Mittwoch, 14. November 2018

Vier ältere Herren und der Tod des Unister-Chefs Unister: Was in Venedig wirklich geschah - Versuch einer Rekonstruktion

Thomas Wagner, Gründer und Chef von Unister, ist auf tragische Weise bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.

Am letzten Mittwoch im Juni treffen sich in einem der vornehmsten Etablissements Hannovers, dem Hotel Luisenhof, vier ältere Herren. Es ist kurz nach 12 Uhr mittags, es gibt Kaffee und Mineralwasser - es geht um Deutschlands größten Reisevermittler Unister und es geht um Geld. Viel Geld.

Drei Wochen später ist einer der Senioren tot (der Finanzvermittler B. aus dem Sauerland). Einem zweiten (dem Ex-Banker K.) ist, wie man hört, sehr mulmig zumute, weil er nun als "letzter Zeuge" gilt. Ein dritter ist spurlos verschwunden (Herr Sch. aus Unna, wenn das denn seine wirkliche Identität sein sollte). Und der vierte wundert sich, was da alles passiert ist in den vergangenen 21 Tagen.

Passiert ist: Am vergangenen Donnerstag sind Thomas Wagner, Chef der Leipziger Internetkonzerns Unister ("Ab-in-den-Urlaub.de", "fluege.de"), und sein Mitgesellschafter Oliver Schilling auf dem Rückflug von einem Geschäftstermin in Venedig tödlich verunglückt. Auch die beiden anderen Männer, die in der über Slowenien abgestürzten Kleinmaschine saßen, sind tot. Der eine war der Pilot. Und der andere: der Finanzvermittler B. aus dem Sauerland. Herr B. allerdings war nicht der einzige aus der illustren Runde von Hannover, der in Venedig dabeigewesen sein soll. Sondern auch Herr K., der Ex-Banker. Er überlebte, weil er offenbar das Auto nahm.

Was nun ist die Verbindung zwischen Hannover und Venedig? Was hat den Unister-Chef nach Italien getrieben? Und was genau hat sich dort zugetragen? Mit absoluter Sicherheit wird sich das - wenn überhaupt - erst in einigen Monaten sagen lassen. Das Aufklärungsinteresse ist groß. Nicht nur seitens der Behörden. Sondern auch vonseiten des Insolvenzverwalters, der seit dieser Woche bei Unister das Sagen hat.

Was sich auf Basis der gegenwärtigen Quellenlage auch jetzt schon abzeichnet - das ist ein grobes Bild davon, was auf der mysteriösen letzten Reise des Unister-Chefs passiert sein könnte.

Der Reihe nach: In den vergangenen Tagen haben sich die Ereignisse überschlagen. Nicht einmal 96 Stunden, nachdem Wagner und seine drei Mitreisenden in den Tod stürzten, meldete Unister vorläufige Insolvenz an. Kenner des Unternehmens bezeichnen den Schritt als "überfällig", die Schuldenlast sei in den vergangenen Monaten immer erdrückender geworden. Die düstere finanzielle Lage von Unister ist mit ziemlicher Sicherheit der Grund, warum sich Wagner auf den Weg nach Venedig machte. Es ging darum, Geld aufzutreiben. Wieder einmal.

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