Donnerstag, 25. August 2016

Fusion von RBS und Mazars Auf dem Wirtschaftsprüfermarkt entsteht ein neuer großer Player

Wirtschaftsprüfer: Mazars und RBS bilden gemeinsam künftig die Nummer 8 auf dem deutschen Markt

Bis Ende vorvergangener Woche dauerten die Verhandlungen, anschließend wurde abgestimmt, den vergangenen Freitag verbrachten die Unterhändler beim Notar. Am frühen Nachmittag rechtzeitig vor dem Wochenende, war schließlich der Zusammenschluss dann verbrieft und versiegelt; der deutsche Wirtschaftsprüfermarkt um eine Fusion reicher. Die Protagonisten: Röver Brönner Susat (RBS, gegenwärtig die Nummer zehn am Markt) und Mazars (gegenwärtig die Nummer 13). Sie bilden künftig mit rund 110 Millionen Euro Jahresumsatz die achtgrößte Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft der Republik.

Der Zusammenschluss der beiden mittelgroßen Wirtschaftsprüfungsfirmen, die von den Kartellbehörden noch abgesegnet werden muss, ist die erste sichtbare Folge der Reformen, mit denen der frühere EU-Kommissar Michel Barnier die festgefügte Ordnung unter den Testatfirmen aufbrechen wollte. Künftig müssen börsennotierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen alle zehn Jahre ihren Abschlussprüfer austauschen, lukrative Consultingprojekte als Nebenerwerbsquelle werden eingeschränkt.

Obwohl die Reformen vor allem für mehr Wettbewerb unter den vier dominierenden Gesellschaften PwC, KPMG, EY und Deloitte sollen, haben sie auch für kleinere und mittlere Prüffirmen erhebliche Folgen: Um reformbedingte Mandatsverluste bei den Großkonzernen ausgleichen zu können (bis 2025 müssen 24 von 30 Dax-Konzernen ihren Abschlussprüfer wechseln), wildern die sogenannten Big 4 zunehmend im Revier der mittleren und kleineren Prüffirmen.

Barnier-Reform schüttelt den Markt durch

So verlor Mazars in den vergangenen Jahren die Mandate beim Hamburger Medienhaus Gruner+Jahr, beim MDax-Modekonzern Gerry Weber Börsen-Chart zeigen und beim Puddingkonglomerat Dr. Oetker. RBS kamen die Mandate beim Brillenfilialisten Fielmann Börsen-Chart zeigen und beim Versicherungsunternehmen Hanse Merkur abhanden. "Viele der mittleren und kleineren Spieler werden sich deshalb zusammenschließen oder das internationale Testatgeschäft völlig aufgeben und sich ausschließlich auf das Consulting- und Steuerberatungsgeschäft konzentrieren", erwartet Bernhard Pellens, Bilanzprofessor an der Ruhr-Universität in Bochum. Marktkenner schätzen, dass in den kommenden Jahren die Hälfte der Gesellschaften, die den Big 4 auf den Plätzen 5 bis 25 folgen, durch Fusionen und Übernahmen verschwinden werden.

Die Mazars-Partner, die vor ein paar Jahren noch die Wirtschaftsprüfer von Haarmann Hemmelrath übernommen hatten, waren vom Abrieb besonders betroffen: Zwischen 2011 und 2014 sank der Umsatz um rund ein Viertel von 43 Millionen auf 31,5 Millionen Euro. Als Partner ist die deutsche Niederlassung des französischen Prüfkonzerns (Mazars betreut immerhin noch 14 Mandate im Pariser Leitindex CAC40) aufgrund des internationalen Netzwerks der Muttergesellschaft dennoch interessant. RBS, die im gleichen Zeitraum ihr Umsatzvolumen von knapp 76 auf rund 80 Millionen Euro steigerten, erhoffen sich von dem Zusammenschluss vor allem, dass sie ihr mittelständisches Klientel besser als bislang bei dessen internationaler Expansion bedienen können. Die fusionierte deutsche Gesellschaft (rund 1000 Mitarbeiter in 12 Standorten), wird deshalb auch Teil des internationalen Mazars-Netzwerks.

Strategisch will die neu formierte Gesellschaft vor allem im Bereich Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen wachsen und hofft auf diesem Weg von den Barnier-Reformen des Prüfermarktes zu profitieren. Dieses Kalkül beruht vor allem auf der spezifisch deutschen Konstellation in diesem Segment. In der Finanzdienstleistungsbranche kommen KPMG und PwC auf Marktanteile von über 90 Prozent - viele ihrer Kunden müssen sich von den beiden Giganten trennen. "Wir glauben," sagt RBS-Vormann Jost Wiechmann: "dass wir vor allem den kleinen und mittleren Banken und Versicherungen, die keine Lust auf die Maschinerie der großen Prüfkonzerne haben, einiges bieten können."

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