Dienstag, 25. September 2018

Vodafone greift nach Unitymedia Eine Fusion, die den Wettbewerb stärkt

Unitymedia-Zentrale in Köln

Mit der geplanten Übernahme von Unitymedia will Vodafone einen deutschlandweit agierenden Kabelnetzbetreiber schaffen. Der Deal sorgt für heftige Diskussionen, der Hauptwettbewerber Deutsche Telekom findet ihn "völlig inakzeptabel". Dabei ist er kartellrechtlich völlig unbedenklich.

Konkurrenten, allen voran die Deutsche Telekom, befürchten, dass Vodafone eine Monopolstellung im deutschen Fernsehkabelmarkt erlangt, wenn das Unternehmen seinen bisher größten Wettbewerber Unitymedia kauft. Aber stimmt das wirklich? Vodafone betreibt schon heute das TV-Kabelnetz in 13 Bundesländern, seit der Konzern 2014 Kabel Deutschland übernommen hat. In den drei verbleibenden Bundesländern - Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen - ist das Kabelfernsehen hingegen in der Hand von Unitymedia. Die Netzgebiete der beiden Unternehmen sind also ziemlich strikt voneinander getrennt. Wo Vodafone aktiv ist, können Kunden kein Kabel-TV von Unitymedia beziehen - und umgekehrt.

Justus Haucap
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    Justus Haucap ist Professor für Volkswirtschafts-lehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Gründungsdirektor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und war bis 2012 Vorsitzender der Monopolkommission.

Das heißt: Die beiden Unternehmen stehen gar nicht im Wettbewerb um dieselben Kunden. Dasselbe gilt für Internetzugänge: Momentan haben die Bürger, je nach Wohnort, entweder die Wahl zwischen der Telekom, Vodafone und gegebenenfalls anderen regionalen und überregionalen Anbietern. Oder sie können zwischen der Telekom, Unitymedia und den anderen Anbietern entscheiden. Eine Wahl zwischen Vodafone und Unitymedia haben die Kunden nirgends, weil die Anbieter in unterschiedlichen Regionen aktiv sind. Wie soll der Wettbewerb durch eine Fusion von Unitymedia und Vodafone geschwächt werden, wenn diese aktuell gar nicht miteinander im Wettbewerb stehen? Eben.

Warum aber sind Konkurrenten wie die Telekom, Telefónica oder auch die im Branchenverband BUGLAS organisierten regionalen Glasfaseranbieter dann so massiv gegen den Zusammenschluss? Fürchten sie tatsächlich, dass der Wettbewerb gerade im Breitbandbereich zum Erliegen kommen wird? Würde die geplante Fusion den Wettbewerb schwächen, müssten sich Telekom, Telefónica und die anderen Anbieter doch geradezu freuen, denn dann würden sie als Mitkonkurrenten ja auch vom gedrosselten Wettbewerb profitieren. Dass die Telekom sich keinen zweiten deutschlandweit agierenden Anbieter von schnellem Internet mit eigener Infrastruktur wünscht, der durch den Zusammenschluss von Vodafone und Unitymedia entstünde, ist verständlich - aber sicher kein Zeichen für eine Schwächung des Wettbewerbs.

Zur Erinnerung: Noch immer erhalten nur etwa 30 Prozent der deutschen Haushalte ihr schnelles Internet über das TV-Kabel. Da kann man kaum von einem Monopol sprechen, schon gar nicht, wenn von den DSL-Anschlüssen wiederum mehr als 70 Prozent direkt oder indirekt (also über sogenannte Reseller) von der Deutschen Telekom bezogen werden. Die Telekom wird auch nach der Fusion noch einen deutlich höheren Marktanteil als Vodafone haben.

Ich gehe davon aus, dass der Zusammenschluss und das Bündeln von Ressourcen Effizienzpotenziale bei den fusionierten Parteien heben wird, zum Beispiel im Marketing, im Vertrieb und bei der Beschaffung. Damit wird sich der Wettbewerb weiter beleben, und das wiederum wird sich eher positiv für Vorhaben wie den Breitbandausbau auswirken und daher auch für die Verbraucher positiv sein. Auch empirisch zeigt sich, dass der Wettbewerb im Breitbandbereich dann am intensivsten wird, wenn Anbieter mit eigenen Infrastrukturen gegeneinander konkurrieren.

Insofern können die Verbraucher der geplanten Fusion von Vodafone und Unitymedia entspannt entgegensehen. Der Wettbewerb dürfte dadurch eher zu- als abnehmen.

Justus Haucap wird mitunter als Gutachter für Kartellfragen von Unternehmen beauftragt. Er ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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