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11.04.2011
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Autobranche

VW, Toyota und das Beben

Von Nils-Viktor Sorge

Gigantischer Schaden: Toyota muss mit den Folgen von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe klarkommen
AP

Gigantischer Schaden: Toyota muss mit den Folgen von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe klarkommen

In der Autobranche ist die Frage tabu: Wie stark profitiert Volkswagen von Toyotas Schwierigkeiten aufgrund der Erdbebenkrise? Tatsächlich rücken die Wolfsburger dem Weltmarktführer näher auf die Pelle. Die größten Krisengewinnler sitzen jedoch wohl in den USA.

Hamburg - Ruhe ist in Wolfsburg derzeit oberste Managerpflicht. Bloß kein unpassendes Wort zum drohenden Absturz des wichtigsten Konkurrenten Toyota, heißt die Devise. Der von den Volkswagen-Lenkern lange beschworene Zweikampf zwischen den Deutschen und den Japanern um die Weltmarktführerschaft ruht angesichts von Erdbeben, Tsunami und Nuklearkatastrophe - zumindest rhetorisch.

Dabei verschieben sich die Kräfte gerade merklich. Die Katastrophe hat Toyota Chart zeigen ins Mark getroffen. Erst vier Wochen nach dem Erdbeben fährt das Unternehmen einen Teil seiner Produktionsstätten im Heimatland hoch, die Fertigung in den USA ist wegen fehlender Teile aus Japan akut gefährdet, der Hersteller musste wegen des starken Yen zudem die Preise erhöhen. Auch in Deutschland gibt es Lieferverzögerungen.

In dieser Situation verbietet sich für Volkswagen Chart zeigen jeder Anflug von Freude, dass sich der Marsch an die Weltspitze beschleunigen könnte. Stattdessen spendet Volkswagen für Japan. Beobachter halten die Betroffenheit von Konzernchef Martin Winterkorn für authentisch.

Toyotas Ziele rücken in die Ferne

Faktisch profitiert Volkswagen von Toyotas Problemen jedoch erheblich. Volkswagen hat durch Toyotas Krise Chancen, sind sich Autoexperten einig. Zwar streiten sich Volkswagen und Toyota nur auf wenigen wichtigen Einzelmärkten im direkten Duell um die Pole Position, doch die zu erwartende weltweite Schwächung der Japaner scheint Volkswagen einen zusätzlichen Trumpf in die Hand zu geben.

"Volkswagen könnte Toyota schneller einholen als bisher geplant", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber manager magazin. Das selbst gesteckte Ziel, 2018 an den Japanern vorbeizuziehen, könne bereits zwei oder drei Jahre früher erreicht werden.

In den kommenden sieben Jahren will Volkswagen seinen Absatz auf zehn Millionen von bisher gut sieben Fahrzeuge steigern. Toyota hatte allerdings kurz vor dem Beben die eigene Messlatte nach oben gelegt, und die Zehn-Millionen-Marke bereits auf das Jahr 2015 gelegt.

Dieses Ziel rückt nun in die Ferne. Besonders schwierig ist die Lage für Toyota auf dem wichtigen Heimatmarkt. Auf insgesamt 1,32 Millionen Autos taxiert Dudenhöffer den Nachfrageausfall dort für Toyota für die kommenden fünf Jahre.

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