Sonntag, 25. September 2016

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Wirtschaftsethik Von der Versuchung, "fünf gerade" sein zu lassen

"Gefangenendilemma": Was machen Sie, wenn Sie befürchten müssen, dass Ihre Wettbewerber davonziehen, weil Sie keine "Gefälligkeiten" gewähren?

Wilhelm Bonse-Geuking war einer der einflussreichsten deutschen Energiemanager, zuletzt als Aufsichtsratschef des Chemiekonzerns Evonik. Inzwischen warnt der heute 72-Jährige vor den Versuchungen der Korruption - wie etwa in einem Vortrag in der Hochschule für Philosophie in München, den wir hier leicht gekürzt dokumentieren.

Gleich vorweg: Spätestens seit der Finanzkrise 2008, eigentlich aber schon seit der Diskussion in den 90er Jahren über shareholder und stakeholder value, herrscht in der Öffentlichkeit mehr und mehr die Auffassung, die Familienunternehmer seien die besseren Manager: Familienunternehmer denken langfristig, arbeiten mit eigenem Geld, lassen sich nicht von der Börse treiben, stehen zu ihren sozialen Pflichten.

Ich möchte es gegebenenfalls unserer Diskussion überlassen, ob angestellte Manager die weniger guten Unternehmer sind. Für meinen Vortrag gilt: ich mache hier keinen Unterschied zwischen Familienunternehmern und Managern; Unternehmer sind beide und beide sind Thema meines Vortrags.

Ich werde mich mit folgenden Fragen befassen

  • Was ist ein Unternehmer und was treibt ihn an?
  • Mit welchen Konflikten sieht er sich aus ethischer Sicht konfrontiert? Hierzu werde ich einige Beispiele aus der selbst erlebten bzw. beobachteten Praxis bringen.
  • Wann ist man ein guter Unternehmer?

Was ist ein Unternehmer und was treibt ihn an?

Unternehmer kommt von unternehmen. Das Wort ist vieldeutig. Ein Unternehmer investiert und riskiert damit sein und/oder anderer Leute Geld. Man unternimmt allerdings auch eine Reise. Beides ist in die Zukunft gerichtet und die Zukunft ist immer unsicher.

Wenn man eine Reise unternimmt, sind die Risiken überschaubar. Vor allem: In aller Regel bekommt man für sein Geld nach kurzer Zeit die vertraglich vereinbarte Leistung. Sonst wäre Deutschland wohl nicht Reisevizeweltmeister.

Es ist also populär, eine Reise zu unternehmen; Unternehmer hingegen verlieren von Jahr zu Jahr weiter an Ansehen, obwohl sie die Träger und Treiber unserer Volkswirtschaft sind und beträchtliche, mitunter sogar existenzielle Risiken eingehen.

Der Unternehmer geht finanziell immer in Vorlage, kauft, investiert, stellt Mitarbeiter ein und - das muss betont werden - es dauert geraume Zeit, meist Jahre, bis sich das Geld verzinst und es dauert noch länger, bis es zurückkommt, - wenn überhaupt.

Der Unternehmer ist sich bewusst, dass er nicht alle Risiken kennt und einschätzen kann. Deshalb reagiert er reflexartig ablehnend auf alles, was seine Risiken erhöht, zusätzliche Mittel erfordert, die an anderer Stelle fehlen, - vor allem, wenn seine Wettbewerber davon verschont bleiben. Das gilt für alle Belastungen,- ob Steuererhöhungen, Umweltauflagen oder moralische Forderungen.

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