Von Sarah Sommer
Hamburg - Endlich trifft es einmal die anderen, mag sich Toyota-Chef Akio Toyoda dieser Tage denken. Nach der Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie, die den japanischen Automobilkonzern in den vergangenen beiden Jahren den guten Ruf, einige Milliarden Euro und den eben erst errungenen Status als weltgrößter Automobilhersteller gekostet hatte, geraten zum Jahresbeginn 2012 nun die Konkurrenten Volkswagen, BMW und Ford in die Bredouille.
Volkswagen
hat Probleme mit seinen 2,0-Liter-TDI-Dieselmotoren, die in verschiedenen Modellen der Baujahre 2009 bis 2012 verbaut sind. Fast 300.000 VW-Fahrer bekommen deshalb Post aus Wolfsburg: Europas größter Automobilhersteller bittet seine Kunden in die Werkstatt, um defekte Einspritzleitungen der Motoren zu reparieren.
Bei BMW
sind es Probleme mit einer defekten Kühlwasserpumpe, die in 235.000 Minis eingebaut ist - im Extremfall bestehe Brandgefahr, warnt der Konzern. Und US-Konkurrent Ford
musste gerade ausgerechnet während einer großen Auto-Show in Detroit eine halbe Million Minivans und Geländewagen zurückrufen, weil es Probleme mit den Bremsen gibt.
Immer strengere Vorschriften zur Produktsicherheit
Bei den weltweit aktiven Automobilherstellern steigt die Zahl der Rückrufe schnell in Millionenhöhe, wenn sich ein gefährlicher Produktfehler einschleicht. Und es vergeht kaum eine Woche ohne Rückrufaktion: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) gab es allein im Jahr 2010 in Deutschland 185 Rückrufe, 1,19 Millionen Autos waren betroffen. Aber auch außerhalb der Automobilbranche gehören Produktrückrufe zum Alltag.
Europaweit hat sich die Zahl der gemeldeten Rückrufe seit 2004 mehr als vervierfacht. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Produkt Gesundheit oder gar Leben der Verbraucher gefährdet, muss der Hersteller oder Importeur öffentlich warnen und die Produkte vom Markt nehmen - ob es der bakterienbelastete Käse ist, chemikalienverseuchtes Kinderspielzeug oder eben wie kürzlich krebsverursachende Brustimplantate. Die Europäische Kommission hat eigens ein europaweites Schnellwarnsystem (RAPEX) eingerichtet, das über Rückrufe gefährlicher Produkte informiert.
"Die steigenden Rückrufzahlen sind allerdings kein Zeichen, dass es deutlich mehr oder gefährlichere Produktfehler gibt als früher", sagt Burkhard Meyer, auf Produktsicherheitsrecht spezialisierter Anwalt der Kanzlei Schimmelpfennig und Schaarschmidt in Bremen. Vielmehr gebe es seit einigen Jahren immer mehr und immer strengere Vorschriften zur Produktsicherheit, spezielle Kennzeichnungspflichten und eine deutlich aktivere Marktaufsicht. "Der Druck auf die Unternehmen durch Prüfungen der Behörden könnte in den kommenden Jahren noch weiter steigen", sagt der Fachanwalt.
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