Donnerstag, 8. Dezember 2016

Wette gegen die Short-Seller Wirecard-Chef kauft Aktien im Wert von 8 Millionen Euro

Markus Braun: Der Wirecard-Chef gab binnen zwei Tagen knapp 8 Millionen Euro für Aktienkäufe aus, um den Kurs der Aktie zu stabilisieren und Shortsellern in die Suppe zu spucken
picture alliance / Jan Haas
Markus Braun: Der Wirecard-Chef gab binnen zwei Tagen knapp 8 Millionen Euro für Aktienkäufe aus, um den Kurs der Aktie zu stabilisieren und Shortsellern in die Suppe zu spucken

Kurz nach dem heftigen Kurssturz infolge eines dubiosen Berichts im Internet legt Wirecard-Chef Markus Braun bei seinen Aktienkäufen weiter nach. Am Donnerstag erwarb er über seine Beteiligungsgesellschaft weitere 100.000 Anteile des Unternehmens für 3,6 Millionen Euro, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Pflichtmitteilung des Unternehmens hervorgeht.

Braun hatte bereits am Mittwoch unmittelbar nach der Veröffentlichung des Berichts mit Vorwürfen über die Geschäftspraxis einer fragwürdigen Quelle 120.000 Aktien für 4,3 Millionen Euro gekauft. Insgesamt hat Braun damit knapp 8 Millionen Euro binnen zwei Tagen für Aktienrückkäufe aufgewendet.

Wirecard hatte die in dem Bericht aufgeführten Vorwürfe deutlich zurückgewiesen und rechtliche Schritte eingeleitet. Experten sprachen von einer gezielten Attacke, um mit fallenden Kursen Geld zu verdienen.

Firmenchef ist größter Einzelaktionär mit Anteil von 7 Prozent

Braun ist seit Anfang 2002 Vorstandschef der Wirecard AG. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder Aktien des Unternehmens gekauft und ist seit einiger Zeit einer der größten Aktionäre. Mit den Zukäufen der vergangenen zwei Tage hält er rund 7 Prozent des an der Börse mit rund 4,7 Milliarden Euro bewerteten Unternehmens. Das Aktienpaket von Braun ist damit fast 329 Millionen Euro wert.

Der Kurs der Aktie erholte sich am Freitagvormittag weiter von dem heftigen Rückschlag am Mittwoch. Das Papier legte am Vormittag bis zu 4,12 Prozent auf 38 Euro zu baute damit die Gewinne vom Donnerstag aus.

Seit dem am Mittwoch zwischenzeitlich erreichten Tief verteuerte sich das Papier wieder um rund 20 Prozent.

Wiederholt Ziel von Leerverkäufern

Wirecard war in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Anlegern, die auf sogenannte Leerverkäufe setzen. Dabei leihen sie sich die Papiere, um sie sofort wieder zu verkaufen und setzen darauf, dass sie die Anteile billiger zurückkaufen können. Die Differenz ist dann der Gewinn. Zuletzt hatten Händler Anfang Februar von einer solchen "Short-Attacke" gesprochen, als Berichte über einen Systemausfall für Unsicherheit gesorgt hatten.

Der aufsehenerregendste Angriff gegen Wirecard war im Sommer 2008 eine Untersuchung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) über angeblich irreführende Bilanzierungsmethoden. Wirecard hatte diese über ein Sondergutachten von Ernst & Young entkräftet. Zudem wurde bekannt, dass einige SdK-Mitglieder auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt hatten. Zwei Jahre danach sorgte eine Falschmeldung eines Internetportals für heftige Kursverluste.

Langfristig haben die immer wieder auftauchenden Attacken, Gerüchte und Spekulationen den Aufschwung des Unternehmens am Aktienmarkt nicht geschadet. In den vergangenen zehn Jahren legte der Kurs trotz der jüngsten Verluste rund 1500 Prozent zu.

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la/dpa

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