Donnerstag, 25. August 2016

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BCG-Umfrage Viele Manager trauen sich keine radikalen Innovationen zu

Ranking: Die innovativsten Unternehmen der Welt
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Einmal jährlich kürt die Boston Consulting Group die 50 innovativsten Unternehmen der Welt. Die Top 10 überraschen 2014 nicht, wohl aber die befragten Manager - mit Selbstkritik.

Hamburg - Nur wenige Konzerne der Welt sind in der Lage, bestehende Märkte grundlegend zu revolutionieren: Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Boston Consulting Group (BCG) zur Ermittlung der 50 innovativsten Unternehmen der Welt unter 1500 Top-Managern durchgeführt hat. Zwar wollten etwa 13 Prozent der Befragten sogenannte disruptive Innovationen liefern - mehr als 40 Prozent dieser Gruppe musste aber selbstkritisch eingestehen, ihre Unternehmen seien dazu gar nicht in der Lage.

Innovationen seien mehr als nur neue Produkte, sagt BCG-Deutschland-Chef Carsten Kratz, auch wenn hierzulande oft eher eindimensional gedacht werde. "In der angelsächsischen Welt ist der Begriff viel weiter gefasst, etwa um Dienstleistungen, Kundenschnittstellen oder Geschäftsmodelle."

Wer wahrhaft innovativ sein wolle, müsse entsprechend an vielen Fronten angreifen - was vor allem in etablierten Großkonzernen mit vielen bestehenden Strukturen nicht immer einfach sei. Zwar versuchten viele Konzerne, etwa mit eigenen Inkubatoren startup-ähnliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. "Viele sind allerdings selbstkritisch genug, um zu sagen: Wir haben die letzte Weisheit noch nicht gefunden."

An der Spitze business as usual

Seit 2005 kürt BCG einmal jährlich die innovativsten Unternehmen der Welt. Dazu haben die Berater in diesem Jahr 1500 Top-Manager zur Innovationskraft ihrer eigenen und von fremden Unternehmen befragt; gewichtet wurde das Ergebnis anschließend auf Grundlage von Aktionärsrenditen, Umsatz- und Margenwachstum. Seit 2005 Seriensieger: der kalifornische Computer- und Techkonzern Apple Börsen-Chart zeigen. Auch abseits der Spitze ist die Rangliste relativ konstant besetzt, von 50 ausgezeichneten Unternehmen standen 39 auch im vergangenen Jahr in der Auflistung.

Dominiert wird das Ranking von Technologie- und Telekom-Unternehmen: 7 Firmen der Top 10 und 21 aus den Top 50 gehören diesen Branchen an. Auch sechs der 11 Neueinsteiger seien in der Tech-Welt zuhause: Yahoo Börsen-Chart zeigen, Hitachi Börsen-Chart zeigen, Oracle Börsen-Chart zeigen, Salesforce Börsen-Chart zeigen, Huawei und der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi.

Die Nominierung Xiaomis ist brisant: Johny Ive, Chefdesigner beim Innovationsführer Apple, hatte den Chinesen zuletzt vorgeworfen, sie kopierten die Produkte seines Unternehmens. Besucher von Xiaomis Website mögen sich in der Tat an den Internetauftritt von Apple erinnert fühlen - in klassisch reduzierter Optik präsentieren dort die Chinesen ihre Smartphones.

Start-up-Mentalität macht innovativ

Für Carsten Kratz lässt sich der Erfolg der Top-50-Neueinsteiger mit ihrer Firmenkultur erklären: "Die Aufsteiger unseres diesjährigen Rankings haben alle relativ viel Start-up-Kultur im eigenen Unternehmen: Sie sind schnell unterwegs, gestalten ihre Geschäftsmodelle flexibel - etwa was Durchlaufzeiten angeht, Sortimentsanpassungen oder Preisgestaltung."

Wichtig sei zudem, dass die Firmen noch relativ jung seien: "Die Aufsteiger sind alle Unternehmen ohne großes Erbe, ohne legacy: Sie können am Markt aus einer reinen Angreifer-Perspektive heraus auftreten, ohne sich große Sorgen machen zu müssen, was sie vielleicht in den letzten fünfzig Jahren aufgebaut haben."

Darunter leiden die Etablierten: Deutschland ist mit sieben alteingesessenen Unternehmen in den Top 50 vertreten - bis auf Siemens Börsen-Chart zeigen, das vom 39. auf den 15. Platz klettert, müssen sie alle einen Rückgang ihres Innovativitätsrankings hinnehmen. Bayer Börsen-Chart zeigen (45) und BASF Börsen-Chart zeigen (48) fallen um 20 beziehungsweise 21 Plätze nach hinten; die vier Großen der deutschen Autoindustrie machen im Mittelfeld der Top 50 jeweils 5 bis 9 Schritte zurück.

Deutsche Autobauer fallen zurück - Tesla setzt Standards

Die Autobranche sei eine der deutschen Vorzeigeindustrien, sagt BCG-Chef Kratz; in den vergangenen drei, vier Jahrzehnten habe sie sich einen exzellenten Ruf in der Welt aufgebaut. Dass sie immer noch für Innovationen sorge, gleichzeitig aber auch ihre Kosten senke, zeige, dass es der Branche an sich gut gehe.

Der breitere Innovationsbegriff der angelsächsischen Welt mache ihr aber zumindest im Ranking etwas das Leben schwer - schuld daran ist ein kalifornischer Neuling im Markt: "Tesla ist in einigen Dimensionen innovativer als die deutsche Autoindustrie", sagt Kratz. "Deren Stärke ist aber nichtsdestotrotz immer noch eine Stärke, auf die sie bauen kann."

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