Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Wissen heißt nicht wissen Zwei Lerntipps für's Blitzmerken

Erinnern Sie sich noch an "Men in Black"? Kurz nachdem Will Smith im Film seinen ersten Aliens begegnet, nackten, Zigarette rauchenden Würstchengestalten, sagt Agent K tiefgründig: "1,500 years ago, everybody *knew* that the Earth was the center of the universe. 500 years ago, everybody *knew* that the Earth was flat. And 15 minutes ago, you *knew* that humans were alone on this planet. Imagine what you'll know tomorrow."

Wissenschaftler gehen davon aus, dass mindestens 50 Prozent des Wissens, das jeder von uns in seinem Kopf hat, nicht mehr gültig ist. Das Problem ist: wir wissen nicht, welche Hälfte noch brauchbar ist und welche nicht.

Gleichzeitig legen wir uns in unseren Köpfen jede Menge Annahmen als Wissen zurecht, ohne diese jemals zu hinterfragen. Kommt also was Neues um die Ecke, sagt unser Scheinwissen Dinge wie: "Ein Start-up, das über Jahre nur Geld ausgibt und keins einnimmt, kann keine Zukunft haben." Es sorgt dafür, dass wir Innovatives zu langsam und ungern in unsere Welt lassen.

In "Men in Black" gibt es das "Blitzdings", ein Tech-Gadget, das Erinnerungen auslöscht. Würden Sie jetzt geblitzdingst, hätten Sie gerade nichts über nackte, Zigarette rauchende Würstchen- Aliens gelesen. Sie würden auch nicht mehr an die Annahme glauben, dass ein Start-up mit Verlusten keine Zukunft hat. Sie wären Ihres Wissens samt aller Annahmen entledigt. Vielleicht ist das die Lösung für mehr Innovation in deutschen Unternehmen: unverzügliches Blitzdingsen aller Unternehmer, Manager und Führungskräfte, wenn was Neues um die Ecke kommt.

Es gibt aber kein Blitzdings und wir stehen uns weiter im Weg.

Und was Innovationen angeht: Das Wissen rund um Tech und Digitalisierung hat eine Halbwertszeit von 18 Monaten. Sprich, die Hälfte von dem, was jemand heute an digitalem Know-how aufbaut, ist in anderthalb Jahren schon wieder digitales No-Go.

Wie soll man denn so lernen? Erstens: Lernen Sie zu verlernen. Der Mensch klebt an alten Wahrheiten, die das Hirn verkleben. Sie erkennen dieses alte "Legacy-Wissen" daran, dass Sie sich im Zusammenhang mit einer Innovation Dinge sagen hören wie "Geht nicht", "Gab's schon" oder "Braucht kein Mensch". Immer wenn Sie sich dabei ertappen, so etwas zu sagen, können Sie entscheiden. Entweder sie glauben weiterhin an die Erde als Scheibe. Oder Sie VER-lernen und nehmen das Neue in Angriff.

Zweitens: Lernen Sie nur das Wesentliche. Lassen Sie alles andere weg. Wesentlich zum Beispiel ist es, zu wissen, was man nicht weiß und wo man das Wissen herbekommt, wenn man es braucht. Das Internet weiß alles, also lernen Sie, es professionell zu durchsuchen. Ein gekonnter Umgang mit Google zum Beispiel bringt Sie zu fantastischen Erkenntnissen, Erleuchtungen und Fundstücken: Sie finden bessere Jobkandidaten, günstigere Einkaufsmöglichkeiten, kaufbereitere Kunden oder einzigartige Markt-Insights.

Letzter und bester Vorschlag: Je mehr man etwas mag, desto leichter verinnerlicht man es. Am besten also Sie verlieben sich in alles Neue. In nackte, Zigarette rauchende Würstchen-Aliens zum Beispiel. Oder besser noch: Verlieben Sie sich in das Internet!

Simone Ashoff ist Gründerin der Good School für digitale Transformation.

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