Dienstag, 27. Juni 2017

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Buffett kritisiert Trump - und Wells Fargo "Riesige Steuersenkung für reiche Leute wie mich"

Berkshire Hathaway: Buffett-Starkult in Omaha
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REUTERS

Der Großinvestor und Demokrat Warren Buffett hat die Pläne Pläne von US-Präsident Donald Trump zum Umbau des Gesundheitssystems als Steuererleichterung für Reiche bezeichnet. Wären die geplanten Regelungen der Republikaner bereits in Kraft, hätte er dem Bund im vergangenen Jahr 17 Prozent weniger Steuern gezahlt, sagte der viertreichste Mann der Welt am Samstag auf der Hauptversammlung seiner Investment-Gesellschaft Berkshire Hathaway. "Das ist also eine riesige Steuersenkung für Leute wie mich." Bei einer Reduzierung der Steuerlast in diesem Ausmaß steige entweder das Staatsdefizit oder die Steuern würden für andere Bürger erhöht.

Der Milliardär warnte zudem vor den Folgen der steigenden Gesundheitskosten für die USA, die wie ein "Bandwurm in Amerikas wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit" wirkten. Buffett hatte im Wahlkampf die unterlegene Demokratin Hillary Clinton unterstützt. Das Repräsentantenhaus hatte am Donnerstag mit knapper Mehrheit einen umstrittenen Entwurf zum Umbau von Obamacare verabschiedet, der Gesundheitsreform von Trumps Vorgänger Barack Obama. Ob das Vorhaben auch im Senat eine Mehrheit bekommt, ist ungewiss.

Buffett - genannt "Das Orakel von Omaha" - steht seit über 50 Jahren an der Spitze seiner Firma Berkshire, die in Omaha in Nebraska ihren Sitz hat. Das Unternehmen mit einem Marktwert von 411 Milliarden Dollar ist unter anderem in der Versicherungs-, Energie-, Bahn-, Nahrungsmittel-, Bekleidungs- und Immobilienbranche aktiv. Die Hauptversammlung gilt als großes Spektakel, Zehntausende Aktionäre sind dabei. An den Finanzmärkten werden die Äußerungen des Investors genau unter die Lupe genommen.

Scharfe Kritik an Wells Fargo - Berkshire hält 10 Prozent

Auf dem Aktionärstreffen kritisierte Buffett auch die ehemalige Führung der US-Bank Wells Fargo für ihren Umgang mit dem Phantomkonten-Skandal scharf. Die Bank soll über Jahre rund zwei Millionen Konten ohne Kundengenehmigung eröffnet haben. "Gibt es ein dickes Problem, wird der Chef davon Wind bekommen. Und in dem Moment (...) muss er handeln", sagte der 86-Jährige. Der damalige Bankchef John Stumpf habe das Problem nicht schnell genug gelöst. Die neue Führung von Wells Fargo wird von Buffett hingegen gestützt. Berkshire hält etwa 10 Prozent an dem Institut, der Anteil ist etwa 27 Milliarden Dollar wert. Stumpf hatte wegen der Affäre seinen Hut genommen. 5300 Mitarbeiter wurden entlassen.

Anteil an IBM verringert

Am Donnerstag hatte Buffett zudem bekanntgegeben, dass er ein Drittel seiner Anteile an dem schwächelnden IT-Konzern IBM verkauft hat. Berkshire halte aber immer noch über 50 Millionen IBM-Aktien. Auf der Hauptversammlung sagte er nun, er habe falsch gelegen, als er bei seinem Einstieg in die Firma vor sechs Jahren eine bessere Entwicklung des Konzern vermutet habe.

Überschuss von Berkshire geht zurück

Zuvor hatte Buffett die Quartalszahlen für Berkshire vorgelegt. Der Überschuss der Firma ging um 27 Prozent auf rund vier Milliarden Dollar zurück. Allerdings war in der Vergleichszahl ein einmaliger Kapitalgewinn von 1,9 Milliarden Dollar enthalten. Das operative Ergebnis sank um 5 Prozent auf 3,56 Milliarden Dollar. Grund war unter anderem ein defizitäres Versicherungsgeschäft aufgrund diverser Naturkatastrophen.

"Wir haben Coca Cola und United Airlines sehr gerne"

Auch andere umstrittene Investments - bei United Airlines, aber auch American Express und Coca-Cola - verteidigte Buffett. Die Unternehmen hätten zwar derzeit Schwierigkeiten, "aber wir mögen sie sehr gerne", betonte er. "Wir haben die Aktien nicht in der Annahme gekauft, dass sie nie Probleme haben werden." Aber auch bei Berkshire Hathaway selbst lief es zu Jahresbeginn nicht so rund wie gewohnt. Verglichen mit dem Vorjahreswert fiel der Überschuss im ersten Quartal um 27 Prozent auf 4,06 Milliarden Dollar (3,7 Mrd Euro).

Zu Buffetts Konglomerat gehören über 80 Firmen - von Versicherern, Einzelhandelsgrößen und Autohäusern bis hin zu Zeitungen und einer Frachteisenbahn. Zuletzt machte vor allem das Versicherungsgeschäft um den US-Branchenriesen Geico Probleme. Zudem hält Berkshire Hathaway große Aktienanteile an diversen börsennotierten Konzernen wie Apple , Goldman Sachs oder Kraft Heinz .

Berkshire Aktie mit plus 16 Prozent binnen 12 Monaten

Der Aktienkurs von Berkshire Hathaway ist in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 16 Prozent gestiegen - damit hinkte das Papier allerdings zuletzt der Entwicklung des Dow Jones hinterher.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet gesehen liefen die Aktien des Unternehmens allerdings deutlich besser als der US-Standardwerteindex. So stieg der Kurs der legendären A-Aktie, die am Freitag den Handel mit einem Kurs von exakt 250.000 Dollar beendete, in den vergangenen 30 Jahren um rund 8500 Prozent und überflügelte damit den Dow Jones Börsen-Chart zeigen um ein Vielfaches.

Auch bei der Betrachtung über zehn oder zwanzig Jahre liegt Buffetts Unternehmen mit Aufschlägen von knapp 90 beziehungsweise rund 530 Prozent deutlich vorne. Da die A-Aktie bereits seit Mitte der Neunziger Jahre im fünfstelligen Bereich notierte, gibt es seitdem B-Aktien, die zuletzt etwas mehr als 166 Dollar kosteten und damit für alle Anleger zugänglich sind.

Zusammen kommen beide auf einen Börsenwert von rund 411 Milliarden Dollar. Buffett selbst hält nach Bloomberg-Angaben noch rund 38 Prozent der rund 769.000 A-Papiere. Buffetts Anteil war damit zum Freitagschlusskurs rund 74 Milliarden Dollar wert. Er zählt deshalb zu den reichsten Menschen der Welt.

la/dpa/reuters

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