Dienstag, 12. Dezember 2017

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Konzern im Umbruch Daimlers hohes Drehmoment

Autobauer: Die wichtigsten Baustellen bei Daimler
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Daimler werde mit hohem Drehmoment aus der Krise kommen, hatte Konzernchef Dieter Zetsche versprochen. Er hat Wort gehalten. Für die nächsten Monate zeichnen sich neue Rekorde, für Absatz, Umsatz und Gewinn ab. Dennoch muss Zetsche noch viele Probleme lösen, um den Konzern nachhaltig auf Kurs zu bringen.

Welch ein Jahr! 7,3 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), 8,7 Prozent Rendite bei Mercedes, auch die Trucks wieder auf deutlichem Erholungskurs - und das nach konzernweit 2,6 Milliarden Euro Verlust im Krisenjahr 2009.

Vor zwölf Monaten habe er an dieser Stelle versprochen, Daimler werde mit hohem Drehmoment aus der Krise kommen, sagte ein stolzer Konzernchef Dieter Zetsche heute auf der Jahrespressekonferenz in Stuttgart. "Heute kann ich Ihnen sagen: Wir haben Wort gehalten."

So wie im vergangenen Jahr wird es, darf man den Prognosen glauben, auch weiter gehen. Ein Ebit aus dem laufendem Geschäft "deutlich über dem Niveau des Jahres 2010" prognostiziert Zetsche. Er betont, die Automobilindustrie sei "wieder eine Wachstumsbranche", und Daimler werde sich "ein großes Stück vom Kuchen" sichern.

Tatsächlich werden zwar Lohn- und Rohstoffkosten weiter steigen: Doch wenn Zetsche und seinen Vorstandskollegen nicht der Himmel auf den Kopf fällt - beziehungsweise die Finanzkrise wieder zurückkehrt - werden sie Anfang 2012 auf ein weiteres Erfolgsjahr zurück blicken.

Die Lust der Chinesen auf Luxusautos

Die vergangenen zwölf Monate sind allerdings kaum mit normalen Maßstäben zu messen. Der Absatz in China mit einem Plus von mehr als 100 Prozent auf rund 160.000 Autos und der Gier der Chinesen nach möglichst luxuriösen und damit höchst profitablen Modellen lassen den Konzern weltweit profitieren. Damit ist es umso einfacher, in weniger guten Märkten auf hohe Rabatte zu verzichten - eine schädliche Gewohnheit, die sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland fest etabliert hatte.

Der Euro fiel zum Dollar im Jahresdurchschnitt auf einen Kurs, der Exporte in die USA wieder zu einem Geschäft machte. Und der Konzern profitierte noch von den Sparprogrammen des Jahres 2009, von Kurzarbeit in vielen Werken und davon, dass anfänglich noch die Vereinbarung mit dem Betriebsrat griff, nach der rund 60.000 Mitarbeiter in Verwaltung, Vertrieb sowie Entwicklung ohne Lohnausgleich 8,75 Prozent weniger arbeiten.

Im Sport spräche man bei einem Rekord unter solchen Bedingungen von unzulässigem Rückenwind. Für Daimler gilt: Zetsche und auch die Aktionäre dürfen dennoch zufrieden sein. 7,3 Milliarden Euro Gewinn und 26 Prozent mehr verkaufte Pkw als 2009 sind auch in einem solchen Jahr keine Selbstverständlichkeit.

Neue Rekorde in den kommenden Monaten

Für die nächsten Monate zeichnet sich nur eins ab: neue Rekorde, für Absatz, Umsatz wie Gewinn. Die Auftragseingänge sind weiter hoch, vor allem in China und den USA geht es weiter rasant aufwärts.

Die Werke kommen - das gilt für Mercedes wie BMW und VW - kaum nach mit der Produktion, vieles ist mittlerweile auf Kante genäht. Teilweise gibt es einen echten Wettkampf der Hersteller, wer von den Zulieferern zuerst beliefert wird.

Doch Zetsche verheißt mehr als nur ein erfolgreiches Jahr 2011. Er will Daimler nachhaltig auf Kurs bringen. Ab 2013 im Jahresdurchschnitt 9 Prozent Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern - also gemittelt zwischen guten und schlechten Jahren, bei Mercedes 10 Prozent, bei den Trucks 8 Prozent: das sind gewaltige Ziele, vor allem angesichts der für 2011 und 2012 budgetierten 10,3 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung.

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