Sonntag, 19. November 2017

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Erfinder-Schmiede Kiekert wird an Chinesen verkauft

Zentrale des Autozulieferers Kiekert: Traditionsfirma geht an Chinesen

Übernahme mit Geschmäckle: Ein Autozulieferer aus China kauft das deutsche Traditionsunternehmen Kiekert. Die Firma aus dem Rheinland hat einst die Zentralverriegelung erfunden. Nun wird die Ideenschmiede von seinem Besitzer, einem Finanzinvestor, weitergereicht. 

Heiligenhaus - Ein deutsches Traditionsunternehmen geht in chinesische Hände. Der weltgrößte Türschlosshersteller Kiekert aus Heiligenhaus bei Düsseldorf wird an Hebei Lingyun Industrial aus Peking verkauft. Mit der Übernahme entstehe ein internationales Zulieferunternehmen mit über 1,2 Milliarden Euro Umsatz, teilte Kiekert mit.

Die vor 150 Jahren gegründete Firma ist nach eigenen Angaben Erfinder der modernen Zentralverriegelung. Kunden sind unter anderem BMW Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen. Kiekert hatte 2011 mit 4000 Beschäftigten 41 Millionen Schließsysteme produziert und mehr als 500 Millionen Euro umgesetzt.

Nach den Zulieferern Preh (Kontrollsysteme), Saargummi (Karosseriedichtungen), KSN Castings (Leichtmetallteile) und Sellner (Zierteile) ist der Kauf von Kiekert bereits die fünfte Übernahme durch chinesische Unternehmen auf dem deutschen Autozulieferermarkt innerhalb eines Jahres.

Kiekert gehörte bisher Finanzinvestoren

Firmen in China haben sich den Kauf von Unternehmen und Technologien in Europa zum Ziel gesetzt. Zu den strategischen Branchen, in die systematisch investiert werden soll, gehören die Autoindustrie und der Maschinenbau. Zunächst hatten chinesische Unternehmen nur Sanierungsfälle wie Saargummi gekauft. Inzwischen greifen sie auch nach gesunden Unternehmen wie dem Betonpumpenhersteller Putzmeister.

Kiekert verspricht sich von der Übernahme durch Lingyun mehr Chancen im Geschäft mit asiatischen Autobauern. Umgekehrt sollen die Produkte der Chinesen - unter anderem Zierteile und Autotürelemente - auch an Kunden von Kiekert in Europa und den USA verkauft werden. Bisher beliefert Lingyun vor allem die chinesischen Autohersteller.

Der Autozulieferer Kiekert war zu einem Beispiel für die "Heuschrecken"-Debatte um die Rolle von Finanzinvestoren in der Wirtschaft geworden. Der Investor Permira hatte im Jahr 2000 rund 530 Millionen Euro für Kiekert gezahlt und anschließend Schulden auf das Unternehmen abgewälzt, das aber nach Verlusten mit den Zinsen überfordert war. Permira musste Kiekert schließlich an die Gläubiger abtreten - die Hedgefonds BlueBay und Silver Point sowie die Investmentbank Morgan Stanley. Der Autozulieferer gehörte seit gut fünf Jahren den drei Finanzinvestoren.

mmq/dpa/rtr

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