Dienstag, 23. Januar 2018

ADAC-Präsident Meyer "Mobilität ist ein Grundrecht"

22 Etagen und 22 Gelbtöne: ADAC-Zentrale in München

ADAC-Präsident Peter Meyer ist ein kantiger Westfale mit großen Ansprüchen. Er verteidigt die hohen Baukosten der neuen Zentrale und wünscht sich Benzinpreisvergleiche für jeden, jederzeit und überall.

mm: Herr Meyer, seit Jahresbeginn sitzen Sie im 22. Stock eines spektakulären Hochhauses mit Blick auf die Alpen. Warum hat der Bau der ADAC-Hauptverwaltung 100 Millionen Euro mehr gekostet als 2004 geplant?

Meyer: Der Verwaltungsrat als Entscheidungsorgan unserer 18 Regionalclubs hatte uns als Präsidium ein erstes Budget von 240 Millionen Euro genehmigt. Dann stellten wir grobe Fehler in der technischen Planung fest. Dass die U-Bahn aufwendig überbaut werden musste, trieb die Baukosten zusätzlich in die Höhe. Die Stahlpreise explodierten, die Mehrwertsteuer wurde erhöht. Wir haben das dargelegt, und das konnte jeder nachvollziehen. Als endgültiges Budget hat der Verwaltungsrat dann 325 Millionen Euro beschlossen - einstimmig.

mm: Immerhin prozessieren Sie mit den Architekten Sauerbruch/Hutton. Gab es nicht auch intern Kritik an dem prestigereichen Neubau?

Meyer: Wir haben den Bau nicht aus Mitgliedsbeiträgen bezahlt, sondern aus den erwirtschafteten Gewinnen unserer Tochtergesellschaften, die über viele Jahre angespart wurden. Das Grundstück gehörte uns schon seit über 20 Jahren. Wir waren vorher in München auf sieben Standorte verteilt - das war ein richtiger Sitzungstourismus. Wir wollten etwas Besseres schaffen, das auf lange Zeit genügt.

mm: Nicht nur das Präsidium, auch Ihre Regionalclubs stehen immer wieder im Verdacht, dass sie die Mitgliedsbeiträge ziemlich unkontrolliert ausgeben, nicht selten für schöne Immobilien?

Meyer: Das ist nicht so. Wir haben bewusst ein großes Grundstockvermögen, damit wir nicht in Abhängigkeit von Politik, Autoindustrie oder anderen Verbänden geraten. Deshalb laufen beispielsweise die Crash-Tests nach unseren Regeln und nur nach unseren Regeln. Und staatliche Zuschüsse zum Überleben, wie sie so manche andere Organisation in Anspruch nehmen muss, benötigen wir nicht. Die Regionalclubs sind sinnvoll, weil wir nicht 18 Millionen Mitglieder von einem Ort aus betreuen können. Die Clubs - ich selbst führe den Club Nordrhein mit 2,5 Millionen Mitgliedern - erhalten einen Anteil der Mitgliedsbeiträge und Provisionen für den Vertrieb unserer Leistungen. Diese Einnahmen müssen sie konservativ und mündelsicher anlegen, und das bedeutet in diesen Zeiten nicht selten: Betongold.

mm: Staatliche Zuschüsse brauchen Sie nicht, aber ein großer Steuerzahler ist Ihr als Verein organisiertes Unternehmen auch nicht gerade?

Meyer: Das stimmt nicht, auch wenn es immer wieder ein Journalist vom anderen abschreibt. Wir sind nicht gemeinnützig, sondern ein Idealverein. Nur unsere beiden Stiftungen und die Luftrettung sind gemeinnützig und damit von der Steuer befreit. Alle unsere Tochtergesellschaften haben die Rechtsform der AG oder der GmbH und zahlen ihre Steuern wie jeder andere. Und auch der ADAC e.V. zahlt Steuern.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH