Montag, 18. März 2019

Manager-Performance Zu guter Arbeit gehört Anstand

Beispiel Thomas Middelhoff: Wer auf Firmenkosten den Helikopter nimmt, geht vermutlich auch mit anderen Unternehmensressourcen fahrlässig um.

2. Teil: Ein funktionierendes Unternehmen braucht Werte

Merke: Nicht irgendein abstraktes Unternehmen richtet Schaden an, sondern konkrete Personen, die Entscheidungen treffen. Es ist daher nicht bedauerlich, sondern erfreulich, wenn miserables Benehmen Konsequenzen nach sich zieht, auch wenn es auf den höchsten Ebenen der Unternehmenswelt stattfindet. Wer keinen Anstand hat, muss die Folgen tragen, auch wenn er für seinen Betrieb noch so viel Geld erwirtschaftet.

In einer gesunden Gesellschaft und in einem funktionierenden Unternehmen muss es Werte geben, die unantastbar sind - und das können nicht nur finanzielle Werte sein. Früher nannte man die Voraussetzung für die Übernahme von Verantwortung "persönlichen Anstand": gemeint waren Respekt, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Verhältnismäßigkeit und ein generelles Gespür dafür, was ein Herr - oder eine Dame - tut, und was nicht. Im privaten Bereich ebenso wie als Mandatsträger.

Wer nun klagt, Perception sei heutzutage wichtiger als Performance, sagt implizit: Macht was ihr wollt, aber lasst euch ja nicht erwischen. Solange ihr genug Reichtümer scheffelt, ist alles okay. Und wenn die Berger-Berater nahelegen, den "Performance-Value aktiv zu managen", heißt das im Grunde: Liebe Manager und Banker, Hauptsache, ihr investiert in die besten PR-Leute und Spindoktoren, die ihr finden könnt. Solange das Image okay ist, solange die Fassade stimmt, bleibt alles bestens.

Persönliches Verhalten ist eben auch Performance

Tatsächlich ist es aber doch so, dass persönliches Verhalten eben auch Performance ist. Wer sich Fehlverhalten leistet, das nicht zum Unternehmen passt, leistet eben auch nichts Gutes für sein Unternehmen. Wer im großen Stil Steuern hinterzieht, kann nicht gleichzeitig als ehrlicher Kaufmann ernst genommen werden. Wer als CEO von der massiven Korruption im Unternehmen beim Kampf um Aufträge angeblich nichts mitbekommt, ist entweder zu dumm oder zu verlogen, um Verantwortung für tausende Mitarbeiter zu übernehmen.

Wer ein ehemaliges Pornostarlet als persönliche Assistentin anheuert und sie aus dem Werbebudget des Unternehmens bezahlt, neigt möglicherweise auch bei anderen Besetzungen zu katastrophalen Fehlentscheidungen. Wer auf Firmenkosten den Helikopter nimmt, damit er mit der Dienstlimousine nicht im Stau stehen muss, geht vermutlich auch mit anderen Unternehmensressourcen fahrlässig um.

Gute Arbeit reicht heute nicht mehr aus? Von wegen, gute Arbeit wird immer honoriert. Aber zu guter Arbeit im Unternehmen gehört eben auch persönlicher Anstand.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung