Freitag, 29. Juli 2016

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Drohende Milliardeneinbußen Autoindustrie stellt Notfallpläne auf

Changan Ford Mazda Automobile: Autofertigung weltweit von japanischen Lieferausfällen bedroht

Das Drama um das Kraftwerk Fukushima hat sich zugespitzt, Reedereien meiden die Häfen von Tokio und Yokohama. Die globale Autoindustrie hat nur noch wenige Tage, bis sie die Wucht ausbleibender Lieferungen spüren wird. Jetzt sollen Notfallpläne Deutschlands Autoriesen vor Milliardeneinbußen schützen.

Hamburg - Es ist Angst. Angst vor Strahlung, vor Gefährdung der eigenen Schiffsbesatzungen. Im großen Bogen steuern internationale Reedereien deshalb ihre Schiffe um Tokio und Yokohama herum. Das aber hat Folgen für die weltweite Autoindustrie: Ausgerechnet über diese Häfen wird ein großer Teil jener Vorprodukte in alle Welt verschifft, die Autokonzerne rund um den Globus in der eigenen Fertigung einsetzen.

Über die Häfen Tokyo und Yokohama werden alleine 40 Prozent von Japans Containerfracht verschifft. Deshalb droht für die Autoriesen außerhalb Japans plötzlich die Sicherstellung der eigenen Produktion darüber zu entscheiden, wer im knochenharten Wettbewerb der Autoindustrie einen womöglich bedeutenden Wettbewerbsvorteil gegenüber seiner Konkurrenz erreichen kann.

Das jüngste Beispiel ist die Hongkonger Reederei OOCL, die am Freitag ankündigte, ihre Schiffe nach Osaka umzuleiten. Auch die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd läuft die beiden Häfen vorübergehend nicht an. Wer mag es ihnen auch verdenken? Das Risiko für die Reedereien ist immens: In erster Linie gilt ihre Sorge den Bootsmannschaft. Wird mit ihnen auch eines ihrer Schiffe in Mitleidenschaft gezogen und bei einem der jetzt üblichen Strahlentest beanstandet, drohen monatelange, wenn nicht jahrelange Überprüfungen der jeweiligen Küstenwache und damit kaum kalkulierbare Frachtverzögerungen und Verluste.

Sämtliche Alarmlampen in der Automobilbranche gingen deshalb in der vorigen Woche an, als die Überprüfung eines japanischen Containerschiffs im chinesischen Hafen Xiamen atomare Strahlung anzeigte, obwohl das Schiff auf seiner Fahrt vor Japans Nordostküste den Reaktoren in Fukushima nicht näher als 120 Kilometer gekommen war. Für die bereits eingerichteten Krisenstäbe der globalen Autoindustrie ist das eine weitere Warnflagge auf den eilig gezeichneten Notfallplänen in ihren Lagezentren.

Doch damit nicht genug. Als Zeichen dafür, dass den Versorgungsketten der Autobauer der Infarkt erst bevorsteht, gilt der erste Strahlentest für ein Schiff mit 2500 Containern aus Japan im kalifornischen Hafen Long Beach am Freitag. Es ist das erste, das nach dem verheerenden Beben in Japan vor mehr als zwei Wochen in Richtung Nordamerika gestartet war. Seine Ankunft bedeutet, dass die Autofabriken in Europa und den USA nur noch wenige Tage Frist haben, bis auch sie von der Wucht des Infarkts in den Liefersträngen getroffen werden. Denn in den kommenden zwei Wochen wird sich die Lieferpipeline aus der Zeit vor dem Erdbeben leeren.

Unter Automanagern wächst die Furcht

Dass dies so kommt, bezweifelt kaum ein Experte. "Wir erwarten, dass hier weniger Autoteile ankommen", sagt der Hafensprecher in Long Beach, Art Wong, "das wird uns in ein paar Wochen voll treffen". Ähnlich schätzt das der Analyst Mitsuo Shimizu beim Brokerhaus Cosmo Securities in Tokyo ein: "Das ist nur der Anfang, weitere Firmen werden die Produktion anhalten müssen, ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels".

Worum es genau geht, verdeutlichen die jüngsten Zahlen, die das auf Elektronik und den Autosektor spezialisierte Analyseunternehmen iSuppli am Wochenende errechnet hat: Japans Autolieferanten versorgen den Weltmarkt jährlich mit Unterhaltungselektronik für Pkw im Wert von elf Milliarden Dollar. Das sind 35 Prozent des globalen Marktes. Allein die aus Japan stammenden Chips, die in Autos eingebaut werden, haben einen Wert von 7,3 Milliarden Dollar, ein knappes Drittel des Weltmarktes in dem Segment, heißt es bei iSuppli.

Zur wachsenden Furcht in den Topetagen der europäischen und amerikanischen Autoindustrie trägt auch bei, dass einzelne, hoch spezielle Autokomponente aus Japan, die nun fehlen, ganze Fließbänder stoppen können - selbst wenn sie nur ein Stück in einem Puzzle aus 20.000 Teilen ausmachen, die für einen Kompaktwagen benötigt werden.

Hitachi Automotive beispielsweise fertigt 60 Prozent des Weltangebots von einem Teil, das die Luftströmung in Motoren misst. Hersteller von General Motors über Peugeot-Citroen bis hin zu Toyota beziehen eben diese Komponente, die aus einer Fabrik stammt, die nördlich von Tokyo liegt und nach dem schweren Erdbeben geschlossen wurde.

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