Mittwoch, 12. Dezember 2018

Neuer Antrieb Holperstart bremst Elektroauto-Euphorie

Deutscher Markt für Elektroautos: Steiniger Weg ins Batteriezeitalter
Bosch

In diesem Jahr drängen die großen Autohersteller in vielen Staaten erstmals mit reinen Elektroautos an den Markt. Der Start verläuft schleppend, wie die Zulassungszahlen der ersten sechs Monate zeigen. In Norwegen hat es ein Elektroauto aber schon an die Spitze im Kleinwagensegment geschafft - und das liegt nicht nur am eigenwilligen Design.

Hamburg - Das Elektroauto hat seinen Siegeszug begonnen - zumindest in Norwegen. Aus dem Stand hat sich der Mitsubishi iMiev in den ersten sechs Monaten 2011 an die Spitze des Kleinwagensegments gesetzt. Knapp 20 Prozent der Verkäufe entfielen nach offiziellen Angaben auf den Stromer aus Japan; erst dahinter kommen Toyota Aygo, Peugeot 107, Fiat 500 und andere Modelle mit Verbrennungsmotor.

Es sind jedoch nicht nur die leisen Motoren oder das eigenwillige Design des iMiev, die die Norweger elektrisieren. Der Staat hilft kräftig mit, damit sich die neue Technologie durchsetzt. Während Autokäufer sonst üppige Luxussteuern auf den Preis eines Neuwagens zahlen, fallen sämtliche Abgaben - sogar die Mehrwertsteuer - bei Elektroautos weg. Zudem dürfen Pendler, die elektrisch unterwegs sind, Busspuren nutzen.

Längst nicht überall in Europa läuft das von Politik und Unternehmen beschworene Projekt E-Mobilität so vielversprechend an wie in Norwegen. Seit gut einem halben Jahr sind die Massenhersteller mit Elektroautos am Markt. Wo der Staat unterstützt, sind erste Erfolge sichtbar - wo die Unternehmen diese Hilfe nicht bekommen, fristen Modelle wie iMiev, Citroën C-Zero, Peugeot iOn oder Nissan Leaf bisher eher ein Schattendasein.

"Natürlich ist die Elektromobilität ein knallhartes industriepolitisches Thema. Hersteller bieten ihre Elektroautos zuerst in Ländern an, in denen Kunden durch Förderungen einen höheren Kaufanreiz haben", sagt Christian Malorny, Elektroautoexperte der Unternehmensberatung McKinsey.

So fördert etwa Japan die Anschaffung von Elektroautos mit fast 9000 Euro pro Fahrzeug, die Neuwagenpreise liegen damit auf Niveau eines Mittelklasseautos. Der Lohn der staatlichen Mühen: Im ersten Halbjahr 2011 wurden in Japan insgesamt 5758 Elektroautos neu zugelassen, zeigen Zahlen des Marktforschungsunternehmens IHS Global Insight.

Bescheidene Zulassungszahlen in Deutschland, USA und Frankreich

Wie es ohne Unterstützung vom Staat aussieht, lässt sich beispielsweise an den Zahlen des Flensburger Kraftfahrtbundesamts (KBA) ablesen. Ganze 1275 Elektroautos wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres für deutsche Straßen zugelassen - angesichts der Zahl von insgesamt 1,62 Millionen Neuwagen ein verschwindender Anteil. Immerhin steigt er - im gesamten Jahr 2010 wurden nur 541 Stromer neu registriert.

"Die Zulassungszahlen in Deutschland sagen im Augenblick noch relativ wenig aus", warnt Malorny allerdings vor Überinterpretationen. Denn derzeit sind gerade mal drei E-Modelle großer Autohersteller auf dem deutschen Markt erhältlich. Erst im Jahr 2013 wollen deutsche Autokonzerne wie Volkswagen Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen ihre E-Mobile in die Autohäuser stellen. Dann, meint Malorny, wird in Deutschland ein größerer Markt abseits von wohlhabenden Ökofans oder Firmentestflotten entstehen. Imagepflege betreiben die großen Autohersteller bereits jetzt: BMW bewirbt sein kürzlich vorgestelltes Elektroauto i3 bereits heute in großformatigen Zeitungsanzeigen - anderthalb Jahre vor dem Marktstart.

Die Nervosität unter den Autokonzernen wächst offenbar. Denn bislang verläuft der Start in das Zeitalter der batteriegetriebenen Mobilität alles andere als elektrisierend - auch im Nachbarland Frankreich, das sich gerne als Vorreiter versteht. Die Grande Nation gilt als technikversessen, die Autobauer Renault Börsen-Chart zeigen und Peugeot Börsen-Chart zeigen liefern sich ein Wettrennen um die ersten Elektroautomodelle für die breite Masse.

Rund 2,1 Milliarden Euro will die französische Regierung in den nächsten Jahren für Forschung, Entwicklung und Infrastruktur lockermachen. Ministerien sind dazu angehalten, ihre Fahrzeugflotten mit Elektroautos zu bestücken. Und trotzdem: Im ersten Halbjahr 2011 wurden in Frankreich gerade mal 955 Elektroautos neu zugelassen.

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