Freitag, 29. Juli 2016

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Volkswagen in Indien Suzuki vergessen und vom Bentley lernen

Volkswagen in Indien: Vom Vento bis zum Bentley
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Thomas Reintjes

Volkswagen hat es heute unter Beweis gestellt: Das Unternehmen steht besser da als je zuvor, das erste Quartal unterstreicht die Ausnahmestellung des Konzerns. Nur in einem Land scheint VW nichts recht zu gelingen: Indien, dem bald drittgrößten Automarkt der Welt.

Pune/Hamburg - Das Geschäft von Volkswagen läuft und läuft und läuft. Erstmals mehr Umsatz als Erzkonkurent Toyota, soviel Gewinn wie nie zuvor, erstmals mehr als eine halbe Million Mitarbeiter, so viel wie kein anderer deutscher Konzern. Vom Kleinstwagen bis zum Schwerlaster sind die Wolfsburger in allen Ländern der Welt vertreten, den weltweiten Marktanteil steigerten sie zuletzt auf 12,3 Prozent. In Brasilien und China ist Volkswagen Börsen-Chart zeigen nicht zu schlagen, Kurzum, VW könnte rundum zufrieden sein - wäre da nicht Indien.

Das Land, in dem ein Großteil der Fahrzeuge noch drei Räder hat. Das Land, in dem Käufer ihre Neuwagen mit Kokosnussmilch taufen und mit gelben Blumenketten behängen. Das Land, in dem die billigsten Autos der Welt gebaut werden. Das Land, das vielleicht schon in sieben Jahren den drittgrößten Automobilmarkt weltweit beheimatet. Ausgerechnet hier kommt Volkswagen Börsen-Chart zeigen bislang nicht vom Fleck.

3 Prozent Marktanteil haben die Marktforscher von Frost & Sullivan für Volkswagen in Indien auf dem Zettel. Damit liegt der Konzern nicht nur hinter Global Playern wie Ford Börsen-Chart zeigen (3,5 Prozent), General Motors Börsen-Chart zeigen (4,2 Prozent) und Toyota Börsen-Chart zeigen (6,1 Prozent zurück) zurück, sondern auch hinter einheimischen Konzernen wie Mahindra & Mahindra (9,4 Prozent) oder Tata Börsen-Chart zeigen (14,2 Prozent). Der aufstrebende VW-Rivale Hyundai Börsen-Chart zeigen verkauft gar 14,8 Prozent aller indischen Neuwagen. Unangefochtener Marktführer ist indes der Kleinwagenhersteller Suzuki Börsen-Chart zeigen, der in Indien als Maruti Suzuki firmiert. Die Japaner bringen es auf 38,4 Prozent.

Die meisten jener Inder, die sich einen Maruti Suzuki leisten können, betrachten den Marktführer heute wie einen einheimischen Anbieter. Viele erinnern sich daran, wie das Unternehmen Anfang der Achtzigerjahre von der damaligen Premierministerin Indira Gandhi als erster ausländischer Automobilbauer die Lizenz bekam, in Indien zu fertigen. Das erste "People's Car" rollte 1983 vom Band. Im Februar 2012 feierte Suzuki den Verkauf seines zehnmillionsten Autos in Indien.

Anfang der 80er stachen die Japaner die Deutschen aus

Die Wenigsten erinnern sich indes daran, dass eigentlich der VW-Konzern erste Wahl für die Produktion des indischen "Volkswagens" war. Der Hintergrund: Sanjay Gandhi, Sohn der Premierministerin, war einst in England beim Luxusautobauer Rolls-Royce in die Lehre gegangen. Von der Regierung beauftragt, ein modernes, für indische Straßen und Portemonnaies geeignetes Auto zu bauen, gründete er das Unternehmen Maruti Udyog.

Doch das Projekt drohte zu scheitern, weshalb Sanjay Gandhi zum Telefon griff. Wobei er zunächst nicht in Japan anrief, sondern in Deutschland. Denn das Vorbild des indischen "People's Car" wurde in Wolfsburg produziert: der Käfer.

Im Feilschen um Technologieaustausch und ein indisches Joint-Venture der Interessenten mit Maruti Udyog unterbreiteten am Ende dennoch die Japaner mit ihrem Billigmobil "Maruti 800" das aus Sicht der Inder bessere Angebot. Der Rest ist Geschichte. Volkswagen konzentrierte sich auf andere Märkte, allen voran China.

In Indien indes schickte der Konzern erst im Jahr 2001 zunächst die Konzerntochter Skoda vor. Im Werk im nordindischen Aurangabad werden inzwischen Fahrzeuge der Marken Skoda, Volkswagen und Audi gefertigt - im indischen Markt allesamt Luxusfahrzeuge.

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