Sonntag, 31. Juli 2016

USA als weltgrößte Steueroase Warum Nevada die neue Schweiz ist

Lockruf der Geheimniskrämer: Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas

Die "Panama Papers" sorgen weltweit für Aufsehen. Doch nicht nur Panama hat den Ruf einer Steueroase - die USA spielen ebenfalls vorne mit.

Reno, Nevada, ist nicht gerade der Nabel der Weltwirtschaft. Gut, in der Nähe baut die Elektroautoschmiede Tesla an ihrer "Gigafactory" für Batteriezellen. Und von Reno aus finden sich alljährlich die Silicon-Valley-Größen zum verrückten Wüsten-Festival Burning Man ein. Ansonsten: Gut 200.000 Einwohner, ein Spielcasino als größter privater Arbeitgeber.

Noch abgelegener ist Pierre, die Hauptstadt des Präriestaats South Dakota, mit nicht einmal 15.000 Einwohnern.

Und doch wirken beide Orte wie Magneten auf globale Kapitalströme, wie die "Bloomberg Businessweek" in ihrer aktuellen Titelgeschichte berichtet. Untertitel: "Die Schweiz ist so letztes Jahrhundert."

In Pierre habe die Genfer Vermögensverwaltung Cisa Trust, die vor allem reiche Lateinamerikaner berät, die Eröffnung eines Büros beantragt, um "den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden".

Trident Trust, eine der großen auf das Versteckspiel spezialisierten Firmen, hat in South Dakota eine eigene Präsidentin, die freimütig über den Zustrom plaudert: "Cayman wurde dichtgemacht", oder "sie wollen raus aus der Schweiz".

Die Investmentbank Rothschild residiert in Reno selbst unauffällig als Untermieterin einer Anwaltskanzlei in einem Bürogebäude, wo früher Porsche seine Nordamerika-Zentrale hatte und auf einer anderen Etage auch der Staatsanwalt sitzt. Dorthin verschiebt sie jetzt Geld von Superreichen aus Bahamas, Bermuda und anderswo - unter der Voraussetzung, dass die Steuern in Ordnung sind, wie eine Sprecherin betont.

Rothschild-Manager Andrew Penney jedoch hatte jüngst in einer Kundenpräsentation die USA als "die effektiv größte Steueroase der Welt" beworben.

USA kämpfen gegen Steueroasen - außerhalb ihrer Grenzen

Auf internationaler Bühne machen die USA zwar am meisten Druck, Steueroasen trockenzulegen. Einige Schweizer Privatbanken mussten wegen ihrer Rolle als Fluchthelfer für US-Kunden schon aufgeben.

Aber intern lassen sie dem Steuerwettbewerb zwischen den Bundesstaaten freien Lauf. Neben Hochsteuerstaaten wie New York profilieren sich vor allem bevölkerungsarme Staaten wie eben Nevada, South Dakota, Wyoming oder Delaware - seit langem die Lieblingsoase der Dax-Konzerne - mit großzügigem Schutz für Briefkastenfirmen.

An diesen Regeln hat sich in jüngster Zeit nicht viel geändert, das "Netzwerk Steuergerechtigkeit" führt die USA bereits auf Rang drei ihres "Financial Secrecy Index" (hinter Schweiz und Hongkong, Deutschland steht auf dem achten Platz der Negativliste).

Plötzlich aber wird der Standort USA für Fluchtkapital viel attraktiver. Denn nahezu der gesamte Rest der Welt musste sich zum Jahreswechsel den Transparenzregeln der OECD unterwerfen. Geld in der Schweiz oder auf den Cayman-Inseln vor dem heimischen Fiskus zu verstecken, ist deutlich schwieriger geworden.

Nicht unterzeichnet haben das Abkommen jedoch ausgerechnet die USA - unter Verweis auf die eigenen "Fatca"-Regeln, die als Vorbild für das OECD-Werk dienen. "Fatca" jedoch schützt die US-Finanzen vor Kapitalflucht in andere Länder, nicht andersherum.

Übersicht: Die Steueroasen der Dax-Konzerne

Video: Die Steueroasen der Konzerne

Foto: Wochit; AP

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