Montag, 19. November 2018

Unternehmensberater "Der Berater-Markt ist heiß gelaufen"

Bianka Knoblach: "Für die großen Managementberater läuft es so gut wie lange nicht. Disruption und Digitalisierung stehen weiterhin oben auf der Agenda der Kunden - doch diese Trends machen auch vor den Beratern nicht Halt"
Stephanos Notopoulos
Bianka Knoblach: "Für die großen Managementberater läuft es so gut wie lange nicht. Disruption und Digitalisierung stehen weiterhin oben auf der Agenda der Kunden - doch diese Trends machen auch vor den Beratern nicht Halt"

Bianka Knoblach ist Geschäftsführerin der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung. Gemeinsam mit Wirtschaftsprofessor Dietmar Fink untersucht sie regelmäßig die Elite der deutschen Managementberater. Im mm-Interview breitet Knoblach Stärken und Schwächen der Zunft aus.

In seiner neuen Ausgabe berichtet manager magazin ausführlich über die jüngste Unternehmensberater-Studie, die sich mit dem Einfluss und der Wirkungskraft der Consultants beschäftigt.

manager magazin: Frau Knoblach, seit fast 20 Jahren analysieren Sie gemeinsam mit Professor Fink den deutschen Beratermarkt. Wie läuft das Geschäft der Consultants momentan?

Bianka Knoblach: Besonders für die großen Managementberater läuft es so gut wie lange nicht. Im vergangenen Jahr ist der Markt um etwa 8 Prozent gewachsen, für 2016 rechnen wir mit einem zweistelligen Umsatzplus. Und alles deutet darauf hin, dass es auch im nächsten Jahr so weitergeht.

mm: Welche Themen treiben das Wachstum?

Knoblach: Disruption und Digitalisierung stehen weiterhin ganz oben auf der Agenda der meisten Beratungskunden. Wir beobachten allerdings, dass langsam ein Umschwenken des Marktes einsetzt: In den letzten zwei Jahren haben die Berater die digitalen Leitplanken für die Zukunft definiert. Jetzt dreht sich das Thema immer stärker in den operativen Bereich. Unternehmen fragen: Wie müssen wir unsere Prozesse gestalten, um die neuen digitalen Geschäftsmodelle im Tagesgeschäft zum Laufen zu bringen? Und wie können uns digitale Technologien dabei helfen? Das sind Fragen, bei denen die Berater ihre traditionellen Stärken ausspielen können. Insofern rechnen wir damit, dass der Markt weiter gut läuft. Hinzu kommen eine ganze Reihe von Sonderthemen, wie der Brexit, die zunehmende politische Unsicherheit in Europa oder die Schatten einer neuen Finanz- und Bankenkrise. All das spielt den Beratern in die Hände.

mm: Die können also kistenweise Champagner ordern?

Knoblach: Zum Feiern bleibt wenig Zeit. Denn auch für die Berater verändert sich momentan sehr viel. Die Disruption macht auch vor ihrer Branche nicht Halt. Vor allem McKinsey und BCG sind sehr kreativ, wenn es darum geht, neue Modelle für das eigene Geschäft zu testen. Vorsicht ist vor allem für die Berater geboten, die mittelfristig den Anschluss verlieren könnten. Denn selbst Firmen, die eigentlich strukturelle Probleme haben, machen derzeit gute Geschäfte. Gewinnmargen von 40 bis 50 Prozent sind bei manchen Beratern durchaus drin. Das übertüncht die Probleme - und man tut so, als wären sie nie da gewesen.

mm: Wie sollten sich die Beraterkunden angesichts dieser Situation verhalten?

Knoblach: Für die gilt noch viel mehr als sonst: Augen auf bei der Beraterwahl! Der Beratungsmarkt ist heiß gelaufen, und momentan verkauft sich fast alles und fast jeder. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl eines Beraters sorgsam darauf zu achten, dass dieser auch wirklich das beherrscht, was für den Projekterfolg wichtig ist.

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