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30.09.2011
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GM-Berater Bob Lutz
"Chevrolet-Modelle auch in Opel-Werken fertigen"

Von Michael Freitag

Autolegende Bob Lutz: "GM wird Volkswagen und Hyundai einen sehr harten Wettbewerb liefern"
Getty Images

Autolegende Bob Lutz: "GM wird Volkswagen und Hyundai einen sehr harten Wettbewerb liefern"

Opel profitiere enorm davon, Teil eines Konzerns wie General Motors zu sein, sagt GM-Vorstandsberater Bob Lutz. Im Interview mit manager magazin erklärt Lutz, was ihn an Klaus Franz stört, warum es den Opel Ampera ohne GM nie gegeben hätte - und wie die Marke Chevrolet die Auslastung bei Opel verbessern kann.

mm: Herr Lutz, was haben Sie gegen Opel-Betriebsratschef Klaus Franz?

Lutz: Wie kommen Sie darauf, dass ich Probleme mit ihm habe?

mm: In Ihrem Buch "Car Guys vs. Beancounters", auf deutsch in etwa "Auto-Enthusiasten gegen Erbsenzähler", werfen Sie ihm vor, er habe Opel die notwendige Flexibilität genommen.

Lutz: Das ist nur ein ganz kurzer Abschnitt.

mm: Aber Sie müssen doch einen Grund für dieses harte Urteil haben.

Lutz: Ich möchte nicht auf die Details eingehen. Aber Klaus Franz hat als Betriebsratschef und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats meiner Meinung nach dazu beigetragen, dass bei Opel in der Vergangenheit zu vorsichtig saniert wurde. Sie dürfen seinen Einfluss nicht unterschätzen. Wie mächtig dieser Mann sein kann, hat er während der Verkaufsverhandlungen mit Magna Chart zeigen 2009 gezeigt. Vorstandschef Carl-Peter Forster zeigte in dieser Phase Zurückhaltung. Also hat Franz die Lücke gefüllt, hat in den Medien aus dem Nähkästchen geplaudert und so für erhebliche Schlagzeilen gesorgt.

mm: Sie scheinen generell ein Problem mit Aufsichtsräten zu haben. Den Regierungsvertretern im Board von General Motors Chart zeigen werfen Sie vor, sie hätten die aggressivsten Fragen gestellt - und verstünden gleichzeitig am wenigsten von Autos.

Lutz: Das war anfangs schon sehr auffällig und ging teilweise in die Richtung, "Ihr seid ja alle unfähig, sonst wärt Ihr nicht in die Insolvenz gegangen". Da kamen skurrile Behauptungen, zum Beispiel, wir wüssten nicht, was unsere Autos überhaupt kosten. Ich kann Ihnen so etwas natürlich auf den Dollar sagen: den Materialwert im Auto, den Arbeitsgehalt, die Fixkosten, alles. Natürlich hatten wir diese Zahlen.

mm: Aber solche Vorwürfe macht man kaum, wenn es dafür keine Anhaltspunkte gibt.

Lutz: Das war völlig aus der Luft gegriffen. Die damalige Auto-Taskforce der US-Regierung kam mit der Einstellung, dass bei GM nur Leute arbeiteten, die nichts vom Geschäft verstünden, kurz gesagt: "Alles Nieten in Detroit. Wenn Ihr die nicht ordentlich wach rüttelt, wird sich der Konzern nie erholen." Dabei konnten die verbliebenen Leute am wenigsten für GMs Niedergang. Wie zum Beispiel der damalige Chef Fritz Henderson.

mm: Fritz Henderson musste dann ja tatsächlich gehen.

Lutz: Ja, es hat einige Zeit gedauert, bis die neuen Aufsichtsratsmitglieder den Konzern und die Automobilindustrie ausreichend verstanden hatten. Die Anfangsphase war ziemlich schwierig, da sind einige Fehler passiert. Es ist eben etwas anderes, einen Autokonzern oder ein Konglomerat wie Siemens Chart zeigen oder General Electric Chart zeigen zu führen.

mm: Oder für einen Private-Equity-Fonds zu arbeiten wie der heutige GM-Chef Dan Akerson früher ...

Lutz: Richtig, aber nicht dass hier Missverständnisse aufkommen: Akerson ist der Richtige für GM. Er lässt sich in technischen Fragen auch stets auf die Ratschläge der Experten ein. Der Vergleich mit dem Konglomerat hat einen anderen Hintergrund: Da managt der Vorstand ein Portfolio. In einem solchen Verbund kann ich relativ einfach ein einzelnes Geschäft verkaufen, wenn es schlecht läuft. Bei Autokonzernen ist das viel schwieriger. Da sind zum Beispiel die Mutter General Motors und die Tochter Opel so eng verwoben, dass eine Abspaltung und ein Opel-Verkauf extrem schwierig gewesen wären.

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Zur Person

Robert "Bob" Lutz gehört zu den ganz Großen der Automobilindustrie. Der gebürtige Schweizer ist der Prototyp des Car Guys, und er arbeitet noch mit 79 Jahren als eine Art persönlicher Berater von Vorstandschef Dan Akerson für General Motors. Dort hatte er 1963 auch seine Karriere begonnen. 1971 wechselte er als Marketingchef zu BMW, übernahm 1974 den Vorstandsvorsitz von Ford Europa und stieg später in den Detroiter Konzernvorstand auf. 1988 warb ihn Chrysler ab. Dort wurde Lutz stellvertretender Vorstandschef. Nach einem dreijährigen Intermezzo beim Zulieferer Exide Technologies kehrte er schließlich zu GM zurück. 2009 ging er zwar in Pension, blieb dem Konzern jedoch verbunden.
Seine neueste Aufgabe bei GM: Er berät den automobiltechnisch wenig beschlagenen Vorstandschef Dan Akerson.









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