Freitag, 9. Dezember 2016

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Operation 14 Continental stellt Fusionsplan in Frage

Debatte im Management: Skepsis gegenüber der Fusion von Schaeffler und Continental

Die Conti-Spitze überprüft ihre Strategie: Sie untersucht Möglichkeiten, wie der Mehrheitsaktionär Schaeffler seinen Anteil verringern - und Conti so wieder im Dax landen könnte.

Hamburg - Es ist noch keine zwei Wochen her, da trafen sich Spitzenmanager des Automobilzulieferers Continental Börsen-Chart zeigen zu einer wegweisenden Besprechung. Vorstandschef Elmar Degenhart war da, Finanzvorstand Wolfgang Schäfer, und selbst Wolfgang Reitzle war angereist, der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Mit ihnen am Tisch saß eine Reihe hochkarätiger Berater. Es ging um Projekt 14, bei Conti werden solche Geheimoperationen häufig schlicht durchnumeriert. Die Investmentbank Perella Weinberg, die Anwaltskanzlei Freshfields und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young präsentierten der Conti-Spitze an diesem Tag ein Papier zur geplanten Fusion mit Mehrheitsaktionär Schaeffler. Das, was die Berater vortrugen, könnte eine neue Wende im nun schon mehr als zwei Jahre währenden Kräftemessen zwischen Conti und Schaeffler bedeuten.

Das erste Ergebnis der Präsentation erinnert an ein Argument, das der damalige Conti-Chef Manfred Wennemer schon zu Beginn der Übernahmeschlacht im Juli 2008 regelmäßig wiederholt hatte: Betriebswirtschaftlich bringe der Zusammenschluss keine nennenswerten Effekte. Falls der Großaktionär aus Herzogenaurach aber doch auf einem Zusammenschluss bestehe, so Erkenntnis zwei, dann wäre es am sinnvollsten, Schaefflers Automobilgeschäft in die bereits börsennotierte Continental AG einzubringen. Schaeffler könnte sich den Gang an den Kapitalmarkt sparen.

Arbeitsgruppe diskutierte Reduzierung des Schaeffler-Anteils

"Wir prüfen regelmäßig die denkbaren Optionen, die eine optimale Form der Kombination ermöglichen, weil wir davon überzeugt sind, dass beide Unternehmen davon profitieren werden", teilte Conti dazu mit. Die Arbeitsgruppe diskutierte auch eine Reduzierung des Anteils von Schaeffler an dem Hannoveraner Zulieferer. In Unternehmenskreisen hieß, dabei sei ein Anteil von 35 Prozent als mögliche Beteiligung Schaefflers genannt worden. Aktuell halten die Herzogenauracher 75 Prozent der Conti-Aktien. Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle dementierte indes "ein 35-Prozent-Ziel als Anteil des Großaktionärs an Continental". Man werde sich die nächsten Schritte genau überlegen, heißt es im Schaeffler-Umfeld zu einer möglichen Reduzierung des Anteils.

Würde Schaeffler seinen Anteil massiv abschmelzen, näherte man sich einer Situation an, die es schon zu Anfang der Übernahmeschlacht gab. Damals kontrollierte Schaeffler über Aktien und Optionen 36 Prozent der Conti-Anteile. Als dann allerdings die große Mehrheit der Conti-Aktionäre das Übernahmeangebot akzeptierte, wurden aus den 36 Prozent gigantische 90 Prozent. Und auf Schaeffler lastete plötzlich ein gewaltiger Schuldenberg von rund 11 Milliarden Euro.

Die Conti-Arbeitsgruppe hatte über mehrere Monate immer wieder getagt, anfangs auch regelmäßig gemeinsam mit Führungskräften von Schaeffler. Beteiligt an den Gesprächen war unter anderem Schaeffler-Finanzchef Klaus Rosenfeld. Die Topmanager beider Seiten wollten die geplante Fusion der beiden Autozulieferer vorbereiten. Schließlich sollte aus den beiden Unternehmen ursprünglich schon 2011 einer der drei weltgrößten Automobilzulieferer werden - ein echter Herausforderer für den Platzhirschen Bosch. Doch Ende Oktober signalisierte die Schaeffler-Spitze plötzlich: Das Projekt wird bis auf weiteres gestoppt, der Fusionsplan ist vertagt. Der eigentliche Treiber der Gespräche wollte nicht mehr.

Alles werde in Frage gestellt, der Focus liege momentan eindeutig auf dem operativen Geschäft, erläuterten Schaeffler-Vertraute den Schwenk. In Hannover allerdings habe man eine andere Botschaft vernommen, heißt es in Konzernkreisen. Schaeffler wolle den Zusammenschluss weiter. Allerdings sei wegen Georg Schaefflers Steuerproblemen eine vermutlich mindestens einjährige Pause nötig. Schaeffler bestreitet diese Version.

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