Samstag, 27. August 2016

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Manager-Performance Zu guter Arbeit gehört Anstand

Beispiel Thomas Middelhoff: Wer auf Firmenkosten den Helikopter nimmt, geht vermutlich auch mit anderen Unternehmensressourcen fahrlässig um.

Manche Manager leben heute nach der Maxime: Macht, was ihr wollt - aber lasst euch nicht erwischen! "Perzeption schlägt Performance" heißt es auch in einer neuen Studie - Hauptsache, die Wahrnehmung stimmt. Dabei gehört Anstand zur Qualität eines Chefs - auch im privaten Umfeld.

"Die sachlich-inhaltlichen Erfolge von Managern werden heutzutage immer häufiger überlagert von der Wahrnehmung der Führungskräfte in Medien und Öffentlichkeit. Gute Arbeit alleine reicht nicht mehr aus." Das ist ein Ergebnis der Studie "Perception beats Performance - woran Manager scheitern" der Unternehmensberatung Roland Berger und des Center of Political Economy. "Am Ende scheint es als wären Managerkarrieren heute sehr viel stärker von Perzeption als von Performance abhängig."

Soll heißen: Die Leistung eines Managers, die sich an Gewinn, Kurs oder Beschäftigungsleistung eines Unternehmens misst, ist heute für den Erfolg des Entscheiders weniger wichtig als seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Der Unterton der Analyse ist klagend, nach dem Motto: Da schuftet sich ein Topmanager schier kaputt, schafft Arbeitsplätze und Börsenwert, und dann reichen ein, zwei negative Artikel in der Zeitung über seinen persönlichen Auftritt und der Entscheider verliert seine Reputation und Position.

Befremdliche Haltung

Diese Haltung ist befremdlich. Jahrelang haben sich nicht nur Akademiker und Medien, sondern auch die Beratungen daran abgearbeitet, den Managern und der Öffentlichkeit beizubringen, dass es nicht reicht, die Shareholder gut zu bedienen, sondern dass gutes Management das Wohl aller Stakeholder - der Mitarbeiter, Lieferanten, der Gemeinden, in denen Produktionsanlagen angesiedelt sind, ja der ganzen Gesellschaft - berücksichtigt.

Seit 2008 vergeht kein Tag, an dem nicht ein Experte darlegt, dass die Ausrichtung der Banken auf reine Gewinnmaximierung übel ist, weil darüber ganze Finanzsysteme ins Wanken geraten können. Auch herrscht weitgehend Einigkeit, dass Umwelt- und Klimaschutz die große Herausforderungen unserer Zeit sind und dass es nicht angeht, saubere Luft, Wasser und Böden dem Gewinnstreben einiger Organisationen und ihrer Anteilseigner zu opfern.

Seit Jahren ist klar, dass weibliche Mitarbeiter nicht als Jagdwild testosteronstarker Alphamännchen im Büro erscheinen, sondern als Arbeitskräfte, die unbelästigt bleiben wollen und gleichermaßen gut gefördert und bezahlt gehören wie ihre männlichen Kollegen.

Das Resultat dieser Überzeugungen ist nun mal, dass Gier, Betrug, Korruption, Steuerhinterziehung, Unfairness, die Manipulation wichtiger Daten, Umweltzerstörung und sexuelle Belästigung durch Topmanager schnell in der Presse landen - und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden - egal, ob das Fehlverhalten im Privatleben oder im unternehmerischen Kontext stattfand. Und das ist auch richtig und gut so.

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