Freitag, 16. November 2018

Geldprobleme Saab produziert vorerst nicht mehr

Saab-Werk in Schweden: Gesamtverlust von 218 Millionen Euro

Die Situation des angeschlagenen Autoherstellers Saab spitzt sich zu. Das Unternehmen musste seine Produktion vorläufig einstellen. Verärgerte Zulieferer halten wegen unbezahlter Rechnungen ihre Waren zurück. Das Management gibt sich dennoch unbekümmert.

Stockholm - Noch vor ein paar Tagen sprach Saab-Eigner Victor Muller nur von einer "leichten Erkältung" seines Unternehmens. Doch nun hat der angeschlagene schwedische Autohersteller wegen unbezahlter Rechnungen erneut die Bänder abgeschaltet. Wie Unternehmenssprecher Eric Geers im Rundfunksender SR sagte, musste die Produktion im Stammwerk Trollhättan eingestellt werden, weil Komponenten von Zulieferern fehlten.

Die Partnerfirmen verweigerten die Lieferung, weil sie ihr Geld von Saab nicht mehr bekommen. Nach ähnlichen Problemen in der Vorwoche hatte die Saab-Führung erklärt, es handele sich lediglich um einzelne Zulieferer, mit denen man sich schnell einigen werde.

Auch nach dem erneuten Stopp beschwichtigte das Unternehmen: "Wir werden in Kürze eine permanente Lösung präsentieren, damit die Produktion wieder störungsfrei laufen kann", sagte der Sprecher. Vor einer Wiederaufnahme der Produktion müssten aber die Konflikte mit Zulieferern über unbezahlte Rechnungen gelöst werden. Wie viele Firmen ihre Lieferungen an Saab unterbrochen haben, sagte er nicht.

Der vor einem Jahr angetretene niederländische Saab-Eigner Muller hatte Anfang dieser Woche erstmals Liquiditätsprobleme eingeräumt, gleichzeitig aber auch den Medien ein "Aufbauschen" der Probleme mit Zulieferern vorgeworfen.

Saab hat im vergangenen Jahr nur 32.000 Autos produziert und Mullers kleiner niederländischer Muttergesellschaft Spyker Cars einen Verlust von 218 Millionen Euro eingebracht. Die schwedische Behörde für Staatskredite bezeichnete die Lage des Unternehmens als "akut und prekär". Als entscheidend für die Überlebenschance gilt die Frage, ob die Behörde grünes Licht für eine Kapitalzufuhr von 50 Millionen Euro durch den umstrittenen russischen Finanzier Wladimir Antonow gibt.

mmq/dpa/afp

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