Dienstag, 28. Juni 2016

Martin Shkreli Wie dieser Pharma-CEO zum meistgehassten Mann der USA wurde

Verteidigt seine Geschäftspraxis bei Bloomberg: Turing-CEO Martin Shkreli
bloomberg.com
Verteidigt seine Geschäftspraxis bei Bloomberg: Turing-CEO Martin Shkreli

"Aus dem Weg, Walter Palmer. Es gibt einen neuen Anwärter auf den Titel des meistgehassten Mannes des Internets."

Folgt man dem britischen Independent, so hat ein junger Pharma-CEO aus den USA tatsächlich Walter Palmer, den jagenden Zahnarzt und Schützen des Löwen Cecil, vom Spitzenplatz der Wanted-Liste des Internets verdrängt: Als Verkörperung exorbitant hoher Medikamentenpreise. Auch CNN Money nennt Martin Shkreli den "meistgehassten Mann in Amerika".

Shkreli, ein ehemaliger Hedgefonds-Manager Anfang 30, hat mit seinem Unternehmen Turing vor kurzem die Rechte an Daraprim gekauft, einem Medikament, mit dem die gefährliche Infektionskrankheit Toxoplasmose behandelt wird. Ende vergangener Woche hat Turing den Preis pro Dosis mehr als verfünfzigfacht - von 13,50 Dollar auf 750 Dollar.

Shkreli hat diese Entscheidung mittlerweile teilweise zurückgenommen. Zuvor hatte er sie allerdings massiv verteidigt: Während er auf Bloomberg TV noch versucht, seine Entscheidung damit zu rechtfertigen, dass Daraprim immer noch günstiger als vergleichbare Produkte sei und die höheren Preise künftige Forschung finanzierten, wird er auf Twitter ausfallend.

Shkreli schießt zurück - mit Eminem

Einen Journalisten, der von ihm einen Grund für den Preisanstieg erfragt, bezeichnet er als Idioten ("moron"). Kritische Tweets beantwortet er mit einem Stinkefinger-Zitat aus einem Lied des US-Rappers Eminem. Shkreli selbst hat seine Tweets mittlerweile verbergen lassen - verschiedene Medien haben sie jedoch bereits dankbar aufgegriffen.

Aufgebracht hat Shkreli damit jedoch nicht nur die Netzgemeinde; auch Hillary Clinton hat sich zu Turings Geschäftsgebaren geäußert. Die US-Präsidentschaftsbewerberin kündigte an, sie wolle im Falle eines Wahlsiegs die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente für chronisch Kranke bei 250 Dollar pro Monat deckeln. Biotech-Papiere gaben daraufhin an US-Börsen massiv nach - laut "Financial Times" verloren sie allein am Montag 38 Milliarden Dollar an Börsenwert. Valeant, ein Unternehmen, das ebenfalls für steile Preisanstiege bekannt sei, hat laut FT seit Wochenbeginn über 10 Prozent an Aktienwert verloren.

Shkreli hat damit via Clinton auch den Unmut seiner eigenen Branche auf sich gezogen: Brent Saunders, CEO des Pharmaherstellers Allergan, sagte, es sei niemals gut, wenn "irgendwer in deiner Branche etwas Rücksichtsloses tut".

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