Mittwoch, 28. Juni 2017

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Dienstwagen Unternehmen verschmähen E-Autos

SAP-Elektroautos: Für kurze Distanzen geeignet
SAP/Wolfram Scheible / DPA
SAP-Elektroautos: Für kurze Distanzen geeignet

Sie sind klein, sauber, aber wenig genutzt: Elektroautos spielen in den Dienstwagenflotten der deutschen Konzerne keine Rolle. Jetzt hat der Softwareriese SAP getestet, ob es nicht doch mit solche Autos gehen kann. Das Ergebnis zeigt die bittere Rolle eines Nischenprodukts.

Walldorf - Leise säuselt der Wind in den Bäumen der Allee, die zur Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf führt. Man ist auf dem Land, die Besiedlung ist dünn, kaum Häuser, kleine Landstraßen sind zu sehen und es gibt keine Konkurrenz zu den Geräuschen der Natur. Trotz der ländlichen Stille fällt es schwer, das Surren des Motors auszumachen, den der Kleinwagen verursacht, der von einem SAP-Mitarbeiter gelenkt wird. Das Fahrzeug webt sich wie ein organisches Element in die Natur ein. Es stört nicht weiter.

SAP hat in dem Pilotprojekt "Future Fleet" getestet, wie seine Mitarbeiter mit der Umstellung von einem Dienstwagen mit Verbrennungsmotor auf ein Elektroauto zurechtkommen. "Viele wollten die Pioniere sein", sagt Jutta Deffner vom Institut für sozio-ökonomische Entwicklung, kurz ISOE, die das Projekt wissenschaftlich begleitet hat.

500 Mitarbeiter wurden als Testpiloten für ein halbes Jahr ausgewählt, die insgesamt mehr als 100.000 Kilometer gefahren sind. Das Ergebnis: "Elektromobilität funktioniert, aber man braucht dafür eine intelligente Lösung", sagt SAP-Projektleiter Joachim Marx. Und nach dieser Lösung suchen jetzt Deutschlands Unternehmen verstärkt, hat das Marktforschungsinstitut Dataforce herausgefunden. Das Interesse hat einen guten Grund.

Für neun von zehn Fuhrparkverantwortlichen ist die angekündigte Steuerbefreiung bei Elektrofahrzeugen der größte Anreiz zur Anschaffung solcher Fahrzeuge, haben die Marktforscher ermittelt. Denn die Manager sehen sich weniger als grüne Innovatoren, denen die Nachhaltigkeit ihres Fuhrparks sogar Mehrkosten wert ist; nur für die Hälfte der Flottenmanager ist die Null-Emissionen-Plakette an sich ein Grund, sich für E-Autos zu entscheiden. Solch nüchternes wirtschaftliche Kalkül kann sich dennoch für die Umwelt auszahlen: 60 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland sind Dienstwagen.

Allerdings: Selbst die in Aussicht gestellten Steuererleichterungen bringen Elektroautos noch nicht in Massen als Dienstwagen in Bewegung. Von dem Ziel, im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen zu haben, das sich die Bundesregierung selbst gesteckt hat, ist die Bundesrepublik noch weit entfernt. Derzeit werden hierzulande insgesamt nur knapp 5000 Autos vom Strom aus der Steckdose angetrieben. Entsprechend gering ist auch die Rolle der Elektromobile in den Fuhrparks deutscher Konzerne. Und auch das hat einen nüchtern wirtschaftlichen Grund.

Einsatz auf dem Firmengelände

Das Versprechen der Bundesregierung, die Dienstwagenbesteuerung so zu ändern, dass E-Autos beim Kauf nicht weniger attraktiv sind als herkömmliche Wagen, ist noch nicht eingelöst. Der Steuer-Plan sah vor, die sogenannte Ein-Prozent-Hürde zu senken. Bei dieser Regelung werden private Fahrten mit dem Dienstwagen monatlich mit einem Prozent des entsprechenden Kaufpreises zuzüglich der Kosten für Sonderausstattungen versteuert. Auch die hohen Kosten für den Akku der Fahrzeuge will die Regierung durch Steuersenkungen ausgleichen. Wie soll es jetzt weitergehen?

Das Energieunternehmen Juwi südlich von Frankfurt berät Unternehmen, die ihre Flotte auf E-Autos umstrukturieren wollen. Es ist sich der Mehrkosten bewusst und wirbt deshalb auch mit Imagegewinn, einer öffentlichkeitswirksamen Ladestruktur, - auch für die Kunden der Unternehmen-, und sauberer Stromerzeugung durch Solarcarports. "Selbstverständlich beziehen wir den Strom aus erneuerbaren Energien", sagt Matthias Willenbacher aus dem Vorstand des Unternehmens.

Dennoch ist es ein weiter Weg zum Umdenken. Wenn heute großflächig E-Autos bestellt werden, dann sind es Flughafengesellschaften oder Unternehmen, die die Autos auf dem Firmengelände einsetzen. Andere Konzerne zeigen sich zurückhaltend. Das Pharmaunternehmen Bionorica beispielsweise hatte vor zwei Jahren angekündigt, die Fahrzeugflotte auf E-Autos umzustellen. Doch bis heute ist nichts passiert. Sie gäben den Außendienstmitarbeitern lediglich Empfehlungen hinsichtlich der Ökorichtlinien, berichtet die Firma kleinlaut.

Da ist das Walldorfer Softwarehaus SAP mit seinem Modellprojekt zwar weiter. Doch die Mitarbeiter von SAP haben die Fahrzeuge überwiegend für das Pendeln zum Firmensitz genutzt, also zur Überwindung von Distanzen von rund 50 Kilometern. "Für Vertriebsmitarbeiter, die längere Strecken zurück legen müssen, ist der Wagen eher ungeeignet", resümiert SAP-Projektleiter Marx. Auch für Urlaubsfahrten oder Ausflüge haben die Mitarbeiter es vorgezogen, mit den konventionellen Autos zu fahren.

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