Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Autohersteller Toyotas zweifelhaftes Comeback

Kleinwagen Yaris mit Hybridantrieb: Kunden in Schwellenländern ist ein solches Fahrzeug zu teuer

Nach einer beispiellosen Pannenserie meldet sich Toyota mit Milliardengewinnen und einer Schwellenländer-Offensive zurück. Doch Experten sind uneins, ob der japanische Autohersteller an die Weltspitze zurückkehrt - oder gegen VW und GM auf verlorenem Posten kämpft.

Hamburg - Für Akio Toyoda muss es einer der angenehmsten Termine seit langem gewesen sein. Seit gut zwei Jahren kämpft sich der Toyota-Chef von Krise zu Krise. Millionen Fahrzeuge musste der japanische Autohersteller zurückrufen, Toyoda stand dafür sogar dem US-Kongress Rede und Antwort. Der Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima ließen Toyotas Bänder wochenlang stillstehen. Die Thailand-Flut führte zu Produktionsausfällen, der starke Yen belastete das Geschäft.

Doch Anfang Mai konnte 57-jährige Enkel von Toyota-Gründer Kiichimo Toyoda endlich positive Nachrichten verkünden. Für das im März abgelaufene Bilanzjahr 2011 legte Toyota Börsen-Chart zeigen einen Betriebsgewinn von 3,4 Milliarden Euro vor - und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich.

In diesem Bilanzjahr will Toyota seinen operativen Gewinn verdreifachen, die Ebit-Marge soll auf 4,5 Prozent steigen. Den Jahresabsatz will Toyota auf 9,58 Millionen Fahrzeuge erhöhen - eine Zahl, an die in diesem Jahr weder GM noch VW herankommen dürften. "In den vergangenen Jahren litten wir unter Schwierigkeiten", sagte Toyoda bei der Präsentation der Jahreszahlen. "In diesem Jahr bin ich entschlossen, handfeste Resultate all unserer internen Anstrengungen zu zeigen."

Nun meldet sich Toyota zwar nicht laut, aber doch deutlich zurück. Vor zwei Wochen holte sich Toyota erstmal die Krone als weltgrößter Autohersteller zurück. Im ersten Quartal dieses Jahres lieferte Toyota weltweit 2,49 Millionen Fahrzeuge aus und lag damit deutlich vor General Motors Börsen-Chart zeigen (GM) und dem Volkswagen-Konzern Börsen-Chart zeigen. Im Gesamtjahr 2011 war Toyota wegen der Produktionsausfälle aufgrund der Naturkatastrophen auf Platz drei zurückgefallen.

Mehr Innovationen, maue Margen

Wenige Tage später ließ Toyota erneut alten Kampfgeist aufblitzen. In den nächsten Monaten will der Autohersteller in den Schwellenländern angreifen. Bis 2015 will Toyota acht neue Kleinwagenmodelle zu Preisen unterhalb von 10.000 Euro anbieten, und zwar zuerst in wachsenden Automärkten wie China, Indonesien und Brasilien. Die Fahrzeuge werden vor Ort produziert und lassen sich durchaus als Kampfansage an die Gegenspieler GM und Volkswagen deuten.

"Toyota ist schneller wieder da als von vielen erwartet", sagt NordLB-Analyst Frank Schwope. "Das sieht nach einem gelungenen Comeback aus." Absatz- und Umsatzzahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr seien angesichts der Naturkatastrophen in Ordnung. Auch die Aktie von Toyota Börsen-Chart zeigen habe noch Luft nach oben, meint Schwope - wenn der Konzern keine weitere Naturkatastrophe verkraften müsse. Nur operativ bleibe mit einer Marge von 1,9 Prozent noch nicht genug hängen. Doch das dürfte sich in diesem Geschäftsjahr ändern, meint er.

Auch in anderen Bereichen findet Toyota Anschluss an die global führenden Automobilhersteller. "Toyota wird bei der Innovationskraft wieder besser", sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. In dem von seinem Institut jährlich erstellten Innovationsranking lag Toyota im Jahr 2011 auf Platz fünf, im Jahr zuvor waren die Japaner noch auf Platz acht zu finden.

Bei der Ertragskraft liegt Toyota aber noch weit hinter seinen Konkurrenten zurück. So kam VW im vergangenen Jahr auf eine EBIT-Marge von 11,9 Prozent, Hyundai-Kia lag bei 9,7 Prozent, und GM erzielte eine Marge von 5,5 Prozent. Doch in diesem Jahr, meint Bratzel, werde Toyota nach zweijähriger Abwesenheit in die Gruppe der "High Performer" zurückkehren.

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