Samstag, 18. November 2017

Verantwortung Was ein Kondomhersteller von Warren Buffett lernte

Entrepreneur's pledge: Ein Eid für verantwortliche Unternehmer
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Vladiglobe Ventures

Er ist fast eine Kopie des "giving pledge" von Warren Buffett - aber nur fast. Während es Buffett auf finanzielle Verantwortung ankommt, geht es beim "entrepreneur's pledge" eines deutschen Kondomherstellers um unternehmerische Verantwortung - ein Eid, der besonderen Art.

Hamburg - Warren Buffett ist aus vielerlei Gründen ein vielbeachteter Mann. Er ist unglaublich reich und vermutlich einer der berühmtesten Männer der Welt. Waldemar Zeiler ist beides nicht. Trotzdem eint ihn etwas mit dem Altmeister der Geldanlage. Denn beide haben einen schriftlichen Eid geleistet.

Bei Buffett war es der "giving pledge", der Superreiche zu Spenden aufruft. Immerhin werden Superreiche in den USA, so deren eigene Wahrnehmung, nicht ausreichend besteuert und kommen damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nach. Bei Zeiler, Chef der Kondomfirma Einhorn, zielt der Schwur in eine andere Richtung. Es geht nicht um finanzielle Verantwortung, sondern um die des Unternehmers. Festgehalten auf einer DIN-A-4-Seite des "entrepreneur's pledge".

mm: Herr Zeiler, ein Eid der Unternehmer - wie kommts?

Zeiler: Philip Siefer und ich haben uns oft über den negativen Impact vieler alltäglicher Produkte unterhalten und uns gefragt, wie man das als Unternehmer ändern kann beziehungsweise ob es überhaupt möglich ist, nachhaltig zu wirtschaften und trotzdem profitabel zu sein und zu wachsen.

mm: Und?

Zeiler: In Gesprächen mit vielen anderen Unternehmern haben wir bemerkt, dass dieses Thema nicht nur uns sondern viele weitere Unternehmer beschäftigt und viele sich gerne der Verantwortung stellen würden. Daraufhin haben wir eher als Test einfach den Pledge vorgelegt und waren überrascht wie viele Unternehmer sich dieser Bewegung sofort angeschlossen haben.

mm: Wie "groß" soll er werden?

Zeiler: Theoretisch so groß, bis wir alle verantwortungsvollen und mit skalierbaren Geschäftsmodellen erfahrenen Unternehmer vereint haben. Realistisch schätze ich, dass wir in den nächsten Jahren weltweit bis zu 10.000 Unternehmer gewinnen könnten.

mm: Wie wäre Ihre Vision, vielleicht sogar die erträumte Vision - jedes Unternehmen in Deutschland unterzeichnet so einen Schwur?

Zeiler: Theoretisch ja. Träumerisch sollte es eigentlich gar keinen Unterschied geben zwischen "Social Entrepreneurship" und "Entrepreneurship" allgemein. Ehrbare Kaufmänner & -Frauen, die sich ihrer Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt bewusst sind, wären grandios. Leider öffnet die Globalisierung und der alleinige Fokus vieler Konzerne auf Optimierung des shareholder's value viele Lücken, die wir mit dem Pledge schließen wollen.

mm: Wie bindend ist so ein "pledge" eigentlich?

Zeiler: Beide Eide sind rein moralische "commitments", um ein Zeichen zu setzen und um andere zum Mitmachen zu inspirieren. Unser "pledge" bezieht sich auf eine zukünftige Gründung und nicht auf das aktuelle Unternehmen, da die meisten CEO's aufgrund ihrer aktuellen Gesellschafterstruktur 50 Prozent der Profite nicht einfach im nachhinein abführen können.

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