Dienstag, 26. Juli 2016

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Elektromobilität "Elektroautos setzen sich langsamer als erwartet durch"

Elektroautos: Welche E-Mobile zu den Händlern kommen
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Burkhard Göschel, Mitglied der Nationalen Plattform Elektromobilität, spricht mit manager magazin Online über die Arbeit des branchenübergreifenden Gremiums, korrigierte Markterwartungen, asiatische Batteriehersteller und gescheiterte Jointventures.

mm: Herr Göschel, auf der Frankfurter Automesse IAA standen Kleinwagen und die Vernetzung des Autos im Vordergrund - bloß bei den Elektroautos gab es ein wenig Atempause. Klingt der Hype um die Stromer nun ab?

Göschel: Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sich Elektroautos im Markt etablieren. Bei den teuren Lithium-Ionen-Akkus ist eine Kostendegression im Gange. Bis 2020 werden die Kosten für die teuren Batterien von derzeit 600 Euro pro Kilowattstunde auf 300 Euro fallen. Doch am Anfang wird das Schwergewicht am Anfang stärker auf Hybridantrieben liegen als auf reinen E-Autos.

mm: Selbst bei einer Halbierung der Batteriekosten werden Elektroautos auch in neun Jahren empfindlich teurer sein als Kleinwagen mit Verbrennungsmotor. Müsste die deutsche Regierung Kaufprämien gewähren, um den Markt ins Laufen zu bringen?

Göschel: Ich bin ein Gegner von direkten staatlichen Zuschüssen für den Elektroauto-Kauf. Es ist viel sinnvoller, die Fördermittel dazu zu verwenden, dass Deutschland im Bereich Elektromobilität technologisch führend wird. Bildung und Ausbildung sollten eine dominierende Position gewinnen. Allenfalls am Anfang könnte der Staat Zuschüsse zum Kaufpreis gewähren, um die Verbreitung von E-Autos zu beschleunigen. Doch die Elektroautos müssen im freien wirtschaftlichen Wettbewerb alleine bestehen können. Auf Dauer können wir die Stromer nicht fördern.

mm: Im Mai hat die von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufene Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), bei der Sie eine Arbeitsgruppe leiten, ihren zweiten Bericht vorgelegt. Dabei hat die NPE die Schaffung mehrerer großer Forschungsvorhaben angeregt. Warum wurde es darum in den letzten Monaten so still?

Göschel: Die sogenannten "Leuchtturm"-Projekte befassen sich mit all den Basistechnologien, die für den Aufbruch in das Elektroauto-Zeitalter notwendig sind. Das reicht von Ladetechnologien über den Antriebsstrang bis hin zu Fragen der Energiespeicherung. Sie hören deshalb relativ wenig davon, weil daran gearbeitet wird. In einem Bericht Ende November stellen wir dann dar, was erreicht worden ist. Aber die Plattform ist erfolgreich. Diese Art der Zusammenarbeit hat es so bisher nicht gegeben. Erstmals sitzen unterschiedlicher Industriezweige an einem Tisch und arbeiten branchenübergreifend. Nur wenn Energieversorger, Automobilhersteller, IT-Unternehmen und andere zusammenarbeiten, kommen wir bei der Elektromobilität vorwärts.

mm: Und das soll funktionieren, wenn Vertreter von konkurrierenden Unternehmen an einem Tisch sitzen? Ist die NPE nicht eher Club für gepflegte Debatten als eine schlagkräftige Organisation?

Göschel: Die Plattform ist alles andere als ein Debattierclub. Sicherlich wird viel geredet, weil viele Leute an einem Tisch sitzen. Doch eine ganze Industrielandschaft orientiert sich nun an einem Thema, da ist die Bandbreite der Interessen riesig. Dass es hier einen Bedarf am Austausch von Informationen und Entscheidungsprozessen gibt, ist natürlich. Deshalb wird "debattiert", was notwendig ist. Aber dabei wird gute und sinnvolle Arbeit geleistet. Die Arbeitskreise treffen sich regelmäßig, je nach Arbeitsgruppe mindestens einmal in zwei Monaten.

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