Dienstag, 6. Dezember 2016

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Abwertungswettlauf - Pekings Reaktion auf Draghi und Abenomics Killt China den Euro?

Euro-Münze: Japan will durch eine deutliche Abwertung des Yen die eigene Wirtschaft aus der Stagnation befreien. Die EZB sieht in einem schwachen Euro die Lösung für die Eurokrise sieht. Nun reagiert China - und setzt seinerseits auf eine Abwertung der eigenen Währung

Vorweg geschickt: es ist nicht Chinas Interesse, den Euro zu killen. Im Gegenteil liegt den Chinesen viel am Euro, vor allem einem starken Euro. Denn nur dann kann China weiterhin so viel nach Europa verkaufen. Jedes Auto "Made in Germany" ist aus Sicht der politischen Planer in Peking eines zu viel.

Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass Italien den Euro killen wird, aber erst nach der nächsten schweren Rezession. Ich habe hier vor zwei Wochen ausgeführt, warum Italien der erste Kandidat für einen Euroaustritt ist und selbst wenn Frankreich in einer ähnlich schweren Lage ist, wird die Staatsräson einen solchen Schritt in Frankreich verhindern.

Doch nun zur Rolle Chinas. Um diese zu verstehen, müssen wir die Eurokrise in den Gesamtkontext der überschuldeten Weltwirtschaft stellen. Wie McKinsey im Frühjahr vorgerechnet hat, steigen die Schulden von Staaten und Privaten weltweit in ungebremsten Tempo und deutlich schneller als die Wirtschaftsleistung.

Damit setzt sich ein Trend fort, der seit Mitte der 1980er Jahre unser Wirtschaftssystem bestimmt. Im Versuch fehlende Nachfrage zu kompensieren, wird immer mehr mit Schulden gearbeitet. Der überwiegende Teil der neuen Schulden dient Konsum, Spekulation und dem Kauf vorhandener Assets, wie Aktien (Rückkäufe, M&A) und Immobilien, nicht der Investition in neue Kapazitäten und Technologien. Das Hin- und Her-Verkaufen von vorhandenen Assets steigert jedoch nur die (Schein)Vermögen und Schulden in einer Volkswirtschaft, nicht das langfristige Produktionspotential, welches über das Wachstum entscheidet.

Daniel Stelter
2009 kam es zu einer kurzen Unterbrechung dieses Aufschuldungsprozesses in Europa und den USA. Die Vermögenspreise fielen und offenbarten die Tatsache, dass sie ohne die enorme Verschuldung deutlich weniger Wert waren. Um einen völligen Kollaps des Systems zu verhindern, senkten die Notenbanken die Zinsen auf historische Tiefs und die Staaten machten weiter Schulden.

In praktisch allen Ländern außer Deutschland liegen die Schulden von Privaten und Staaten über dem Niveau von 2009. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, eine große Depression zu verhindern.

Da die Probleme jedoch nicht gelöst, sondern in den letzten Jahren vergrößert wurden, wächst die Angst der Welt vor der nächsten Rezession.

China exportiert Deflation - Peking startet Verschuldungsboom

Und hier kommt nun China ins Spiel. Wie an dieser Stelle bereits beschrieben, hat China aus eben dieser Angst im Jahre 2009 die vorhandenen Ungleichgewichte massiv verstärkt. Um die eigene Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren, wurde ein historisch einmaliger Verschuldungs- und Investitionsboom gestartet. Die Verschuldung vervierfachte sich innerhalb von sechs Jahren auf 28 Billionen US-Dollar und wie bei jedem Verschuldungsboom waren erhebliche Fehlinvestitionen die Folge.

Rund 6 Billionen US-Dollar dürften in den Sand gesetzt worden sein, in Form von Städten ohne Bewohnern und Fabriken ohne Nachfrage. Die Folge der erheblichen Überkapazitäten ist in einer staatlich gelenkten Wirtschaft nicht anders als bei uns: die Preise fallen. Verschuldete Unternehmen schauen nicht mehr auf den Gewinn, sondern auf den Cash-Flow.

Alles was Geld in die Kassen spült, ist willkommen. So fallen die Preise auf Produzentenniveau in China seit 40 Monaten. Da zugleich die Zinsen bei rund sechs bis acht Prozent liegen, zahlen chinesische Unternehmen vermutlich den höchsten Realzins der Welt. Mehr braucht es nicht, um ein Land in eine tiefe Krise zu stürzen.

Dazu wird es in China vorerst nicht kommen. Die Notenbank kann die Zinsen noch deutlich senken und Devisenreserven mobilisieren. Dennoch ist die auf rund 800 Milliarden Dollar alleine in den ersten sechs Monaten diesen Jahres geschätzte Kapitalflucht ein erhebliches Warnsignal. Die Bevölkerung, vor allem die Vermögenden aus dem Umfeld der Partei, glauben nicht mehr an die Fortsetzung des Booms.

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