Dienstag, 24. Mai 2016

Debatte um Selbstmord Zurich-Finanzchef Wauthier schrieb zwei Abschiedsbriefe

Josef Ackermann: Einziger namentlich genannter Manager in Wauthiers Abschiedsbriefen

Der wohl durch Selbsttötung ums Leben gekommene Ex-Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier hat Medienberichten zufolge zwei verschiedene Abschiedsbriefe verfasst - einen an die Familie, einen an den Versicherer selbst. Kritisiert wird darin namentlich nur ein Manager: Josef Ackermann.

Hamburg - Der am vergangenen Montag tot aufgefundene Finanzchef des Schweizer Versicherers Zurich, Pierre Wauthier, hat nach Medienberichten zwei Abschiedsbriefe hinterlassen. Wie das "Handelsblatt" und das Magazin "Focus" am Samstag und Sonntag vorab berichteten, wird in einem der Schreiben der nach dem Tod Wauthiers als Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group zurückgetretene Josef Ackermann als einziger Manager namentlich genannt. Laut "Handelsblatt" ist einer der Briefe an die Familie, der andere an die Zurich-Gruppe gerichtet. Dies hätten mit den Schreiben Vertraute gesagt.

Dem "Handelsblatt" zufolge beklagt der Finanzchef die Gesprächskultur im Konzern, die er nach Angaben von Eingeweihten insgesamt als furchtbar empfunden habe. Es gehe um zwei Zusammentreffen mit Ackermann. Wauthier habe demnach bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im Verwaltungsrat die Einschätzung geäußert, dass die Anleger die Zahlen recht gut aufnehmen würden. Ackermann habe dem widersprochen, was eine Diskussion zur Folge hatte, berichtete das Blatt unter Berufung auf ranghohe Zurich-Kreise.

Der 53-jährige Finanzchef müsse die Unterredung mit Ackermann als besonders verletzend empfunden haben, berichtete "Focus" unter Berufung auf Eingeweihte. Der Brief sei emotional gehalten und beinhalte verschiedene Schuldzuweisungen.

Verwaltungsrat prüft Umgang im Führungsgremium

Bei einer Telefonkonferenz am Freitag hatte Ackermanns Nachfolger Tom de Swaan bestätigt, dass es in einem Abschiedsbrief um das Verhältnis zwischen Ackermann und Wauthier gehe. Ackermann, der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, war seit März 2012 Verwaltungsratschef des Schweizer Zurich-Versicherungskonzerns.

Wauthier war am vergangenen Montag tot in seinem Haus im Kanton Zug aufgefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Am Donnerstag hatte Ackermann überraschend seinen sofortigen Rücktritt als Präsident des Verwaltungsrats von Zurich angekündigt. Er habe "Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag", erklärte Ackermann.

Schweizer Medien hatten schon am Freitag berichtetet, dass sich Wauthier von Ackermann unter Druck gesetzt gefühlt und dies in seinem Abschiedsbrief deutlich gemacht habe. Der Zurich-Verwaltungsrat prüfe derzeit, ob ungebührender Druck auf den Finanzchef ausgeübt worden sei, sagte de Swaan.

Zurich-Chef würdigt Leistungen Wauthiers

Zurich-Chef Martin Senn, hat indes die Arbeit des toten Finanzvorstands Pierre Wauthier gewürdigt. Dieser habe hervorragende Arbeit geleistet. "Er war eine hoch geschätzte Persönlichkeit", sagte Senn der "Neuen Zürcher Zeitung" am Sonntag. Probleme habe er bei dem Manager auch bei einer gemeinsamen Dienstreise kurz vor dessen Selbsttötung nicht erkannt.

Der Tod des Finanzchefs und der Rücktritt des Verwaltungsratsvorsitzenden Josef Ackermann hätten den guten Ruf des Unternehmens aber belastet. "Ich arbeite jetzt daran, dass wir diesen Reputationsverlust, diese Wolke, die sich über das Unternehmen gelegt hat, wieder wegblasen können", sagte Senn.

krk/afp/dpa

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