Dienstag, 26. März 2019

Abu Dhabi investiert in deutsches InsurTech Wefox sammelt Rekordsumme ein

Julian Teicke, Gründer und CEO von Wefox
Luca Fasching/wefox
Julian Teicke, Gründer und CEO von Wefox

Das deutsche Versicherungs-Start-Up Wefox hat in seiner dritten Finanzierungsrunde über 110 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld kommt unter anderem aus dem Staatsfonds von Abu Dhabi.

Es ist die größte Investmentrunde für ein Insurtech, wie die Versicherungs-Start-ups genannt werden. Umgerechnet 110 Millionen Euro (rund 125 Millionen Dollar) sammelt das Berliner Start-up Wefox in der Series-B-Runde ein - eine Rekordsumme. Bislang konnten nur drei deutsche Fintechs (N26, Kreditech, Raisin) mehr einsammeln.

Größter Kapitalgeber ist der Staatsfonds aus Abu Dhabi Mubadala, welcher zusammen mit dem japanischen Investment-Riesen Softbank den European Ventures Fund gründete. Wefox ist das erste Investment des Fund. Ebenfalls beteiligt sind unter anderem Creditease und Goldman Sachs. Und auch die Bestandsanleger hätten ihre Investitionen erhöht, wie Teicke dem Handelsblatt sagt.

Das Insurtech mit Sitz in Berlin wurde Ende 2014 in der Schweiz von Julian Teicke gegründet. Der 32-Jährige, der in der Schweiz auch Dein Deal gründete und später verkaufte, hat großes vor mit seinem Insurtech. Noch im kommenden Jahr soll Wefox neben Deutschland, Schweiz und Österreich auch in den Niederlanden und Frankreich aktiv werden. In Italien und Spanien läuft bereits jetzt die Testphase. Das 18-Monats-Ziel ist Asien. Dabei soll der ebenfalls neue Investor Creditease helfen. Außerdem sei sowohl eine Reise-, als auch Ski- und Fahrrad-Unfallversicherung geplant, wie Julian Teicke bekannt gibt.

Anders als andere Insurtechs vereint die Wefox Group drei Geschäftsmodelle: ein digitaler Marktplatz (Wefox ist hier Makler), ein Erstversicherer (One), sowie eine Vertriebsplattform (Nexus). Mit dieser Kombination erwirtschaftete die Wefox Group nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 40 Millionen Dollar Umsatz, davon entfallen 90 Prozent auf Wefox. Das Unternehmen mit 200 Mitarbeitern und 400.000 Kunden ist damit nach eigenen Angaben führend in Europa.

Rund die Hälfte des eingesammelten Kapitals sollen in den Ausbau des digitalen Versicherungsmarktplatzes fließen. Nach Informationen von Gruenderszene soll es einen zweiten Teil der Finanzierungsrunde geben, welche ursprünglich auf 160 Millionen Euro anvisiert war.

Aufgrund eines Rechtsstreits mit dem amerikanischen Konkurrenten Lemonade, bei dem auch Softbank investiert ist, dauerte die Finanzierungsrunde länger als geplant. Lemonade hatte Wefox wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Am Ende lenkte Wefox ein und änderte das Design, die Klage wurde fallen gelassen.

In den voran gegangenen Seed- und Series-A-Investmentrunden hatte Wefox bereits 35 Millionen Dollar einsammeln können. Hinzu kommt ein 100 Millionen Euro hohes Darlehen. Insurtechs sind laut Experten nach Fintechs, also Finanz-Start-ups, für Investoren mittlerweile sehr attraktiv.

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