Sonntag, 21. Oktober 2018

16 Milliarden Euro Volkswagen verdoppelt Gewinn

Auslieferungstürme in der VW-Stadt Wolfsburg: Der Autobauer konnte 2011 den Absatz erstmals auf mehr als acht Millionen Fahrzeuge erhöhen

Porsche sei Dank: Wegen der vorerst abgesagten Fusion hat der Volkswagen-Konzern seinen Überschuss im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Aber auch ohne den Einfluss des Sportwagenbauers erzielten die Wolfsburger einen Rekordgewinn. Nun soll die Dividende deutlich angehoben werden.

Hannover/Wolfsburg - Der Überschuss sei im vergangenen Jahr auf 15,8 Milliarden Euro geklettert, teilte Volkswagen am Freitag überraschend mit. Im Vorjahr lag der Gewinn noch bei 7,2 Milliarden Euro.

Der Vorstand erklärte den Gewinnsprung unter anderem mit der Neubewertung von Aktienoptionen, nachdem die Fusion mit Porsche Börsen-Chart zeigen im vergangenen Jahr wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen abgesagt wurde. Dies führte dazu, dass die von VW und Porsche gegenseitig eingeräumten Kauf- und Verkaufsoptionen für das Sportwagengeschäft neu bewertet wurden. Das ergab einen Buchgewinn, der sich auf die tatsächliche Finanzlage nicht auswirkt. Der operative Gewinn ohne diese Einflüsse stieg von 7,14 auf 11,3 Milliarden Euro.

Den Umsatz steigerte der Wolfsburger Konzern, zu dem sieben Pkw-Marken und die beiden Lastwagenbauer Scania Börsen-Chart zeigen und MAN Börsen-Chart zeigen gehören, um mehr als ein Viertel auf 159 Milliarden Euro. Im Schlussquartal lief es dagegen nicht mehr ganz so rund. In diesem Zeitraum sank der operative Gewinn.

17 Milliarden Euro cash

Volkswagen hatte im vergangenen Jahr weltweit erstmals mehr als acht Millionen Fahrzeuge losgeschlagen, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem in China und den USA liefen die Geschäfte rund. Aber auch in Westeuropa, wo andere Hersteller wie Peugeot wegen der Staatsschuldenkrise kaum neue Autos verkaufen und Verluste schreiben, ging es bei VW nur aufwärts.

Zu Beginn des neuen Jahres verloren aber auch die erfolgsverwöhnten Wolfsburger an Fahrt: Die Auslieferungen stiegen nur noch leicht. Als Grund nannte VW die Neujahrsfeiern auf seinem weltgrößten Markt in China, wo während dieser Zeit für mehrere Tage das Wirtschaftsleben ruht. Analysten erwarten höhere Verkäufe im Februar.

Die Stärke des Konzerns wird vor allem bei den Barmitteln deutlich. Trotz hoher Investitionen von sieben Milliarden Euro für die Übernahme des Münchner Lastwagenbauers MAN, den Erwerb der Porsche Holding in Salzburg sowie die Beteiligung an dem Karbonhersteller SGL verfügte Volkswagen über eine Netto-Liquidität von 17 Milliarden Euro. Damit ist der Konzern bestens gerüstet für den Weg an die Weltspitze, die die VW-Führung spätestens 2018 erreichen will.

Dividende wird um 80 Cent erhöht

Die Stammaktionäre - darunter als größte die Porsche Holding, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar - sollen eine um 80 Cent auf drei Euro erhöhte Dividende erhalten. Sechs Cent mehr je Anteilscheins will VW den stimmrechtslosen Vorzugsaktionären zahlen.

VW zog die Veröffentlichung der Zahlen vor, nachdem der enorme Gewinnanstieg bereits durchgesickert war. Eigentlich wollte der Aufsichtsrat erst am Montag darüber beraten. Anleger verfielen angesichts des historisch hohen Gewinns allerdings nicht in Euphorie. In einem ansonsten freundlichen Umfeld verlor die im Dax gelistete Vorzugsaktie des Wolfsburger Konzerns zeitweise ein Prozent an Wert. Börsianer begründeten dies damit, dass Anleger Kasse machten. Das Papier hatte seit Anfang Januar mehr als 20 Prozent zugelegt.

Zum Ausblick äußerte sich Volkswagen nicht. Ein Sprecher wollte das Zahlenwerk mit Verweis darauf, dass sie vorläufig seien, auch nicht näher erläutern.

mg/dpa-afx/rtr/dapd

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