Dienstag, 12. Dezember 2017

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Joghurthersteller massiv angefeindet Wie ein Joghurthersteller zum Schlachtfeld im US-Wahlkampf wurde

Hamdi Ulukaya: Der Gründer des Joghurt-Herstellers Chobani, der einst selbst als Immigrant in die USA kam, will mit seiner Tent Foundation die Situation von Flüchtlingen verbessern, stößt damit allerdings bei Trump-Anhängern auf wenig Gegenliebe.

Hamdi Ulukaya widerspricht optisch so ziemlich jedem Klischee, das man typischerweise von einem erfolgreichen Großunternehmer hat. Seine struppigen grauen Locken stehen in alle Himmelsrichtungen ab, das Gesicht schmückt meist ein Dreitagebart. Und auch Krawatten gehören ganz offensichtlich auch nicht zur großen Leidenschaft des amerikanischen Joghurtunternehmers.

Dennoch ist Ulukaya das beste Beispiel dafür, dass der amerikanische Traum "vom Tellerwäscher zum Millionär" - genauer gesagt zum Milliardär - auch heute noch möglich ist.

2005 kauft der Einwanderer aus der Türkei mit Hilfe eines regierungsgestützten Kredites eine stillgelegte Joghurtfabrik des Konsumgüteriesen Kraft. Und schaffte daraus einen mittlerweile 5 Milliarden Dollar schweren US-Joghurtriesen mit mehr als 2000 Beschäftigten und zuletzt fast 20 Prozent Marktanteil.

Dabei setzt der kurdischstämmige Ulukaya stark auf den Einsatz von Immigranten und Geflüchteten. Richtete für diese sogar einen Fahrservice ein, der diese von den Wohnheimen zur Fabrik brachte. Und organisierte Übersetzer.

Auch sonst sorgte Ulukaya mit seinem womöglich gut kalkuliertem aber nichtsdestotrotz sozialen Engagement für Schlagzeilen:

Er führte - für die USA außergewöhnlich - sechs Wochen bezahlte Elternzeit ein, gründete eine Stiftung, die Tent Foundation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebenssituation von Geflüchteten zu verbessern. Er schloss sich dem "Giving Pledge" an, dessen Unterzeichner versprechen, entweder noch zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod die Mehrheit ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Und verschenkte zuletzt auch noch zehn Prozent seines Unternehmens an seine Beschäftigten.

Mit seinen Aktionen verschaffte Ulukaya zwar einer Menge Geflüchteten eine Lebensgrundlage, machte sie für den amerikanischen Staat zu wertvollen Steuerzahlern und schaffte damit etwas, mit dem sich viele Unternehmen, hier in Deutschland noch schwer tun.

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