Freitag, 28. April 2017

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Hauptwerk Sindelfingen Daimler drosselt Produktion

Produktion in Sindelfingen: Die aktuelle S-Klasse läuft schon seit 2005

Daimler tritt nach seiner Gewinnwarnung auch in seinem wichtigsten Werk auf die Bremse. Werksleitung und Betriebsrat in Sindelfingen streiten um den Schichtplan. Als Grund wird die geringere Nachfrage nach der betagten Mercedes S-Klasse genannt.

Stuttgart - Nach der Ankündigung seines umfassenden Sparprogramms hat der Autobauer Daimler Presseberichte über geplante Kürzungen seiner Produktion in seinem größten Werk in Sindelfingen bestätigt. Die Fertigung bei einzelnen Baureihen werde stetig angepasst und es gebe Verhandlungen mit dem Betriebsrat, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Das seien aber keine ungewöhnlichen Vorgänge.

Die "Stuttgarter Zeitung" hatte über Einschnitte in Sindelfingen und einen heftigen Streit zwischen dem Management und dem Betriebstrat berichtet. hätten sich nicht auf die Schichtpläne für das vierte Quartal einigen können, meldete das Blatt. Von Mitarbeitern sei zu hören, dass vor allem die S-Klasse schlecht laufe und nur noch in einer Schicht produziert werden solle. Details wollte der Sprecher nicht kommentieren. Kurzarbeit sei aber nicht geplant. Eine Betriebsratssprecherin sagte, Daimler habe eine Einigungsstelle angerufen.

Mögliche Anpassungen begründete er unter anderem mit dem fortgeschrittenen Lebenszyklus der S-Klasse. Die nächste Generation der Oberklassebaureihe soll 2013 auf die Straße kommen. Auch die E-Klasse ist nicht mehr taufrisch und soll nächstes Jahr überarbeitet werden. Die C-Klasse wird erst in zwei Jahren erneuert. Experten hatten bereits vergangene Woche vermutet, dass Daimler sein Sparprogramm nicht ohne Kürzungen bei der Produktion werde umsetzen können.

Bis 2014 plane Daimler unverändert, die Belegschaft um 250 Stellen aufzustocken, erklärte der Sprecher. Daimler will Konzerninsidern zufolge in seiner Pkw-Sparte auch ohne Stellenabbau mehr als eine Milliarde Euro einsparen. Vor drei Jahren hatte der Konzern beschlossen, das meistverkaufte Mercedes-Modell C-Klasse in der nächsten Generation in Bremen und dem US-Werk Tuscaloosa statt in Sindelfingen zu bauen.

Konzernchef Dieter Zetsche hatte am Donnerstag eingeräumt, dass Daimlers Börsen-Chart zeigen Pkw-Sparte den angepeilten Rekordgewinn aus 2011 dieses Jahr nicht mehr erreichen werde. Grund seien die schlechter laufenden Geschäfte in Europa und China. Außerdem schwächeln mit der S- und E-Klasse altersbedingt ausgerechnet zwei Modelle aus dem Oberklassesegment, das traditionell den größten Gewinn bringt.

Die Daimler-Aktie gab bis Dienstag mittag gut 2,5 Prozent nach. Europaweit entwickelten sich die Kurse der Autobranche schwach.

ak/dpa-afx/rtr

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