Freitag, 28. April 2017

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Frankreichs Autohersteller PSA warnt vor weiteren Milliardenverlusten

PSA-Chef Philippe Varin: Warnung an Anleger, Angestellte und die Politik

Weil derzeit nur wenige Autos an sparpaketgeplagte Kunden in Südeuropa verkauft werden, geraten die Autobauer unter Druck. Besonders schwer trifft es die Hersteller mit Südeuropa-Fokus. Jetzt warnt die französische PSA Peugeot Citroën vor weiteren Milliardenverlusten.

Paris - Der angeschlagene französische Autobauer PSA Peugeot Citroën rechnet mit Verlusten in Milliardenhöhe. Das Unternehmen werde vermutlich bis 2014 monatlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Cash verbrennen, sagte Konzernchef Philippe Varin zum Auftakt der Automesse in Paris der Wirtschaftszeitung "Les Echos". Er werde sich 2013 allerdings von bislang 200 Millionen Euro monatlich auf rund 100 Millionen Euro monatlich halbieren.

PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen steckt wegen der Absatzkrise in Europa tief in den roten Zahlen. Weiter einbrechende Verkäufe auf den wichtigen Märkten Frankreich, Spanien und Italien sorgten im ersten Halbjahr für einen Verlust von 819 Millionen Euro. Die PSA-Führung will nun rund 8000 Arbeitsplätze abbauen und ein Werk komplett dicht machen.

Wegen der Überkapazitäten in Europa erwartet Varin auch Standortschließungen bei anderen Konzernen. "Wir haben unsere Pläne bekanntgegeben, aber andere Hersteller werden ähnliche Operationen durchführen müssen", sagte Varin "Les Echos". Manche Konkurrenten in Europa würden pro verkauftem Wagen noch mehr Geld verlieren als PSA. "Die aktuelle Situation ist nicht haltbar", bekräftigte Varin.

Das Ausmaß der Verkaufsmisere für die Autohersteller in Europa zeigen folgende Zahlen: Minus 7,5 Prozent neu zugelassene Autos in der Europäischen Union im Juli dieses Jahres, im August betrug das Minus verglichen mit dem Vorjahr bereits 8,9 Prozent nach Angaben von Autoherstellerverbänden. Und selbst dieser heftige Rücksetzer übertüncht noch das Ausmaß der Verkaufseinbrüche in manchen besonders betroffenen Staaten der EU: In Italien beispielsweise ging es im August um 20,2 Prozent nach unten, in Portugal um 33 Prozent und in Griechenland um knapp 47 Prozent. Nun zittert eine ganze Branche mit Zehntausenden Beschäftigten vor der größten Krise seit Jahrzehnten.

"Der europäischen Autoindustrie stehen mindestens drei schwere Jahre bevor", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen am Montag.

kst/dpa-afx/mmo

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