw-Neuzulassungen in der EU im September des vergangenen Jahres noch bei 12,3 Prozent, waren es zuletzt 14,5 Prozent - ein markanter Anstieg seit Juni dieses Jahres. Inzwischen gehen aber auch hier die Warnlampen an.

ak/rtr/dpa-afx

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