Mittwoch, 27. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Werben für TTIP Acht Auto-Alphamänner im Kampf gegen das Chlorhuhn

Acht für TTIP: VdA-Präsident Matthias Wissmann (Mitte) hat Arndt Kirchhoff (Kirchhoff Holding, von links), Bernhard Mattes (Ford), Rupert Stadler (Audi), Dieter Zetsche (Daimler) sowie Norbert Reithofer (BMW), Matthias Müller (Porsche) und Volkmar Denner (Bosch) um sich geschart, um für das Freihandelsabkommen zwischen EU und USA zu werben.

Ein Star-Aufgebot der wichtigsten Auto-Bosse hat die Vorteile gepriesen, die sich aus dem Freihandelsabkommen TTIP ergeben könnten. Leicht von der Hand ging ihnen das nicht - mit vielen Zahlen wollen die Car-Guys die Stimmung drehen.

Berlin - Dieter Zetsche braucht diesmal etwas, bis er in Fahrt kommt. Vorsichtig legt der knapp zwei Meter große Daimler-Chef seine rechte Hand auf einem Plexiglas-Pult ab. Dort ruht sie für einige Minuten, während er routiniert seinen vorbereiteten Text herunterspult. Allzu viel Begeisterung ist in den ersten Minuten noch nicht zu greifen für das große Thema, für das eine ungewöhnliche Phalanx der Automobilindustrie gemeinsam die Werbetrommel rührt.

Dabei ist eine handverlesene Auswahl von Deutschlands wichtigsten Automanagern in der Berliner Zentrale des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) angetreten, um die Vorteile des Freihandelsabkommens TTIP zu preisen. Zetsche nimmt die Mitte der kleinen Bühne ein, rechts neben ihm steht VDA-Präsident Matthias Wissmann kerzengerade im dunklen Zweiteiler.

Flankiert werden die beiden von BMW-Chef Norbert Reithofer und Audi-Boss Rupert Stadler. Die Außenplätze teilen sich Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes, Arndt Kirchhoff vom gleichnamigen Autozulieferer, Bosch-Chef Volkmar Denner und Porsche-Lenker Matthias Müller.

Die acht Herren in dunklen Anzügen füllen das kleine Podium gänzlich aus, und sie haben eine ungewöhnliche Mission: Denn erstmals ergreifen Spitzenmanager der Automobilindustrie gemeinsam Partei für ein politisches Projekt - sie werben für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA.

Die große Geste für die Fotografen wird rasch abgehandelt

Man wolle ein Ausrufezeichen setzen, drückt es VDA-Präsident Wissmann aus. Die große symbolische Geste handeln die Manager noch schnell vor Beginn der Pressekonferenz ab: Gemeinsam legen Sie ihre Hände auf einen überdimensionalen "Ja zu TTIP"-Schriftzug und lächeln in die Kameras.

Danach gibt sich die Elefantenrunde der deutschen Automobilindustrie vor allem staatstragend und ernst. Wortreich beschwören sie die großen Chancen, die das Abkommen aus Sicht der Automobilindustrie bietet. Doch selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche, der sich sonst bei Reden gerne etwas lockerer gibt, bleibt diesmal unterkühlt.

Dabei hat ihm VDA-Präsident Wissmann die Rolle des Anführers zugedacht. Zetsche geht gleich zu Beginn aufs große Ganze und streicht erstmal die Bedeutung des US-Marktes für die hiesigen Autohersteller heraus. 14 Prozent aller deutschen Pkw-Exporte gehen jährlich in die Vereinigten Staaten, gemessen am Exportwert sind die USA das wichtigste Auto-Ausfuhrland für die Branche.

Störend sind jedoch die mühsamen unterschiedlichen Regulierungen und Vorschriften Im Endergebnis laufen sie oft auf fast identische Sicherheitsnormen hinaus - doch die Autobranche muss dennoch doppelt entwickeln, zertifizieren und beschaffen. Eine gegenseitige Anerkennung der Vorschriften würde beide Seiten voranbringen, wirbt er - und hebt nun langsam die Hand vom Pult. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum würde Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks ein größeres Angebot bescheren.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH